Was gibts neues Pussy What’s New Pussycat Woody Allen

„Was gibt’s Neues, Pussy?“ // Deutschland-Start: 8. Oktober 1965 (Kino) // 20. September 2019 (Blu-ray)

Wenn Michael James (Peter O’Toole) wollte, könnte er so ziemlich jede Frau bekommen. Das ist einerseits ganz schön, andererseits aber auch ein wenig hinderlich. Schließlich würde er gern seiner Freundin Carole (Romy Schneider) treu bleiben, vielleicht sogar mehr draus machen. Und so sucht er Rat bei dem Psychologen Dr. Nikita Popowitsch (Peter Sellers), in der Hoffnung, er könnte ihm aus dem Schlamassel helfen. Doch auch das funktioniert nicht so ganz, denn der hat derzeit selbst so seine Probleme mit den Frauen – vor allem seiner eigenen. Wenn es nach ihm ginge, würde er sogar noch was von Michael lernen, was bald zu jeder Menge Chaos für alle Beteiligten führt ….

Seit dem Begin von #MeToo gehört Woody Allen sicher zu den prominentesten Künstlern, die in Ungnade gefallen sind. Nicht weil die Missbrauchs-Anschuldigungen an den Regisseur neu wären. Sie zeigten nur jetzt erst ihr Wirkung, weshalb sein letzter Film A Rainy Day in New York lange in den Giftschrank wanderte. Ausgerechnet in einer solchen Situation Was gibt’s Neues, Pussy? erstmals auf Blu-ray zu veröffentlichen, das ist schon ein wenig gewagt. Schließlich handelt es sich bei dieser Komödie um das Drehbuch- und Schauspieldebüt des damals gefragten Komikers und hat ausgerechnet zum Thema, wie sexhungrige Männer fremde Frauen verführen.

Das wird man doch noch mal sagen dürfen …
Zugegeben, wer hier wen verführt, das ist nicht immer ganz klar zu erkennen. Die Frauen sind hier nicht zwangsläufig willenlose Opfer, sondern verfolgen ihrerseits die Männer ganz kräftig. Einer der Running Gags soll ja sein, dass sich alle in Michael verlieben, obwohl der viel lieber mal seine Ruhe hätte. Wer sich daraus aber scharfe, analytische Beobachtungen von Geschlechterrollen erhofft, der sieht sich getäuscht. Was gibt’s Neues, Pussy? ist im Gegensatz zu den späteren Werken Allens auch nicht von Dialogen getragen. Stattdessen gibt es derbe Witze am laufenden Band, dazu lauter hysterische Menschen.

Einige dieser Gags sind aus heutiger Sicht kaum mehr zu ertragen. Gleich zu Beginn beschimpft Popowitsch für deren Übergewicht, auch andere werden zum Opfer von Fatshaming. Die Herabwürdigung von Frauen, indem Michael alle Frauen nur Pussycat nennt, ist das zweite von diversen problematischen Elementen. Darüber wird sich manch einer vielleicht sogar freuen und Was gibt’s Neues, Pussy? als eine Komödie vom alten Schlag ansehen, als politische Korrektheit noch kein Thema war. Nur ist das hier weit davon entfernt, in irgendeiner Form subversiv zu sein oder tatsächlich weh tun zu wollen. Vielmehr ist der Film einfach nur von einer sehr dumpfen Sorte, die ihr Heil in Hektik sucht, nicht in Schärfe.

Auf der Suche nach dem Witz
Genauer besteht der Humor darin, dass Michael und sein unfähiger Therapeut durch die Gegend laufen, dabei regelmäßig auf Frauen stoßen und in peinliche Situationen geraten, ausgedehnte Slapstick-Einlagen inklusive. Das kann vereinzelt mal ganz nett sein. Das Ende ist beispielsweise so bescheuert und überzogen, sowas würde man sich heute kaum mehr trauen. Außerdem hat Was gibt’s Neues, Pussy? eine beträchtliche Menge an 60er-Jahre-Charme, wenn eine Horde zwischenmenschlich gestörter Leute sich ins Nachtleben stürzen. Das von Tom Jones gesungene Titellied ist ja ohnehin ein Klassiker.

Wirklich Spaß macht der Film aber zu selten, Regisseur Clive Donner gelingt es irgendwie gar nicht, aus dem immensen Schauspieltalent etwas Nennenswertes herauszukitzeln. Meistens beschränken sich die Anforderungen darauf, durch die Gegend zu rennen und zu kreischen. Selbst die Comedy-Legende Peter Sellers müht sich ab, seine eintönige Figur interessant zu gestalten. Für Sammler ist das trotz allem irgendwo lohnenswert, so viele Stars auf einem Haufen zu sehen. Es wäre nur wünschenswert gewesen, wäre daraus auch ein guter Film geworden. Dass Was gibt’s Neues, Pussy? das nicht geworden ist, ist noch das bemerkenswerteste Merkmal eines leider ziemlich überflüssigen Werks.



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Was gibt’s Neues, Pussy?
„Was gibt’s Neues, Pussy?“ war die erste große Drehbucharbeit von Woody Allen, der hier auch eine Nebenrolle spielt. Komisch ist die Geschichte um zwei Männer in Liebesnöten aber nicht, dafür sind die Gags zu eintönig und zu plump. Anstatt wirklich etwas zu Geschlechtern zu sagen, wird hier in erster Linie ziellos durch die Gegend gerannt und hysterisch geschrien.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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