Carlottas Face

„Carlotta’s Face“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Farbenblind? Doch, davon dürften die meisten schon einmal gehört haben. Man benutzt das auch gerne mal als Beleidigung, etwa in Bezug auf eine gewagte Kombination der Kleidung. Gesichtsblind ist jedoch ein so seltener Zustand, dass er nicht einmal als Beleidigung taugt, dafür kennen ihn zu wenige. Prosopagnosie lautet der wissenschaftliche Ausdruck für eine Krankheit, durch die wir keine Gesichter wiedererkennen können, nicht einmal die unseres engsten Umfeldes. Oft wird dieses Phänomen durch Verletzungen hervorgerufen. Doch auch eine erbliche Form davon ist möglich.

Verloren in unbekannten Gesichtern
Carlotta scheint zu der zweiten Kategorie zu gehören, zumindest litt sie schon als Kind darunter. Wo ihre Mitschüler Gruppen bildeten, blieb sie außen vor, woran mit Sicherheit ihre Krankheit einen Anteil hatte. Freundschaften zu bilden, setzt nun einmal voraus, dass wir Individuen erkennen. Carlotta’s Face berichtet von dieser Zeit und ihren Versuchen, mit dieser speziellen Situation umzugehen. Wir erfahren aber auch, wie sie lernte, aus dieser Verlorenheit umzugehen.

Das ist gerade für Leute spannend, die noch nie von einer solchen Gesichtsblindheit gehört haben. Es klingt auch beängstigend, das eigene Spiegelbild nicht zuordnen zu können. Der häufige Festivalgast – unter anderem ist der Kurzfilm beim Filmfest Dresden 2019 zu sehen – nimmt dafür recht düstere, teils surreale Bilder. Die sind zwar nicht mit dem Inhalt gleichzusetzen, dafür aber ausdrucksstark: Der animierte 5-Minüter ist wie ein Irrgarten, durch den Formen und Farben wandern und zumindest ein Gefühl vermitteln, was es heißt, in dieser Welt verloren zu sein und nichts zu erkennen.



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Carlotta’s Face
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Carlotta’s Face
„Carlotta’s Face“ ist ein animierter Kurzfilm, der die seltene Krankheit der Gesichtsblindheit thematisiert: Menschen können dann keine Gesichter erkennen, nicht einmal das eigene. Das ist spannend und etwas beängstigend, begleitet von düsteren Bildern, am Ende aber auch ein künstlerischer Triumph.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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