Submarine

„Submarine“ // Deutschland-Start: 17. November 2011 (Kino) // 9. März 2012 (DVD)

Sein Name ist Oliver. Oliver Tate (Craig Roberts). Er ist 15 Jahre alt, ziemlich unscheinbar und unsterblich in das für ihn coolste Mädchen der Schule verliebt. Jordana (Yasmin Page) allerdings ist alles andere als leicht zu beeindrucken. Und dennoch setzt Oliver in seiner Phase der Selbstfindung zum Erwachsenwerden alles daran, ihr Herz zu erobern und sogar mit ihr seine Unschuld zu verlieren. Neben seinen Bemühungen, der beste Freund der Welt zu sein, hat er es sich dann auch noch zur Aufgabe gemacht, die Ehe seiner Eltern Jill (Sally Hawkins) und Lloyd (Noah Taylor) zu retten. Dort sorgt der Ex-Freund der Mutter Graham (Paddy Considine) für Unruhe. Ob sein Vorhaben auf eine umfänglich glückliche Zukunft gelingt, bleibt allerdings abzuwarten.

Submarine basiert auf dem gleichnamigen Roman von Joe Dunthorne aus dem Jahre 2010. Im selben Jahr verfilmte Richard Ayoade mit Hilfe von Ben Stillers Produktionsfirma Red Hour Productions das literarische Werk. Zuvor war Ayoade mit seiner Regiearbeit nur im Serienbereich tätig, konnte dann aber mit Submarine sein Spielfilmdebut realisieren. Und dieses gehört sicherlich zu einem der audiovisuell besten Coming-of-Age-Beiträge im Arthousebereich der letzten Jahre.

Bunter Mix verschiedener Genres
Insgesamt ist der Film ein gelungener Genremix aus Komödie, Drama und Romanze, wobei die romantische Seite eher genreuntypisch und sehr melancholisch daherkommt. Und auch die Bezeichnung Komödie ist mit Vorsicht zu genießen, selbst wenn Ben Stiller als Produzent mitbeteiligt war. Subtile Situationskomik findet man in diesem Film eher als die typischen Pointen.

Weitaus offensichtlicher hingegen sind die Farbgestaltung sowie die Ausleuchtung im gesamten Film. Beide genannten Stilmittel sind auch das, was den Film (leider tatsächlich erst nach der zweiten Sichtung) zu etwas Besonderem machen. Beispielsweise agieren die Hauptfiguren unter verschiedenen charakterspezifischen Farben, die je nach Szene und Situation klar voneinander getrennt oder verspielt miteinander gemischt auftreten. Oliver (Craig Roberts, Bad Neighbors) repräsentiert blau, Jordana rot und Jill (Sally Hawkins, Shape of Water – Das Flüstern des Meeres) bzw. Olivers Eltern sind durch das gelb-beige Farbspektrum vertreten.

Solange der Zuschauer sich in Olivers Gedankenwelt befindet (unter anderem malt er sich aus, wie seine Mitschüler auf seinen Tod reagieren sollten), wirkt die Umgebung zwar sehr hell aber kühl. Erst als sich seine Welt zunehmend um Jordana dreht, wird rot zur dominanten Farbe und die Umgebung zugleich in dunkleres Licht getaucht.

Erst die Bilder, dann der Inhalt
Warum zudem auch die Beleuchtung insgesamt eine größere Rolle spielt, wird dem Zuschauer zunächst erst unbewusst, dann aber im Verlauf sogar durch einen kurzen Vortrag des Gurus Graham (Paddy Considine, Im Himmel trägt man hohe Schuhe) erläutert. Mit den genannten Stilmitteln legt sich der Film dramaturgisch allerdings selbst Steine in den Weg. Er fokussiert sich zu sehr auf die indirekt visuelle Darstellung als auf die charakterliche Entwicklung der Figuren. Das hat somit zur Folge, dass sich der emotionale Zugang zu den Charakteren eher schwierig gestaltet und sich die Geschichte sogar in die Belanglosigkeit manövriert.

Submarine nutzt einen sehr gut komponierten Soundtrack von Alex Turner, der aber ähnlich wie bei Suicide Squad stark von der Geschichte ablenkt. So werden Liedtexte am Anfang offensichtlich in die Handlung mit eingebunden, dann aber nicht konsequent in ihrer Darstellung zu Ende geführt. Mehrfach wirken Szenen wie eingesetzte Musikvideos, welche zwar schön anzusehen sind, aber weder den Hauptfiguren noch der Handlung zu mehr Bedeutung verhelfen. Die größte Schwäche des Films ist hier ganz klar die Erzählstruktur. Ein toller Cast – Craig Roberts sei an dieser Stelle lobenswert zu erwähnen –, gute Ideen und auch sehr gute Kameraführung können trotz dessen nicht darüber hinwegsehen lassen.

Submarine
4.33 (86.67%) 3 Artikel bewerten

Submarine
"Submarine" ist ein Coming-of -Age-Film, der sich zusehends in Ästhetik verliert und dabei leider die Figuren und deren Geschichte vergisst. Oft beschleicht einen das Gefühl, dass Ayoade stilistisch einfach zu viel wollte. Wer sich aber gern in farblich wunderschön gestalteten Bildern verliert, sollte hier einen Blick riskieren.
5von 10

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