Zwingli Der Reformator

„Zwingli – Der Reformator“ // Deutschland-Start: 31. Oktober 2019 (Kino)

Für den Schweizer Priester Huldrych Zwingli (Maximilian Simonischek) stehen 1519 Gott und die Bibel über alles. Mit seinen Glaubensbrüdern hat er jedoch so seine Probleme. Ob es nun das Festhalten am Fegefeuer ist, der Ablasshandel oder das Beharren darauf, Kirchentexte müssten alle auf Latein sein – er weicht in vielerlei Hinsicht von den Lehren der Katholischen Kirche ab. Die wiederum sieht sich durch diese aufrührerischen Thesen in Gefahr und tut alles, um den widerspenstigen Reformator mundtot zu machen. Doch das ist nicht so einfach, denn inzwischen scharen sich immer mehr Anhänger und Unterstützer um den umstrittenen Geistlichen …

Beim Thema Reformation denkt man hierzulande in erster Linie an Martin Luther, der mit seinen 95 Thesen, die er 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll, eine Revolution innerhalb des Christentums anzettelte. Dabei wird gerne mal vergessen, dass Zwingli nahezu zeitgleich in der benachbarten Schweiz ebenfalls gegen alte Traditionen der Kirche ankämpfte und Missstände anprangerte. Viele der Regeln, die dort galten, waren für ihn reine Willkür, oft auch nur ein Mittel, um die breite Bevölkerung kleinzuhalten und über sie herrschen zu können. Und eben diese Regeln wollte er abschaffen, zum Wohle aller. Dieser Kampf ist dabei in erster Linie einer der Worte. Tatsächlich ist Zwingli – Der Reformator ein sehr dialoglastiger Film, kaum eine Szene, in der nicht irgendwie diskutiert, gestritten, diffamiert würde.

Lasst uns drüber reden!
Das ist rein auf die Handlung bezogen natürlich nicht sehr abwechslungsreich. Nur zum Schluss wird auch mal ein bisschen mehr getan, wenn die Geschichte sehr finstere und brutale Züge annimmt. Doch das meiste spielt sich dann abseits der Kamera ab, wird dem Publikum nur beschrieben – um es zu schonen und weil der Aufwand sicherlich zu groß gewesen wäre. Wobei der von Stefan Haupt (Finsteres Glück) inszenierte Historienfilm durchaus auch etwas fürs Auge bietet. Immerhin sechs Millionen Schweizer Franken ließ man sich die Produktion kosten, um das nunmehr 500 Jahre zurückliegende Wirken Zwinglis zu würdigen. Und das lässt sich in der Ausstattung sehen, eine stimmungsvolle Rekonstruktion des Mittelalters, die vor allem die Freunde und Freundinnen düsterer Settings erfreuen dürfte.

Denn düster ist es, was da so vor sich geht. Nicht nur, dass die Menschen unterdrückt werden und am Existenzminimum herumwerkeln, irgendwann kommt auch die Pest vorbei, um den letzten Rest zu geben: Zwingli – Der Reformator zeigt die Schweiz im Mittelalter als einen Ort, der so voller Probleme und Konflikte ist, dass er zu einem Pulverfass geworden ist. Wenn Zwingli sich nun anschickt, hier für Abhilfe zu sorgen, dann wird er automatisch in die Rolle des Helden gezwängt. Teilweise ist dies sicher auch gerechtfertigt. Sein Einsatz, dass alle Menschen an der Bibel teilhaben können sollen, etwa durch eine Übersetzung der Schriften, zeigt ein deutlich humanistischeres Weltbild als das der Kirche. Allgemein stemmt er sich gegen die Vorstellung eines strafenden Gottes und stellt vielmehr dessen Liebe zum Menschen in den Vordergrund.

Zwischen den Stühlen
Gleichzeitig stellt er sich im Laufe der Zeit als eine doch recht ambivalente Figur heraus, gerade auch beim Umgang mit noch radikaleren Kräften. Seine Argumentierstärke, die er zuvor bewies, verlässt ihn hier, im Grunde agiert er nicht anders als seine Feinde, wenn er sich als Bewahrer von Traditionen gibt. Das macht Zwingli zu einer spannenderen Figur, als man zuvor vielleicht erwartet hätte, was auch der guten Leistung von Hauptdarsteller Max Simonischek (Desaster) zu verdanken ist, der seiner Rolle Gravitas aber auch Menschlichkeit mitgibt, ein Mann des Volkes, der sich zu Höherem berufen fühlt.

Das macht den Beitrag vom Filmfest München 2019 auch für ein Publikum interessant, das kein großes Interesse an theologischen Auseinandersetzungen hat – zumal einige der Streitpunkte einem erstaunlich aktuell vorkommen. Aufgrund der Fülle an Ereignissen und Auseinandersetzungen ist das Historiendrama immer etwas gedrängt, hat auch gar nicht die Zeit, immer in die Tiefe zu gehen. Das Verhältnis zwischen ihm und Luther wird beispielsweise in Nebensätzen abgehandelt: Wer wissen will, warum die zeitgleich stattfindenden Reformationen nicht zusammenfanden, der muss sich schon außerhalb informieren. Als Einstieg in das Leben des Geistlichen und sein Wirken ist Zwingli – Der Reformator aber durchaus zu empfehlen.



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Zwingli – Der Reformator
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Zwingli – Der Reformator
„Zwingli – Der Reformator“ spürt dem Schweizer Reformator nach und zeigt ihn sowohl als Privatmann wie auch als Gläubigen. Der Film verzichtet dabei darauf, ihn zu einem reinen Helden machen zu wollen, sondern verschweigt auch seine ambivalenten Seiten nicht. Zusammen mit der stimmigen Mittelalterausstattung wird so eine vollgepackte Geschichtsstunde draus, die man auch ohne religiöses Interesse gut anschauen kann.
7von 10

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