Prinzessin Emmy

„Prinzessin Emmy“ // Deutschland-Start: 28. März 2019 (Kino)

Emmy ist ein ganz besonderes Mädchen. Nicht nur, dass sie adliger Abstammung ist. Sie besitzt darüber hinaus noch die große Gabe, mit Pferden sprechen zu können. Und von denen gibt es jede Menge, gleich 26 Stück finden sich in ihrem Umfeld! Doch nun droht sie, ausgerechnet diese treuen Freunde zu verlieren. Denn scheitert sie an einer ihr auferlegten Prüfung, dann war es das mit ihrer besonderen Fähigkeit. Dummerweise kann sie sich derzeit so gar nicht darauf konzentrieren, schließlich steht auch der Prinzessinnen-Tag vor der Tür, an dem sie endlich zu einem vollwertigen Mitglied werden kann. Voraussetzung: Sie meistert vorher einen Spezialkurs in adeliger Etikette. Und als wäre das alles nicht schon kompliziert genug, taucht auch noch ihre Cousine Gizana auf und macht ihr das Leben zur Hölle.

Deutsche Animationsfilme, das bedeutet praktisch immer, dass da irgendwo eine bekannte Vorlage zugrundeliegt. So auch bei Prinzessin Emmy, deren Titelheldin schon bei diversen Magazinen die Augen von Mädchen zum Leuchten gebracht hat. Das dürfte ihr erster Kinoauftritt auch schaffen, zumindest bei der Zielgruppe, die fest im klassischen Mädchenschema verankert ist. Die Farbpalette besteht größtenteils aus Rosa-, Pink- und Lila-Variationen. Die Figuren stammen samt und sonders aus einem adligen Umfeld. Und dann wären da noch die Pferde, traditionell ein weiblicher Publikumsmagnet.

Selbst ist das Mädchen!
Positiv anzumerken an der Stelle ist jedoch, dass Emmy zwar eine Prinzessin ist, sich deswegen aber nicht zur Damsel in Distress reduzieren lässt. Sie ist durchaus bereit, selbst für sich einzustehen und für ihre Freunde zu kämpfen. Hilfe durch einen schönen Prinzen? Gibt es hier nicht. Es gibt ja nicht einmal schöne Prinzen in dem Film. Genauer sind fast alle männlichen Figuren in Prinzessin Emmy Randerscheinungen, die maximal zur Belustigung dienen, selbst aber nichts zu sagen haben. Das ist für einen solchen Film geradezu progressiv.

Ansonsten hält sich Prinzessin Emmy mit Modernisierungen oder gar Innovationen jedoch etwas zurück. Es ist eher ein klassisches Abenteuer, das weiß, was von ihm erwartet wird und nicht wirklich mehr macht als das. Gleiches gilt für die Optik. Von der gelegentlich etwas eintönigen Farbgebung einmal abgesehen ist diese grundsätzlich schon gefällig. Die Designs sind nett, bei den Hintergründen gibt es meistens genügend Details für das jugendliche Auge. Wenig gelungen sind hingegen die Animationen, die manchmal gefährlich nahe am Daumenkino sind.

Muss weiter, hab’s eilig!
Auch der Inhalt ist mitunter etwas holprig. 77 Minuten ist nicht gerade sehr viel für einen Film, vor allem wenn man wie hier einiges unterzukriegen hat. Die Kombination zweier Geschichten – Prinzessinnen-Tag auf der einen Seite, Prüfungsgeheimnis auf der anderen – führt zusammen mit der Unzahl an Figuren zwar dazu, dass ständig etwas passiert. Aber es führt eben auch zu Chaos, da bleibt nie die Zeit und Ruhe, etwas mit den Bestandteilen anzufangen. Sie alle tun und werkeln irgendwie, bis dann am Ende alles vorbei ist.

Die ganz große Kunst ist das nicht, soll es aber auch gar nicht sein. Prinzessin Emmy ist nette Zerstreuung für eine eng gefasste, aber offensichtlich ausreichend große Klientel. Die findet hier dann auch genau das, was Titel und Poster so versprechen, aber eben kaum mehr. Allenfalls die teils skurrilen Figuren, seien es die Zwei- oder Vierbeiner, setzen das eine oder andere Ausrufezeichen. Manche hätten ein bisschen mehr Zeit verdient oder auch einen stärkeren Fokus auf die komödiantischen Aspekte. Kinder werden sich aber auch so kaum langweilen.



(Anzeige)

Prinzessin Emmy
Mit der rosa-lila-pink Farbgebung, dem Fokus auf Pferde und viel royalem Getue ist „Prinzessin Emmy“ der Traum schlechthin für alle, die selbst einmal Prinzessin sein wollten. Dieses ungenierte Beharren auf traditionellen Rollenbildern wird durch eine leichte feministische Note und skurrile Nebenfiguren etwas ausgeglichen. Das ist insgesamt nett, auch wenn die Animationen schon arg dürftig sind.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort