Kritik

Mad Max

„Mad Max II – Der Vollstrecker“ // Deutschland-Start: 27. August 1982 (Kino) // 17. September 2015 (DVD/Blu-ray)

Viele Jahre sind vergangen, seitdem Max Rockatansky (Mel Gibson) alles verloren hat und auf einen Rachefeldzug ging gegen die Gang, die ihm seine Frau und sein Kind nahmen. Mittlerweile ist die Welt um ihn herum gänzlich dem Chaos verfallen und aus den umher streunenden Banden sind ganze Stämme geworden, angetrieben von der Suche nach Ressourcen, nicht zuletzt Treibstoff, der essentiell für das Überleben auf der Straße ist. So ist auch Max auf der Suche nach jenem „schwarzen Gold“, um welches er sich meist gnadenlose Duelle mit Kriminellen oder Dieben liefern muss. Durch eine Zufallsbegegnung mit dem Piloten eines Tragschraubers (Bruce Spence) wird er auf eine kleine abgeschirmte Konklave von Menschen aufmerksam, die noch Öl fördern und es zu Benzin verarbeiten. Jedoch bekommt Max den Treibstoff nicht umsonst, denn er muss den Bewohnern und ihrem Anführer Pappagallo (Mike Preston) im Kampf gegen die Bande des degenerierten Humungus (Kjell Nilsson) helfen, welcher deren Hochburg immer wieder angreift. Pappagallo und seine Leute haben nämlich genug von den ständigen Angriffen und wollen in einer 2000 Meilen entfernte Gegend in der Nähe des Meeres fliehen, wo sie sich ein neues, sicheres Leben erhoffen. Nur widerwillig lässt sich der Einzelgänger Max auf einen Handel mit der Gruppe ein, die ihn als Fahrer einsetzen will. Doch Humungus’ Leute haben Pappagallos Plan schon längst durchschaut und warten nur darauf, dass er die Sicherheit seiner Festung aufgibt.

Brennendes Land
Nach dem Erfolg des ersten Mad Max-Films gab es viele Angebote für George Miller, gerade aus Hollywood, wo er vor allem weiter im Actiongenre arbeiten sollte. Mit den Angeboten waren naturgemäß höhere Budgets verknüpft, von denen sich Miller vor allem versprach, dass er keine weiteren Erfahrungen machen müsse wie beim Dreh von Mad Max. Wie er der New York Times in einem Interview 1982 verriet, war es vor allem der zeitliche und finanzielle Druck, der den Film formte, sodass er unzufrieden mit dem Endergebnis war. Eine Fortsetzung mit einem höheren Budget, so Miller, würde nicht zuletzt auch den Film zeigen können, den der Regisseur machen wollte, wenn der Druck von außen nicht so groß gewesen wäre.

Von dieser Stellungnahme des Regisseurs ausgehend wundert es daher auch gar nicht, wenn Mad Max II sich vor allem thematisch am Vorgänger orientiert und dessen Konzepte ausbaut. Mit dem kompletten Wegfall der modernen Idee von Zivilisation, wie es bereits das Voice-over zu Beginn des Films einführt, hat nun das Chaos Einzug erhalten, welches sich bereits im Vorgängerfilm andeutete. Miller und Kameramann Dean Semler erweisen sich als geschickt und effektiv in der Inszenierung der Szenerien vor deren Hintergrund sich dieser Kampf ums Überleben abspielt. Die allseits präsente Hitze gepaart mit der Kargheit dieses Landes sind die perfekte Leinwand, auf der sich Millers Vision einer post-industriellen Apokalypse abspielt. Durchschnitten wird dies nur von den Motoren der aufgemotzten Automobile und Trucks sowie dem mechanischen Geräusch der Bohrtürme, deren Versprechen auf Rohstoffe, so wie schon seit ewigen Zeiten, der Urquelle jeden Konfliktes ist.

Ein neuer Held
In dieser Welt wird Max Rockatansky als der neue Held inszeniert. Wortkarg, hinterlistig und nach einem eigenen Kodex folgend durchkämmt diese Figur ziellos das Land, wie es ihm Pappagallo in einer Szene vorhält. Da das Leben abseits der Straße für ihn nur noch in vagen Erinnerungen existiert, ist Max zu einem Nomaden geworden, der abermals von Mel Gibson mit jener kongenialen Mischung aus Stoizismus und stiller Emotionalität gespielt wird. Abermals, wie im ersten Teil, wird das Thema des Helden aufgegriffen, eine Rolle, die Max aufgezwungen wird und die er nicht zuletzt aufgrund des Mangels an Alternativen erfüllt.

Die Musik Brian Mays unterlegt die Bilder dieser Figur mit einem gewissen Pathos, aber zugleich einem Geheimnis. Dieser Charakter ist schwierig zu fassen, ein Phantom möchte man meinen, der aber immer unterwegs ist und zu einem Symbol für eine vages Konzept der Ordnung innerhalb des Chaos steht.

Credits

OT: „Mad Max 2“
Land: Australien
Jahr: 1981
Regie: George Miller
Drehbuch: George Miller, Brian Hannat, Terry Hayes
Musik: Brian May
Kamera: Dean Semler
Besetzung: Mel Gibson, Bruce Spence, Vernon Wells, Viginia Hey, Emil Minty, Mike Preston, Kjell Nilsson

Trailer

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Mad Max II – Der Vollstrecker
„Mad Max II – Der Vollstrecker“ ist eine sehr gelungene Fortsetzung, die zum einen mehr Action bietet, aber auch tiefer geht in diese Welt und diese Figuren. Zugleich stellt Miller den Kampf um Rohstoffe als einen ewigen Kreislauf der Gewalt dar, aus dem es einen Ausweg geben muss, was dem Film eine philosophische Ebene verleiht. Max wird hier wiederholt ein Symbol für diese neue Welt, ein Gänger zwischen den Welten des Chaos und der Ordnung.
9von 10

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