Voellig von der Wolle Schwein gehabt

„Völlig von der Wolle: Schwein gehabt“ // Deutschland-Start: 27. Juni 2019 (DVD/Blu-ray/3D Blu-ray)

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann blöken sie noch heute. Sie haben sich an das friedliche Miteinander gewöhnt, die Schafe und die Wölfe, die in dem von Grey geführten Dorf zusammen wohnen. Aber nicht alle sind glücklich darüber, dass Raubtiere und ihre Opfer so völlig wider ihre Natur leben sollen. Als dann auch noch eine Polarfüchsin und ein Schafsmädchen ins Dorf ziehen, ist für Greys Artgenossen der Ofen endgültig aus: Die Wölfe wollen wieder jagen! Für die Einwohner und Einwohnerinnen heißt es nun, ganz nah zusammenzurücken und sich für die große Schlacht gegen ihre Angreifer zu wappnen.

Das russische Kino macht sich hierzulande – wenn überhaupt – meist in Form düsterer Dramen bemerkbar. Loveless zum Beispiel, über eine Familie, die lautstark auseinanderbricht, oder auch Arrhythmia, das sich mit Themen wie gesellschaftlichem Zusammenhalt auseinandersetzt, gerade auch im Gesundheitswesen. Das riesige Reich im Osten hat natürlich aber auch Platz für etwas leichtere Unterhaltung. Gerade der Animationsbereich scheint zu florieren, immer wieder schaffen es Titel von dort bis nach Deutschland. Wobei die meisten auf das Konto eines Studios gehen: Wizart Animation.

Altes neu aufgewärmt
Dieses hat sich darauf spezialisiert, alte Märchenmotive noch einmal auszugraben und kräftig umzudichten. Aushängeschild der Russen ist die Reihe um Die Schneekönigin, die es mittlerweile auf vier Teile bringt, an einem Nachfolger wird bereits gearbeitet. Im Spiegelland, der neueste Film daraus, schaffte es Anfang des Jahres sogar bei uns in die Kinos. Bei Völlig von der Wolle: Schwein gehabt müssen wir auf den großen Auftritt verzichten, wie der vor zweieinhalb Jahren veröffentlichte Vorgänger Völlig von der Wolle: Ein määährchenhaftes Kuddelmuddel steht „nur“ ein Release fürs Heimkino an.

Der ganz große Verlust ist das nicht, zumindest in Hinblick auf die Optik. Dass das russische Studio beständig an neuen Titeln arbeiten kann, hängt auch mit dem geringen Budget zusammen. Wunderwelten sollte man sich von Schwein gehabt daher nicht erwarten. Die Landschaften sind zwar schön bunt, vor allem sehr grün. Sowohl die Objekte wie auch die Figuren sind aber eher sparsam modelliert, die Effekte sind überschaubar, auch beim Thema Animation tut sich das hier nicht hervor. Auffällig sind lediglich die stilisierten 2D-Sequenzen, die immer wieder das Geschehen unterbrechen und sich ganz gut sehen lassen können.

Hatten wir das nicht schon letztes Mal?
Die Geschichte greift im Grunde wieder den Konflikt des Vorgängers auf: Schafe und Wölfe leben zusammen – der englische Titel der Reihe lautet auch Sheep and Wolves –, was einige Wölfe aber ändern wollen. Dieses Mal sind es Wölfe von auswärts, die dem Ganzen ein Ende setzen wollen, was dem Film ein bisschen was von Asterix verleiht. Nur dass hier eben keine Gallier gegen Römer kämpfen, sondern Schafe bzw. Schweine gegen Wölfe. Sogar Zaubertränke tauchen hier auf, was den Verdacht nahelegt, dass man sich da doch ein bisschen am westlichen Kollegen orientiert hat.

Das ist nach wie vor nicht die ganz große erzählerische Kunst. Vor allem der Humor des an ein junges Publikum ausgerichteten Films ist recht schwach auf der Brust. Das immerhin vier Mann starke Drehbuchteam scheitert an der Aufgabe, den nicht einmal 80 Minuten langen Film mit einer ausreichend großen Zahl eigenständiger Witze auszufüllen. Viel besteht aus dem üblichen Slapstick, der per Copy and Paste hineingefügt wurde, völlig unabhängig vom Inhalt des Films. Dazu gibt es die sympathischen, jedoch ebenfalls wenig originellen Bekenntnisse zu Freundschaft. Insgesamt ist Schwein gehabt etwas besser als der Vorgänger, auch durch die 2D-Sequenzen, schafft es aber nur mit Ach und Krach ins Mittelfeld.

Völlig von der Wolle: Schwein gehabt
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Völlig von der Wolle: Schwein gehabt
„Völlig von der Wolle: Schwein gehabt“ setzt den Konflikt des Vorgängers fort, wenn eine friedliche Gemeinschaft von Schafen und Wölfen gegen einen fiesen Feind kämpfen muss. Das ist alles nichts Besonderes, weder in Hinblick auf Optik noch Humor. Immerhin sorgen nette 2D-Sequenzen für etwas Auflockerung im unspektakulären CGI-Alltag.
5von 10

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