„47 Meters Down: Uncaged“ // Deutschland-Start: 10. Oktober 2019 (Kino)

Den ganzen Tag auf einem Bootausflug verbringen? Wie Touristen? Nein, davon halten sie nicht viel. Also beschließen Nicole (Sistine Stallone) und Alexa (Brianne Tju), ihre beste Freundin Sasha (Corinne Foxx) zu einem etwas anderen Abenteuer zu überreden: Ein bisschen in einem kleinen See planschen, den außer ihnen niemand kennt und der zudem der Eingang zu einer versunkenen Maya-Stat ist. Sashas wenig geliebte Stiefschwester Mia (Sophie Nélisse) nehmen sie gleich mit, die wäre auf dem Boot ohnehin nur unglücklich gewesen. Wobei die vier ihren Sondertrip bald bedauern werden, denn in den Tiefen der Ruinen haben Haie ihre neue Heimat gefunden …

Erfolgreiche Filme werden gerne fortgesetzt, logisch. Das gilt besonders, wenn sie dem Horrorgenre entspringen. Denn dort müssen Nachfolger nicht zwangsweise an den ersten Teil anschließen. Es reicht, denselben Titel zu nehmen und irgendwie thematisch zusammenzupassen. Ist das gegeben, dürfen es gern auch ein paar mehr Filme werden, langlebige Horrorreihen bringen es bekanntlich auf mehr als zehn Teile. Ganz so weit ist man hier noch nicht. Erst einmal heißt es herauszufinden, ob aus dem Haihorror tatsächlich ein Franchise werden kann. Ob sich das Kunststück wiederholen lässt, wie bei 47 Meters Down mit einem Budget von gerade mal 5 Millionen Dollar mehr als 60 Millionen wieder einzuspielen.

Mehr Frauen = mehr Spaß?
Am Konzept wurde deshalb auch nicht groß gerüttelt. Erneut gehen junge hübsche Frauen tauchen, erneut treffen sie dabei auf Haie, die alles dran setzen, die leicht bekleidete Beute aufzumampfen. Dieses Mal wurde die Zahl der Protagonistinnen auf vier verdoppelt. Komplexer wurde die Angelegenheit dadurch nicht. Vielmehr verfolgte Johannes Roberts, der wie schon beim Vorgänger Regie führte und zusammen mit Ernest Riera das Drehbuch schrieb, wohl das Ziel: mehr Eye Candy plus mehr Möglichkeiten, jemanden zu opfern. Denn Letzteres war an 47 Meters Down durchaus besonders: Wenn du gerade mal zwei nennenswerte Figuren hast, musst du Spannung anderweitig erzeugen als durch Bodycount.

Wobei, so ganz eng sehen das Roberts und Riera nicht. Man kann auch zwischendurch ja mal jemanden den Haien zum Fraß vorwerfen, so ganz ohne Vorbereitung. Einfach nur, damit das Horrorpublikum ein bisschen was zu sehen bekommt, gemäß den heutigen Standards. Und ja, 47 Meters Down: Uncaged hält sich an die bekannten Standards. Der Beitrag vom Fantasy Filmfest 2019 hält sich sogar so sehr daran, dass man unterwegs nicht genau weiß: Ist das jetzt ernst gemeint? Soll man das Duo dafür bewundern, mit welcher Ignoranz und Kaltschnäuzigkeit sie jedes Klischee einbauen, egal ob das nun gerade passt oder nicht? Soll man sie verfluchen? Oder soll man es nur bedauern?

Qualitative Abgründe
Denn wie schon bei 47 Meters Down wird auch beim zweiten Teil auf eine geradezu fahrlässige Weise das Potenzial vergeudet. Das Szenario ist dieses Mal war etwas weniger interessant. Dafür trumpft die Fortsetzung mit einem spannenden Setting auf. Als wäre es nicht schon gemein genug, es unter Wasser mit Haien aufnehmen zu müssen, die einem in so ziemlich jeder Hinsicht überlegen sind. Nein, das Ganze findet auch noch innerhalb eines engen, dunklen, unübersichtlichen Labyrinths statt, das Klaustrophobiker an den Rand eines Herzinfarkts bringen dürfte. Beides in Kombination ist ein so großer Albtraum, dass man eigentlich nicht mehr viel tun müsste, um anderthalb Stunden Nervenkitzel zu erzeugen. Doch dann scheitert der Film selbst an diesen Minimalanforderungen. Die Figuren sind langweilig und schlampig konzipiert: Mal verhalten sie sich wie echte Tauchprofis, im nächsten Moment scheinen sie die Intelligenz eines Goldfisches zu haben.

Aber auch beim Publikum scheinen Roberts und Riera von nicht ganz so geistig begabten Menschen auszugehen, wenn in besonders plumpen Momenten alles zu Tode erklärt wird. Sofern es überhaupt Sinn ergibt. Was nicht oft der Fall ist. Könnte man sich mit den vielen Widersprüchen, Logiklöchern und Dummdreistigkeiten noch irgendwie abfinden, um die man in dem Genre ohnehin kaum herumkommt, ist es die Mutlosigkeit, die 47 Meters Down: Uncaged das Genick bricht. Für einen Film, der so sehr darauf aus ist, anderen Angst zu machen, ist er selbst viel zu ängstlich, traut sich nie aus der Komfortzone heraus. Vor allem das Ende ist eine herbe Enttäuschung, deutet eine Gemeinheit an, die der drögen Geschichte gut getan hätte, nur um sich dann doch in die Lächerlichkeit zu retten. So schön und unheimlich die Bilder teilweise sind, die der auf Unterwasseraufnahmen spezialisierte Kameramann Mark Silk da aus den Tiefen hochgeholt hat: Der Film ist nur langweilige Wegwerfware. Und davon gibt es nicht nur in den Meeren eh schon zu viel.

47 Meters Down: Uncaged
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47 Meters Down: Uncaged
Erneut wartet „47 Meters Down: Uncaged“ mit einer vielversprechenden Ausgangssituation auf, nur um dann doch wie der Vorgänger daran zu scheitern. Während die Kombination aus klaustrophobischem Labyrinth und Haiaction spannend ist, ist der Rest durchgängig langweilig und mutlos. Da helfen selbst die tollen Unterwasseraufnahmen nicht mehr.
4von 10

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