Come to Daddy

„Come to Daddy“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Seit vielen Jahren hat Norval Greenwood (Elijah Wood) keinen wirklichen Kontakt mehr zu seinem Vater (Stephen McHattie). Umso überraschter ist der Mittdreißiger dann auch, als er aus heiterem Himmel einen Brief seines Vaters erhält, in dem dieser ihn bittet, ihn in seinem Haus zu besuchen. Das lässt sich Norval nicht zweimal sagen, leidet er doch noch immer darunter, dass er und seine Mutter damals einfach sitzen gelassen wurden. Vielleicht darf er ja jetzt endlich die Hintergründe erfahren, sich sogar mit ihm aussöhnen! Sein alter Herr scheint daran aber nur wenig Interesse zu haben, von Anfang an ist die Atmosphäre recht frostig. Doch der eigentliche Schock steht Norval erst noch bevor …

In den letzten Jahren hat sich der einst als Hobbit Frodo weltberühmt gewordene Elijah Wood ja ein wenig rar gemacht. Am ehesten sah man seinen Namen zuletzt noch bei den Credits in der Abteilung Produzent, unter anderem Mandy und The Greasy Strangler finden sich so in seiner Filmografie. Offensichtlich war er mit der Arbeit an Letzterem so zufrieden, dass er auch für Come to Daddy zu begeistern war. Nicht nur dass mit Ant Timpson ein weiterer Produzent des Films hier sein Regiedebüt gibt. Geschrieben wurde das Drehbuch hier von Toby Harvard, der auch schon an der Geschichte des fettigen Serienmörders beteiligt war.

Ein Film mit vielen Überraschungen
Auch wenn die beiden Filme nicht direkt miteinander zu vergleichen sind, Gemeinsamkeiten finden sich tatsächlich. Zum einen vermengen beide Werke Komödie mit Thriller, setzen im einen Moment auf absurden bis schwarzen Humor, nur damit im nächsten die Fetzen fliegen. Wann mal die eine Richtung ansteht, wann die andere, das ist dabei völlig offen. Come to Daddy vergnügt sich da doch mit einem gewissen Überraschungseffekt, weshalb er insgesamt auch deutlich unterhaltsamer ist als The Greasy Strangler. Der hatte durch seine grotesken Einfälle natürlich schon seine Momente, verbrauchte die aber schon in den ersten Minuten, weshalb sich im Anschluss nur noch Ekel und furchtbare Langeweile einen Wettstreit lieferten.

Ganz ohne Längen kommt Come to Daddy, das auf dem Tribeca Film Festival 2019 Premiere hatte, leider nicht aus. Nach einem überraschenden Wendepunkt lässt es der Film erst einmal eine Zeit lang ruhig weiterlaufen, wiederholt manche Szenen und Vorkommnisse gern mehrfach. Ganz so atemberaubend und temporeich, wie an mancher Stelle behauptet, ist das Werk daher nicht. Glücklicherweise hat Timpson, auf dessen Idee das alles zurückgeht, aber noch ein paar andere Asse im Ärmel. Der Film macht sich sogar einen Spaß daraus, das Publikum in eine bestimmte Richtung zu lotsen, nur um dann selbst in eine völlig andere loszusprinten und alle anderen erst einmal verblüfft stehen zu lassen.

Äh, und nun?
Das geht zwangsweise mit starken Schwankungen einher, sowohl in Hinblick auf die Stimmung wie auch die Wirkung. Mal ist Come to Daddy ein zwar humorvolles, aber doch brutales Duell zwischen einem Vater und einem Sohn, die sich nichts zu sagen haben. Mal geht das stärker in eine Horrorrichtung. Mal ist es aber auch nur absurdes Herumalbern. So ganz klappt das nicht mit den fliegenden Wechseln, zumal zwischendrin ja auch noch Zeit für ein bisschen Drama sein muss. Schließlich handelt der Film im Grunde von einem Menschen, der auch Jahrzehnte später nicht darüber hinweg kommt, von seinem Vater verlassen worden zu sein und der alles dafür täte, doch noch Anerkennung zu bekommen.

Was dieses Sammelsurium am Ende zusammenhält, ist die starke Leistung der Darsteller. Wood ist eine Idealbesetzung als Sohn, der unbedingt beeindrucken will, dem aber weder das Selbstvertrauen noch der gesunde Menschenverstand dafür zur Verfügung stehen. Er ist hier das Reh, das mit riesigen Augen in das Scheinwerferlicht starrt, dabei einen grotesken Haarschnitt trägt, ein peinlich-goldenes Handy und beliebige Schriftzeichen-Tätowierungen. Ihm gegenüber steht Urgestein Stephen McHattie (Haunter – Jenseits des Todes) als ebenso mit der Situation überforderter Klotz, der seine Ratlosigkeit mit einer dicken Portion Feindseligkeit überspielt. Da auch der Rest des Ensembles seinen Spaß hat, vor allem Michael Smiley später, gibt es genügend Gründe, der Aufforderung von Come to Daddy Folge zu leisten, selbst wenn nicht alles hier so funktionieren will wie erhofft.



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Come to Daddy
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Come to Daddy
In „Come to Daddy“ erhält der Sohn einen Brief von seinem Vater, den er seit seiner Kindheit nicht mehr gesehen hat. Daraus hätte ein Mystery-Streifen werden können oder auch ein warmherziges Feel-Good-Drama. Stattdessen präsentiert sich der Film als eigenwillige Mischung aus grotesker Komödie und Thriller. Das funktioniert in der Mischung nicht immer, manches zieht sich. Dafür gefällt der Mix durch überraschende Wendungen und ein tolles Ensemble.
6von 10

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