Donnerstag 1.August 12:30 bei schönstem Sommerwetter. Noch ist es ruhig am Potsdamer Platz in Berlin. Nur die Kulisse lässt erahnen, dass es am Abend ganz anders sein wird. An dem Balkon des Cinestar unter dem Dach des Sony Centers prangt schon ein riesiger Banner des neuen und neunten Quentin Tarantino Streifens Once Upon a Time in … Hollywood mit der Aufschrift „Herzlichen willkommen zur Deutschlandpremiere“.

So richtig hat wohl niemand damit gerechnet, dieses Jahr noch außerhalb der Berlinale internationale Stars und Hollywoodgrößen hier anzutreffen. Nimmt doch die Zahl der Premieren in Berlin stetig ab – zum Unmut vieler Filmfans. Denn konnten wir 2014 beispielsweise noch Emma Stone, Andrew Garfield, Jamie Foxx (The Amazing Spiderman 2), Jennnifer Connelly (Noah) oder Mark Wahlberg (Transformers: Ära des Untergangs) und J.K. Simmons (Terminator: Genisys) in Berlin begrüßen, so ist die Chance mittlerweile sehr gering außerhalb eben besagten Filmfestes im Februar noch auf Stars der internationalen Filmbranche zutreffen. Es sei denn man gehört zu den hartgesottenen Autogrammjägern, die auch von kleineren ausschließlich der Presse vorbehaltenen Veranstaltungen wissen und dann dort ihr Glück auf ein Foto nebst Autogramm versuchen.

Da nicht jeder der Cineasten soviel Zeit aufwenden kann und auch nicht immer alles öffentlich bekannt ist, ist die Freude umso größer, wenn man doch noch die Möglichkeit bekommt, Schauspielidole aus nächster Nähe zu sehen und vielleicht sogar ein, zwei Sätze austauschen zu können. Dass Berlin die Deutschlandpremiere von Once Upon a Time in … Hollywood ausrichten durfte, liegt wohl auch an der Liebe von Tarantino zu der Hauptstadt. Immerhin hat der Kultregiesseur damals Inglourious Basterds hier gedreht.

Aber zurück zum roten Teppich an einem der schönsten Orte in Berlin: Die Fotowand für die Presse steht bereits, die letzten Ecken des roten Teppichs werden gerade noch verklebt und einige Gitter werden noch aufgestellt. Die erste Reihe ist schon jetzt gut besucht. Manche der Wartenden haben schon früh um acht ihr Lager dort aufgeschlagen um einen der begehrten Plätze zu ergattern. Denn wer schon mal bei einer Premiere dabei war, weiß es gibt zwar keine Garantie, aber die Chancen auf Foto und Autogramm sind ganz vorne einfach am höchsten.

Nach Jahren  kennt man sich untereinander und so werden auf mitgebrachten Campingstühlen zu Donuts und Kaffee Erinnerungen an vergangene große Premieren, wie die vom zweiten Hobbit Smaugs Einöde oder Terminator: Genisys ausgetauscht. Oder man spricht über Erfahrungen, die man in London mit Schauspielern machen durfte.

Während  in der Zeit vor uns noch der  rote Teppich bis aufs kleinste Sandkorn gereinigt wird, besprechen die Organisatoren und die Security hinter uns noch letzte Schritte, um die Premiere für alle Beteiligten zu einem unvergesslichem Event werden zu lassen.

Tatsächlich ist die Organisation diesmal überaus gelungen und es muss niemand später fürchten, wenn Brad Pitt oder Leonardo DiCaprio den Red Carpet betreten, in einer Menschenmasse unterzugehen. Denn nachher ist der Andrang in dem Augenblick natürlich am größten. Jetzt aber halten hier und dort zwar neugierige Touristen an, fragen auf wen man denn wartet und wann es losgeht. Aber die etwa sechs Stunden Wartezeit, die noch vor uns liegen, schreckt die Meisten  doch ab und kaum jemand bleibt stehen. Schnell ein Foto, weiter geht’s.

