„Die Dolmetscherin“ // Deutschland-Start: 21. April 2005 (Kino) // 19. September 2019 (DVD/Blu-ray)

Die Ankündigung des afrikanischen Präsidenten Edmond Zuwanie, Oberhaupt der Republik Motobo, eine Rede vor der UN Generalversammlung zu halten, versetzt die Institution sowie die internationalen Medien in helle Aufruhr. Schon lange wird ihm vorgeworfen, ethnische Säuberungen in seinem Land durchzuführen unter dem Deckmantel des Kampfes gegen des Terrorismus. Seine Rede soll seine Verteidigung gegen diese Vorwürfe sowie die Legitimation seiner Politik sein. Auch der Alltag der Dolmetscherin Silvia Broome (Nicole Kidman) wird von diesem Ereignis empfindlich getroffen, besonders als sie durch Zufall ein Gespräch mithört, in welchem es um ein Attentat auf Zuwanie geht. Alarmiert durch ihre Aussage wird unter anderem ein Team des Secret Service, angeführt von den Agenten Keller (Sean Penn) und Woods (Catherine Keener), zusammengestellt, um Broomes Vermutung nachzugehen. Als der Besuch Zuwanies immer näher rückt, geraten die Ermittler immer mehr unter Druck einen internationalen Eklat zu verhindern …

Etwas Besseres als die Wahrheit
Innerhalb der Karriere eines Schauspielers muss man mit allem rechnen, auch mit unerwarteten Wendungen, die einen in eine andere Berufssparte bringen. Diese Tatsache trifft zumindest auf den Werdegang Sydney Pollack zu, der sich zunächst vor der Kamera versuchte, bis er schließlich, wie er selbst zugibt, mit größerem Erfolg erst als Schauspieldozent und dann als Regisseur arbeitete. Seine mit allerlei Metaphern gespickte Philosophie für den Beruf ist, dass man zwar immer die Wahrheit kenne, aber als Regisseur, oder als Kunstschaffender generell, „etwas Besseres“ als diese erschaffen will.

Damit diese Gleichung aufgeht, bedarf es eines in der Realität verankerten, glaubhaften Rahmens. Diesen schafft Pollacks Film, beziehungsweise dessen Drehbuch, durch die Bühne der internationalen Politik sowie des Fundaments, welches sich mit den internen Konflikten innerhalb des afrikanischen Kontinents befasst. Zwar ist das Land Motobo fiktiv, dennoch geben die besprochenen Themen wie Korruption und Terrorismus dem Zuschauer ausreichend Anknüpfungspunkte, nicht zuletzt, wenn es um den Umgang von Institutionen wie der UN mit diesen Staaten geht.

Dennoch verbleibt Die Dolmetscherin nicht bei diesem äußeren Rahmen, was auch der Komplexität der Thematik gegenüber nicht genügen würde. Hinter den erhitzten, sehr formellen Gesprächen und Reden am Pult der UN-Vollversammlung geht es nicht zuletzt um Menschen, um Schicksale und generell das Leben auf unserem Planeten, welches auf der reinen Wortebene distanziert wird, aber gewaltsam eindringt in das Leben der Charaktere, oder vielmehr noch ein essenzieller Teil der eigenen Biografie ist. Durch immer wieder neue Enthüllungen sowie zunächst als unwichtig empfundene Wortfetzen entsteht ein weiter Spannungsbogen, der jeden, auch die von Nicole Kidman gespielte Silvia Broome, verdächtig macht. Leider sind diese Hinweise nicht immer besonders subtil, sodass man viele der Wendungen bereits ahnt.

Die Ebenen der Sprache
Spannend ist vor allem das kontroverse Verhältnis zu Sprache und Kommunikation, welches im Film eine zentrale Rolle spielt. Von Berufs wegen her bereits vorbelastet, ist Kidmans Charakter ein in den Feinheiten der Sprache geschulte Person, die deren Fallstricke kennt und diese sogar gegen andere ausspielen kann. Gerade im Original lohnt sich eine Dialogszene wie die, in der sie Sean Penns Figur über den Unterschied zwischen den Wörtern „gone“ und „dead“ aufklärt, was folglich zu einer Art Leitmotiv des Filmes wird.

Generell ist der englische Titel The Interpreter wesentlich passender. Keller und Broome, wie auch andere Figuren, werden immer wieder Interpreten von Kommunikation, Aussagen und Handlungen anderer. Bedenkt man die Auswirkungen einer Fehlinterpretation wird betont, welchen Stellenwert ein genauer Umgang mit Sprache hat. Aber auch, wie man Sprache als Werkzeug der Manipulation gegen Menschen einsetzen kann, sich selbst und seiner Handlungen in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen kann.



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Die Dolmetscherin
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Die Dolmetscherin
„Die Dolmetscherin“ ist ein leidlich spannender, interessant geschriebener Thriller über internationale Politik, ihre Sprache sowie die nachhaltigen Auswirkungen dieser. Insbesondere Nicole Kidmans sensibles Spiel macht den Film streckenweise zu einem einfühlsamen Drama über die Folgen einer Politik, die sie viel zu oft in die Distanz zu den Menschen übt ohne deren Leben und Leiden tatsächlich zu erreichen.
7von 10

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