You Might Be the Killer

„You Might Be the Killer“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Eigentlich wollte Feriencamp-Leiter Sam (Fran Kranz) ja nur eine schöne Zeit haben mit den anderen Mitarbeitern. Aber irgendwie will das alles nicht so recht klappen. Überall tauchen Leichen auf, ein Mörder scheint ausgerechnet in seinem Camp sein Unwesen zu treiben. Wer das sein könnte, das weiß er jedoch nicht, dummerweise hat er so gar keine Erinnerungen an das, was geschehen ist. Er weiß ja nicht einmal, warum er so blutverschmiert ist. Aber vielleicht kann ihm ja seine Freundin Chuck (Alyson Hannigan) weiterhelfen, schließlich hat die so ziemlich jeden Horrorfilm gesehen, den es gibt. Doch die Zeit drängt. Während die beiden am Telefon beratschlagen, was zu tun ist, treibt sich irgendwo ja noch ein Killer herum.

Als Horror-Altmeister Wes Craven 1996 mit Scream auf die Zuschauer losging, wussten die erst gar nicht, wie ihnen geschieht. Einerseits bediente der Film die Klischees des unverwüstlichen Slasher-Genres, machte sich gleichzeitig aber darüber lustig und hob sie auf eine für die meisten bis dahin unbekannte Meta-Ebene. Inzwischen sind aber doch einige Jahre vergangen, eine Reihe von ähnlich ironisch angelegten Kollegen folgte – von Tucker & Dale vs. Evil über The Cabin in the Woods bis zu Blood Fest. So viele sind es mittlerweile, dass man fast schon von einem eigenen Subgenre sprechen könnte.

Alte Bekannte auf Schritt und Tritt
Nun schlägt You Might Be the Killer in eine ähnliche Kerbe. Schon der Schauplatz – der Film spielt größtenteils in einem Feriencamp – zeigt: Da hat jemand aber viele Horrorfilme geschaut. Dazu gibt es immer wieder Erklärungen durch Chuck, die zeitgleich zu den mörderischen Ereignissen in einem Comicladen arbeitet. Das ist praktisch, da sie vor Ort doch einiges an Referenzmaterial hat, um ihrem Freund so aus der Ferne aus der Patsche zu helfen. Und es ist lustig, da die in aller Öffentlichkeit geführten Gespräche über Killer und diverse Todesszenarien die eine oder andere Reaktion der Kundschaft im Laden provoziert.

Das Besondere an dem Film ist jedoch, wie die beiden versuchen, die Ereignisse zu rekonstruieren. Wo die meisten chronologisch vorgehen, gewissermaßen in Echtzeit dabei sind, wie jemand herumläuft und Leute abschlachtet, da springt Regisseur und Co-Autor Brett Simmons munter in der Zeit hin und her. Schließlich muss der an Gedächtnislücken leidende Sam irgendwie herausbekommen, was da eigentlich geschehen ist. Das hat ein bisschen was von einem Krimi, bei dem nach dem Ausschlussverfahren nach dem Mörder gesucht wird. Aber auch Memento drängt sich mitunter als Vergleich auf.

Keine Ahnung, was hier los ist!
Nur dass You Might Be the Killer eben deutlich komischer ist. Der Beitrag der Fantasy Filmfest Nights 2019 glänzt vor allem in der ersten Hälfte mit einer Reihe witziger Szenen, wenn wir wie der unglücksselige Protagonist in einer Situation feststecken, bei der wir so gar keine Ahnung haben, was eigentlich gespielt wird. Und auch die Auflösung macht Spaß, das zunächst so bekannt vorkommende Szenario nimmt eine originelle, schön absurde Wendung. Der Film zeigt, dass es sich manchmal doch lohnt, bekannte Geschichten etwas anders anzugehen.

Leider verliert der Film im Anschluss recht schnell an Reiz. Simmons ist zwar auch dann noch bemüht, mittels Verweisen und Meta-Kommentaren den Unterhaltungsfaktor hochzuhalten. So richtig gelingt es ihm aber nicht, was temporeich und vergnüglich angefangen hat, verliert auf den letzten Metern deutlich an Schwung. Obwohl die Laufzeit nur rund anderthalb Stunden beträgt, es fehlen die Ideen, wie man die Geschichte auf die volle Laufzeit ausbreiten kann. Aufgrund des eher enttäuschenden Endes wird You Might Be the Killer sicher nicht im Atemzug mit den obigen Genre-Klassikern genannt werden. Als unterhaltsamer Film für zwischendurch, gerade auch für ein blutlechzendes Publikum, kommt die Horrorkomödie aber gerade recht.



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You Might Be the Killer
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You Might Be the Killer
„You Might Be the Killer“ ist das neueste Beispiel dafür, wie Slasher-Genrekonventionen mit Meta-Kommentaren aufgepeppt werden. Das ist eine ganze Weile unterhaltsam, zumal auch das Szenario und die Erzählstruktur ungewöhnlich sind für diese Art Film. Später gehen der Horrorkomödie aber die Ideen aus, vor allem zum Ende hin enttäuscht der Film ein wenig.
6von 10

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