Kritik

Troop Zero

„Troop Zero“ // Deutschland-Start: 17. Januar 2020 (Amazon Prime Video)

Der Alltag von Christmas Flint (Mckenna Grace) ist nicht so wirklich toll. Freunde hat sie keine, sie trauert ihrer Mutter nach. Dafür hat sie aber einen Traum: Kontakt zu Außerirdischen aufnehmen. Geklappt hat das bislang noch nicht, stattdessen erntete sie nur Spott. Aber vielleicht ergibt sich jetzt ja doch die Möglichkeit, denn die Gewinnerinnen eines baldigen Talentwettbewerbs dürfen eine Nachricht aufnehmen, die zusammen mit anderen ins All geschickt wird. Das lässt sich Christmas nicht zweimal sagen und rekrutiert daher mit Joseph (Charlie Shotwell), Hell-No Price (Milan Ray), Smash (Johanna Colón) und Anne-Claire (Bella Higginbotham) eine Reihe weiterer Ausgestoßener. Doch der Weg an die Spitze ist weit …

Dass es Leute, die irgendwie anders sind, nicht unbedingt leicht im Leben haben, das ist kein Geheimnis. Das kennen wir vielleicht von uns selbst oder zumindest unserem Umfeld. Wir kennen es vor allem auch aus Filmen, in denen regelmäßig Protagonisten und Protagonistinnen auftauchen, die nicht wirklich hineinpassen und nach einem Weg suchen, doch noch irgendwie das Glück in dieser Welt zu finden. Tatsächlich gibt es so viele Filme, in denen Underdogs Hindernisse überwinden und die arroganten Alphatiere schlagen, dass man sich fragen muss: Gibt es überhaupt noch Außenseiter, wenn alle irgendwie anders sind?

Bekannte Außenseiter
Neuestes Beispiel für eine solche Underdog-Geschichte ist die Komödie Troop Zero, welche auf dem Sundance Film Festival 2019 Premiere hatte und nun auch als Amazon-Original verfügbar ist. Dass der Film ausgerechnet dort das erste Mal gezeigt wurde, ist naheliegend, entspricht er doch so ziemlich dem, was man mit Sundance verbindet: skurriles Wohlfühlkino, ein bisschen Indie, aber nicht zu sehr. Das Publikum soll schließlich bestätigt werden, nicht wirklich herausgefordert. Hinzu kommt, dass sich das hier an ein jüngeres Publikum richtet, weshalb der Ton quasi zwangsweise versöhnlicher sein muss. Die jungen Zuschauer und Zuschauerinnen sollen am Ende ja gestärkt wieder raus in die Welt gehen.

Das kann man natürlich etwas langweilig, weil berechenbar finden. Vielleicht sogar mutlos, wenn das Plädoyer für Individualität selbst nicht übermäßig individuell ist. Dafür ist Troop Zero aber doch recht schön, gerade auch weil einige hässlichere Themen angesprochen werden. Christmas beispielsweise leidet unter dem Verlust ihrer Mutter und macht immer mal wieder ins Bett, wenn sie besonders aufgeregt ist, obwohl sie längst aus dem Alter draußen sein sollte. Eine andere wird ständig verspottet, weil sie eine Augenklappe trägt. Dass sie ausgerechnet von den Vorzeigemädchen angegriffen wird, die in ihren Liedern vom Einsatz für Schwächere singen, ist eines der vielen gelungenen Details, welche Drehbuchautorin Lucy Alibar (Beasts of the Southern Wild) da zusammenstellte.

Mit Witz und Herz
Ein großer Pluspunkt ist an der Stelle die Besetzung. Im Mittelpunkt steht unweigerlich Kinderstar Mckenna Grace (Spuk in Hill House), die als verunsicherte Träumerin die Geschichte zusammenhält und mit viel Wärme ausfüllt. Sie funktioniert auch gut als Identifikationsfigur für die Zielgruppe, da sie eben nicht die Superheldin ist, sondern vieles nicht oder nur schlecht hinbekommt. Für das erwachsene Publikum sind hingegen die beiden Veteraninnen interessant, die sich gegenüberstehen: Viola Davis und Allison Janney spielen zwei Teamführerinnen, die sich seit Ewigkeiten kennen und kontinuierlich bekämpfen, auch weil beide sehr unterschiedliche Ansichten zur Rolle der Frau haben.

Das ist nicht nur unterhaltsam, es verhilft dem Film zudem zu weiteren Sympathiepunkten, wenn in dem historischen Setting – Troop Zero spielt im Jahr 1977 – ein paar Grundlagen für Frauenrechte gelegt werden. Die von Janney gespielte Miss Massey ist dabei, obwohl als Antagonistin konzipiert, irgendwo auch eine tragische Figur, weil das klare Ergebnis einer Gesellschaft, in der Frauen eben doch nur Mütter und Hausfrauen sein dürfen. Glücklicherweise schwingen Katie Ellwood und Amber Templemore-Finlayson, die als Bert & Bertie Regie führten, dabei nicht allzu offensiv die Moralkeule. Vielmehr verlassen sie sich auf den Witz und den Charme der Geschichte bzw. der Figuren und haben auf diese Weise einen sehr warmherzigen Film gedreht, der gerade zum liebevoll-schrulligen Ende hin rührt.

Credits

OT: „Troop Zero“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Bet & Bertie (Katie Ellwood, Amber Templemore-Finlayson)
Drehbuch: Lucy Alibar
Musik: Rob Lord
Kamera: Jim Whitaker
Besetzung: Mckenna Grace, Viola Davis, Jim Gaffigan, Allison Janney, Charlie Shotwell, Milan Ray, Johanna Colón, Bella Higginbotham

Trailer

 



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Troop Zero
„Troop Zero“ erzählt von einem Außenseiter-Mädchen, das mit Gleichgesinnten einen Talentwettbewerb gewinnen will, um so eine Nachricht ins All zu schicken: Die für eine jüngere Zielgruppe konzipierte Komödie mag nicht die mutigste sein, ist aber ein warmherziges Plädoyer für mehr Individualität und Träume, setzt sich darüber hinaus für mehr Selbstbestimmung von Frauen ein.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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