Dem deutschen Publikum ist der Name Karl Ove Knausgård wahrscheinlich am besten bekannt durch seine zahlreichen Bücher. Durch seine autobiografisch geprägten Werke wie die Mein Kampf-Bücher (Sterben, Lieben, Spielen, Leben, Träumen und Kämpfen) hat sich der Norweger einen großen Leserkreis in ganz Europa erschlossen, berühren seine Bücher immer wieder die Überschneidungen von Leben und Kunst, immer wieder geerdet durch die Verbindung zum eigenen Schaffen. Über seine Tätigkeit als Autor gelang es Knausgård den Pelikan-Verlag zu gründen sowie sich andere künstlerische Betätigungsfelder zu erschließen, wie beispielsweise im Jahr 2017, als er den Auftrag bekam, eine Ausstellung über den norwegischen Maler Edvard Munch als Kurator zu begleiten.

Dies ist auch der Ausgangspunkt für die Dokumentation der Regisseure Emil und Joachim Trier, welche, ausgehend von einer Idee Knausgård, den Prozess begleiten. Dabei geht es den beiden Filmemachern sowie Knausgård weniger um einen Schaffensprozess, sondern mehr um die Frage, die auch Thema der Ausstellung sein sollte, welche Beziehung heutige Künstler, Menschen im 21. Jahrhundert zu einem Künstler wie Edvard Munch haben. Während Emil Trier hinter der Kamera agiert, fungiert Joachim Trier, dem deutschen Publikum durch Filme wie Louder Than Bombs und Thelma ein Begriff, als Gesprächspartner Knausgårds, als Verhandlungspartner um den Wert von Munchs Kunst, dessen mögliche Interpretationen und dessen Leben.

Wer ist Edvard Munch?
Bereits nach den ersten 15 Minuten sollte deutlich sein, dass es sich bei Der andere Munch keinesfalls um einen staubtrockenen Museumsfilm handelt. Zudem sehen Knausgård und Trier es nicht als ihre Aufgabe an, den Status eines Munch zu verhandeln, sondern diesen im Gegenteil von diesem statischen Podest zu befreien und den Blick auf ihn und sein Werk zu erweitern. Sehr ansteckend dabei ist nicht zuletzt die Freude der beiden in der Diskussion über einzelne Bilder, die verschiedenen Sichtweisen und Spannungen, welche gleichsam dem Zuschauer eine neue, eine eigene Sicht erschließen, so sich dieser auf den Diskurs der beiden einlässt.

Neben vielen Museen führt der Film den Zuschauer an verschiedene Stationen des Lebens Munchs. So beschreiten Knausgård und Trier das Geburtshaus des Malers, besuchen Kunstwissenschaftler wie Stian Grøgaard sowie das Strandhaus Munchs, an dem vielen bekannte und weniger bekannte Gemälde entstanden sind. Auf der einen Seite suchen die beiden Männer nach Spuren, haben Spaß am kreativen Austausch und finden immer wieder überraschende Berührungspunkte der Kunst Munchs zu ihrem eigenen Leben. Gerade für Knausgård ergeben sich ungeahnte Einsichten, die zurückführen zu seiner Arbeit als Autor.

Es sind gerade diese Überraschungen, welche die Spannung eines solchen Projekts ausmachen. Geradezu spielerisch illustriert der Film jene Interaktion der Kunst mit dem Zuschauer, liefert biografische Hintergründe und demonstriert die Zeitlosigkeit eines Werkes wie dem Munchs, das frei von museale geprägter Interpretationskultur sich jedem zu erschließen vermag, vorausgesetzt man öffnet sich ihm.

Darüber hinaus scheinen auch die Bilder des Films an sich von der Weite vieler Bilder Munchs inspiriert zu sein. Speziell die Szenen in der Nähe des Strandhauses zeigen einen eindrucksvollen Blick auf diese inspirierende Landschaft, dessen Schönheit und Melancholie. Fast scheint einem, man wäre jenem Klischee über Munch auf den Leim gegangen, wenn nicht Knausgård dann selbst gedankenverloren auf einem Felsen posiert, was Trier mit einem Lachen begleitet, jetzt sehe er tatsächlich wie der typisch melancholisch-nachdenkliche Norweger in Munchs Bildern aus.



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Der andere Munch
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Der andere Munch
"Der andere Munch" ist ein unterhaltsamer Film über den Künstler Munch, wie man ihn heute sehen kann und welchen Wert seine Kunst für das eigene Leben hat. Durch ihren teils jovialen, aber stets interessanten Gedankenaustausch ergeben sich neue Sichtweisen auf Kunst, zeigt sich aber auch schlicht und ergreifend der Spaß daran Kunst zu erleben, zu verhandeln und auch über sie zu scherzen.
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