Maquia

„Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte“ // Deutschland-Start: 16. Mai 2019 (Kino)

Altern ist etwas, das Maquia nur vom Hörensagen her kennt. Als Angehörige der Iorph ist ihr ein langes Leben vorbestimmt, ebenso ein Aussehen, das sich kaum verändert. Eine Beziehung zu einem normalsterblichen Wesen kommt daher nicht in Frage, es brächte ihr nur Unglück. Die wichtigste Person in ihrem Leben wird aber ohnehin jemand anderes sein: ein kleines Menschenbaby, das sie eines Tages neben seiner toten Mutter findet und gleich adoptiert. Leicht fällt es Maquia nicht, sich um das Baby zu kümmern. Und auch später, wenn Ariel zu einem Jugendlichen heranwächst, muss sie sich mit zahlreichen Problemen auseinandersetzen. Dabei gäbe es noch deutlich größere Sorgen – immer wieder droht dem Königreich Mezarte ein Krieg.

Animefans dürften schon an der einen oder anderen Stelle über Mari Okada gestolpert sein, zumindest wenn sie ein Faible für emotionale Dramen haben. Ob nun Black Rock Shooter, AnoHana – Die Blume, die wir an jenem Tag sahen oder The Anthem of the Heart, beim Schreiben kennt die Japanerin keine Hemmungen, wenn es darum geht, das Publikum zum Schluchzen zu bringen. Aber wie das so bei den Künstlern oft ist, irgendwann reicht ihnen die bewährte Tätigkeit nicht aus, eine neue Herausforderung muss mehr. Und so entschloss sich die Drehbuchautorin, bei Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte nun auch ihr Debüt als Regisseurin zu geben.

Liebe kann viele Formen annehmen
Das Ergebnis entspricht teilweise den Erwartungen, die man an einen Film von Okada haben kann. Teilweise aber auch nicht. Zunächst einmal führt der deutsche Untertitel Eine unsterbliche Liebesgeschichte in die Irre. Zusammen mit dem Einstieg, der vor einer Liebesbeziehung zwischen Iorphs und Menschen warnt, liegt die Vermutung auf der Hand, dass genau das passieren wird. Tut es aber nicht. Männer tauchen zwar durchaus in ihrem Leben auf, spielen aber keine wirkliche Rolle. Mit Ausnahme von Ariel. Was im Vorfeld eine Romanze zu werden verspricht, entpuppt sich vielmehr als Mutter-Sohn-Geschichte.

Trotz des fantastischen Umfelds, das neben den Iorphs unter anderem auch Drachen bereithält, ist vieles in Maquia dann auch durchaus aus dem Leben gegriffen. Konflikte mit den Kindern, die ihre Grenzen austesten, der Kampf um die eigene Unabhängigkeit, Unsicherheit beim Umgang, das sind Themen, die viele von sich selbst kennen dürften. Ein Großteil des Films hätte sogar völlig ohne das Szenario funktioniert, so sehr, dass man sich insgeheim fragt: Und was genau sollte das Ganze dann? Das ist dann auch ein generelles Problem des Animes: Die ganze Geschichte begleitet eine Mischung aus Willkürlichkeit und Belanglosigkeit. So als hätte jemand eine Maschine angeworfen, die nach dem Zufallsprinzip irgendwelche Szenen produziert.

Huch, wo sind wir denn hier?
Elemente tauchen urplötzlich auf und werden daraufhin gleich wieder vergessen, ständig passiert etwas, das keinen direkten Anschluss findet. Mal ist es ein Ödipuskomplex, dann eine erzwungene Hochzeit, auch die von den Iorph gewobenen Teppiche, die für sie eine große Bedeutung haben, bleiben völlig ohne Konsequenz für den Film. Dadurch verpasst es Okada, eine durchgängige Entwicklung einzubauen, was wiederum den Figuren schadet. Die Ambitionen waren groß, eine Mutter-Sohn-Geschichte, die sich über Jahrzehnte erstreckt, in nur einen Film zu packen. Geklappt hat das jedoch nicht, die stichprobenartigen Einzelmomente finden einfach nicht zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Um diese Schwächen im Drehbuch auszugleichen, greift sie dafür auf ihre üblichen Manipulationen zurück – auch wenn das in Maquia im Vergleich zu ihren anderen Werken noch harmlos ist.

Dafür überzeugt Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte bei der Optik. Das Animationsstudio P.A. Works (Another, The Eccentric Family) hat eine ganze Reihe sehr schöner Bilder auf die Leinwand gezaubert, voller Details und ansprechend animiert. Auch die Designs gehen in Ordnung, selbst wenn das kontinuierliche Kulleraugenstaunen der Titelfigur manchmal etwas auf die Nerven gehen kann. Nur reicht das alles nicht aus, um daraus das erhoffte Highlight zu machen. So sympathisch es ist, wenn Animes wieder ihren Weg in die deutschen Kinos finden, zumindest in Form von Events: Mehr als Durchschnitt ist das hier nicht, da hätte es im weltweiten Animationsfundus deutlich wertvollere Titel gegeben.

Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte
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Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte
Auch wenn der Titel darauf schließen lässt, „Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte“ hat nichts von einer Romanze. Er hat aber auch wenig von einem Fantasyabenteuer, obwohl das Szenario ein solches eigentlich sehr wahrscheinlich macht. Stattdessen erzählt der Anime von einer Mutter-Sohn-Beziehung, die teilweise nahe am Leben ist, aufgrund der sprunghaften Erzählung aber keine echte Entwicklung erlaubt.
5von 10

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