Die Fangemeinde aber hält routiniert durch und als Steven Gätjen das Event gegen 18 Uhr betritt, ist klar, so langsam wird es ernst. Jetzt heißt es schon mal Fotos gezückt, Sharpys im Anschlag und Kameraeinstellung für das Selfie testen.  Von Gelassenheit möchte jetzt keiner mehr sprechen. Freudige Nervosität macht sich breit.

Dann 18:20 ist es endlich soweit: Der rote Teppich wird eröffnet. Gespannt wartet jetzt jeder auf die Limousinen, aus denen jeden Moment einer der ganz Großen aussteigen könnte. Neben Tarantino, Pitt und DiCaprio wird auch noch Margot Robbie erwartet. Für die offensichtlich eine Gruppe junger Männer gegenüber da ist und das auch lautstark bekundet, als Gätjen die Anwesenden im Sony Center auf Stimmung bringt.

Bevor wir aber mit den Hollywoodstars rechnen können, schlendern noch die geladenen Gäste an uns vorbei. Unter ihnen auch Dark Schauspieler Louis Hofmann und Numan Acar, der erst kürzlich in Spider-Man: Far From Home Dimitri spielen durfte. Beide sind sofort für Fotowünsche zu haben und ein kleiner Plausch über ihre letzten Rollen ist auch noch drin.

Dann ganz plötzlich lichtet sich der rote Teppich und es wird unruhig. Das erste Auto fährt ein und kein geringerer als Brad Pitt steigt aus. Der Lärmpegel ist unglaublich. Denn ganz unbemerkt hat es sich mittlerweile im gesamten Sony Center gefüllt und tausende zücken ihr Handy um Fotos und Videos des Stars zu ergattern. Ein kurzes Hallo zu den Veranstaltern und schon zieht es Pitt zu den Fans, um geduldig und überaus freundlich Foto- und Autogrammwünsche zu erfüllen. Gleich darauf betritt die nächste Legende den Ort des Geschehens: Leonardo DiCaprio. Und wieder beginnt das Rufen, das Hoffen, ihm ganz nah sein zu können. Auch Leo lässt sich nicht lang bitten und eilt zu den Filmfans.

Von jetzt an geht es Schlag auf Schlag. Tarantino fährt ein, hastet aus dem Auto, schreibt gut gelaunt fleißig Autogramme. Die Frage nach einem Selfie verneint er freundlich mit „Sei nicht so sein Fall, sorry“. Als letztes darf Berlin dann Margot Robbie begrüßen. Nur ist es leider wie so oft für eine größere Fanrunde schon zu spät. Vielen ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben und auch die jungen Männer gegenüber  gehen an diesem Abend leer aus. Nur ein Lächeln und eine Begrüßung aus der Ferne wird für viele das Einzige sein, was Sie von Margot Robbie heute in Erinnerung behalten.  Denn für die Stars  ist es  nach gut einer Stunde an der Zeit, sich auch noch der Presse am Roten Teppich zu stellen. Photocall und Interviews für den Livestream, sowie Funk-und Fernsehen stehen an. Nachdem jetzt feststeht, dass es keine weitere Fanrunde geben wird, lichtet sich auch schon das Feld. Einige werden vielleicht noch versuchen, die Stars am Flughafen, Hotel oder Restaurant zu erwischen. Andere fahren berauscht nach Hause, wieder andere werden vielleicht enttäuscht sein, dass es diesmal bei ihnen nicht geklappt hat.

Aber das ist das Glückspiel bei Filmpremieren. Auch mit jahrelanger Erfahrung, eine Garantie hat man nie.

Nur noch ein kurzer Blick zurück, auf die Menschen, die noch einmal aufschreien, als sich DiCaprio und Co. ein letztes Mal auf dem Balkon des Kinos zeigen und auf das Sony Center, wo morgen schon niemand mehr wissen wird, was einen Abend zuvor hier stattgefunden hat.

Deutschlandpremiere von „Once Upon a Time in … Hollywood“ [News]
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