Hunde die bellen beissen nicht Barking Dogs Never Bite

„Hunde, die bellen, beißen nicht“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Das Leben könnte so schön sein für Yoon-ju (Sung-jae Lee). Ist es aber nicht. Da wäre seine hochschwangere Frau Eun-sil (Ho-jung Kim), unter deren Pantoffel er steht. Eine Arbeit findet er auch nicht, aus seinem Traum, Professor zu werden, wird irgendwie nichts. Stattdessen hockt er nur zu Hause. Und als wäre das alles nicht schon furchtbar genug, treibt ihn auch noch der Nachbarshund in den Wahnsinn. Dem Treiben kann er nicht länger tatenlos zusehen, geschweige denn zuhören. Also beschließt der junge Mann, den kläffenden Störenfried einfach zu entführen. Doch er ist nicht der einzige in dem riesigen Wohnblock in Seoul. Seine Nachbarin Hyun-nam (Doona Bae) beispielsweise träumt davon, eine große Heldin zu sein, ist dabei jedoch ähnlich erfolglos wie er selbst.

Inzwischen gehört Joon-ho Bong zu den ganz großen Vertretern des südkoreanischen Kinos. Nicht nur, dass er daheim ein Star ist, dessen Werke The Host und Snowpiercer jeweils zu den 20 erfolgreichsten Filmen aller Zeiten gehört. Auch im Ausland wurde er längst zu einem großen Namen, dessen Titel zwar vielleicht nicht die ganz großen Kassenschlager wurden, ihm aber doch jede Menge Ruhm und Anerkennung einbrachten, zuletzt in Cannes, wo sein neuester Film Parasite die Goldene Palme erhielt.

Ihr seid irgendwie komisch …
Sein Erstlingswerk steht dabei jedoch deutlich im Schatten der späteren Filme. Bis heute ist Hunde, die bellen, beißen nicht auch nie wirklich hierzulande veröffentlicht worden, lediglich als Bonusmaterial war er eine Zeit lang erhältlich. Dabei sind in der Komödie schon viele der Elemente zu finden, die ihn später zu einem so großen Star werden ließen. Abenteuer gibt es hier keine, auch keine fantastischen Elemente. Dafür aber jede Menge verschrobener Figuren und eine Stimmung, die zwischen lustig und düster schwankt.

Wo er später jedoch etwas deutlicher im Genrekino unterwegs war, von Horror zu Thriller und Science-Fiction wandelte, da begnügt er sich mit jeder Menge schwarzem Humor. Vor allem die Versuche von Yoon-ju, sich der Störungsquelle zu entledigen, sind schon ziemlich böse. Zumal der junge Mann nicht der einzige ist, der ein etwas eigenes Verhältnis zu den Tieres des Wohnkomplexes pflegt, wie wir später erfahren dürfen. Aber eigentlich ist sowieso jeder hier bescheuert, bis in die Nebenfiguren hinein findet man kaum jemanden, der nicht irgendwelche eigenartigen Dinge tut oder zumindest von diesen träumt.

Wohin des Wegs?
Die ständigen Grenzwanderungen von Bong, wofür seine späteren Werke bekannt wurden – da wusste man nie, ob als nächstes eine Leiche oder ein Lacher kam – sind hier noch nicht ganz so ausgeprägt. Wirklich entscheidungsfreudig war er aber auch hier schon nicht. Vor allem der Nebenstrang um Hyun-nam ist kaum ausgereift. Zwar sind ihre Versuche zu Ruhm zu kommen, durchaus mit dem mörderischen Hundetreiben verbunden. Aber beides kommt nicht zu einer gemeinsamen Geschichte zusammen, so wie diverse Figuren hier zu sehr eine Idee bleiben, ohne je zu einem Charakter erweitert zu werden.

Punktuell ist das durchaus spaßig, sofern man nichts gegen einen schwärzeren Humor einzuwenden hat, der auch mal leicht ins Absurde geht. Es ist jedoch nicht genug, um den gesamten Film zu füllen. Die Gags nutzen sich etwas zu schnell ab, der Film schlingert im Mittelteil ein wenig herum, findet keinen Weg, die Ausgangssituation zu steigern oder zumindest zu entwickeln. Anders als Bongs späteren Werke findet sich hier auch wenig, das über die Geschichte hinausgeht, keine Kommentare über die Gesellschaft, Kritik am Konsum oder kaputten Behörden. Nötig ist das natürlich nicht, macht aber doch die Qualität des Regisseurs aus, die sich hier nur andeutet, aber noch nicht völlig zeigt.



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Hunde, die bellen, beißen nicht
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Hunde, die bellen, beißen nicht
Mit seinem Debütfilm „Hunde, die bellen, beißen nicht“ zeigte Joon-ho Bong schon Ansätze seiner späteren Filme, wenn er einen erfolglosen Professor Nachbarshunde töten lässt. Das ist punktuell witzig, entwickelt sich aber nicht genug weiter, bleibt doch der diversen bösen Szenen letztendlich auch ein zu harmloser Spaß.
6von 10

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