„Tatort Antwerpen“ // Deutschland-Start: 28. Juni 2019 (DVD)

Mitten auf einem Parkplatz wurde der ältere Herr erschossen, und das auch noch am helllichten Tag! Es ist aber nicht allein die Dreistigkeit des Mordes, welche die beiden Polizisten Eric Vincke (Koen De Bouw) und Freddy Verstuyft (Werner De Smedt) stutzig macht. Der Tote trug auch noch einen falschen Pass bei sich und hatte kurz zuvor in einem Restaurant einen Tisch reserviert – auf den Namen Vincke. Während das Duo nach den Hintermännern dieser Tat fandet, reist Nazim Tahir (Blerim Destani), der Sohn des Ermordeten, nach Antwerpen, um sich für den Mord zu rächen – koste es, was es wolle.

Gut Ding will Weile haben. Das mussten auch die Anhänger und Anhängerinnen von Vincke und Verstufyt feststellen: Nach dem hoch gelobten Einstand in Mörder ohne Erinnerung hieß es gleich sechs Jahre warten, bis sich das Ermittlerteam ein zweites Mal blicken ließ. Gelohnt hat sich die Wartezeit, zumindest für diejenigen, die an dem ersten Gefallen fanden. Denn vieles von dem, was die damalige Geschichte um einen demenzkranken Auftragsmörder ausmachte, ist auch in Das Recht auf Rache zu finden.

Unterwegs in einer Parallelgesellschaft
Wobei der zweite Film allein des Inhalts wegen schon nicht mehr ganz so düster sein kann, wie es der Vorgänger vorgemacht hat. Denn während damals die gesamte Gesellschaft ein einziger Morast gewesen zu sein schien, da befasst sich Das Recht auf Rache fast ausschließlich mit einer Parallelgesellschaft, in der ohnehin Gesetze keine Bedeutung haben: die albanische Mafia. Zumindest sind es nicht die Gesetze, wie sie unser bzw. das belgische Justizsystem vorsieht. Einen Kodex haben sie aber durchaus, wie der deutsche Titel bereits verrät. Wer uns unsere Ehre nimmt, dem nehmen wir das Leben.

Im Grunde ist Das Recht auf Rache dann auch einer dieser Rache-Thriller, wenn der Protagonist ein begangenes Unrecht wieder geraderücken will. Der Unterschied aber zu den heute gebräuchlichen Vertretern ist, dass dieser Rächer nicht im Mittelpunkt steht, sondern die Leute, die ihn an seiner Tat hindern wollen, und dass auf diese Weise eine Art Wettlauf entsteht. Die Spannung des Films liegt dann auch nicht in der Frage, wer hinter allem steckt. Was es zu wissen gibt, das wird zu einem Großteil gleich zu Beginn verraten. Vielmehr lautet die Frage, wer als erster bei seinem Ziel ankommt, die Polizei oder der Rächer.

Ein (fast) ganz normaler Job
Die Vorlage für dieses ungleiche Duell lieferte erneut Jef Geeraerts, auf dessen Roman der Film zurückgeht. Und erneut verstand es der Belgier, eine Milieustudie zu schreiben, die einem unheimlich ist. Es gibt dann doch Vorgänge da draußen, bei denen wir insgeheim ganz froh sind, dass wir nichts von ihnen mitbekommen. Regisseur Jan Verheyen gelang es dabei ganz gut, dieses düstere Bild ins Filmformat umzuwandeln und dabei eine düstere Atmosphäre zu erzeugen. Die Abgründe mögen dieses Mal nicht so tief sein wie noch bei Mörder ohne Erinnerung. Dafür werden die Ermittler stärker hineingezogen.

Wer in der Stimmung ist für diese Art Thriller, kann daher unbesorgt zu der Box Tatort Antwerpen greifen, welche diesen Film, den Vorgänger und den acht Jahre später erschienenen dritten Teil Das letzte Opfer enthält. Man hätte sicherlich noch mehr aus dem Duo machen können. Die beiden Figuren sind zwar oft zu sehen, bleiben tendenziell jedoch etwas blasser. Im Gegensatz zu den skandinavischen Verwandten werden hier keine zusätzlichen Abgründe eingebaut, um die Figuren interessanter zu machen. Das kann man dann langweilig finden oder entspannend. Vincke und Verstuyft sind einfach da, um ihre Arbeit zu machen, und das reicht manchmal auch.



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Das Recht auf Rache
In „Das Recht auf Rache“ gerät das belgische Ermittlerduo zwischen die Fronten eines Bandenkriegs innerhalb der albanischen Mafia. Das ist schön düster, wenn wir tief in eine Parallelgesellschaft eintauchen. Spannung erzeugt der Film jedoch weniger durch die Ermittlungen als vielmehr die Frage, ob die beiden einem Racheakt zuvorkommen können.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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