White Boy Rick

„White Boy Rick“ // Deutschland-Start: 7. März 2019 (Kino)

Mit dem Gesetz hat es die Familie von Richard Wershe Jr. (Richie Merritt) nie so wirklich gehabt. Sein Vater Richard Wershe Sr. (Matthew McConaughey) dreht krumme Dinger mit Waffen, seine Schwester Dawn (Bel Powley) ist drogenabhängig. Und auch er selbst wird bald zu Drogen greifen, wenn auch nicht ganz freiwillig. Vielmehr überredet das FBI ihn dazu Drogenhändler zu werden, um auf diese Weise an Johnny „Lil Man“ Curry (Jonathan Majors) und dessen Gang heranzukommen. Tatsächlich lässt sich der 14-Jährige nach anfänglichem Zögern darauf ein, findet jedoch schnell etwas zu sehr Gefallen an diesem kleinen Nebenverdienst.

Irgendwie scheint das beeindruckende Comeback, das Matthew McConaughey vor einigen Jahren feierte und mit dem Oscar für Dallas Buyers Club endete, schon Ewigkeiten her zu sein. Gedreht hat der Texaner seither zwar weiterhin fleißig. Doch egal, ob er sich nun an vermeintlichen Fantasy-Blockbustern versucht (Der dunkle Turm) oder es mit anspruchsvollen Themen probiert (The Sea of Trees), will das alles nicht mehr so recht klappen. Weder das Massenpublikum noch die Kritiker interessieren sich noch groß für das, was er tut.

Das übersehene Kind
Letztere sollen nun mit White Boy Rick wieder angesprochen werden. Der unbedingte Wille nach Anerkennung ist hier zu spüren. Er ist aber auch zu sehen, wenn McConaughey an erster Stelle im Cast genannt werden. Das ist aufgrund der Popularität verständlich, inhaltlich jedoch kaum zu begründen, wenn es doch sein Filmsohn ist, der im Mittelpunkt steht. Andererseits passt das aber auch zu einem Film, der unter anderem von Vernachlässigung spricht, von Nichtbeachtung. Der selbst etwas sein möchte, was er nicht ist. Dessen Hauptfigur zudem so unscheinbar ist, dass man ihn fast übersehen möchte, mit seinen nicht zusammenpassenden Klamotten und einem leichten Bartwuchs, der verdeutlicht, dass hier jemand mehr Kind als Erwachsener ist.

Am interessantesten ist das Drama dann auch als Porträt einer Zeit und einer Stadt: Detroit im Jahr 1984, das bedeutet bereits den schleichenden Untergang der einst pulsierenden Autometropole. Eine Perspektive ist hier zwischen den verfallenden Häusern und dem Grau im Grau kaum zu erkennen. Dass der große Traum von Richard Sr. Ist, ausgerechnet eine Videothekenkette aufzubauen, unterstreicht dieses Gefühl der Hoffnungslosigkeit noch weiter. Es wäre fast komisch, wäre es nicht so deprimierend. Und ohnehin, der französische Regisseur Yann Demange lässt hier von Anfang an keinen Zweifel daran, dass das alles nichts wird, nichts werden kann, dass die zwischenzeitlichen Höhenflüge krachen enden müssen. Weil sie das in Filmen immer tun.

Das Warten auf den Knall
Nur erzählt der Film eben eine wahre Geschichte. Und eine solche sollte dann schon ein bisschen mehr bieten. Genau darauf wartet man jedoch längere Zeit vergebens, White Boy Rick ist zwar sichtbar darauf aus, den jungen Protagonisten irgendwie bemerkenswert erscheinen lassen zu wollen. Es gelingt nur nicht so wirklich. Zwischen der langsam steigenden Selbstüberschätzung und der Sehnsucht nach einem fetten Leben, fetten Goldkettchen inklusive, da bleibt nicht viel Platz für eine gewinnende Persönlichkeit.

Das ist auch deshalb tragisch, weil Jr. zum Ende hin als Opfer dargestellt wird, dem andere übel mitgespielt haben. Verständlich ist das, die Entwicklung nimmt zum Schluss recht zynische Züge an. Zu rechtfertigen ist das dennoch kaum. Es ist sogar ausgesprochen befremdlich, wie White Boy Rick zwischen guten und bösen Gangstern unterscheiden will, völlig ausklammert, welches Leid die Drogengeschäfte mitgebracht haben. Einiges an dem Film ist zweifelsfrei sehenswert, die Besetzung beispielsweise. Neben McConaugheys Darstellung des überforderten Vaters, dessen Träume ins Lächerliche gezogen werden, ist es vor allem Bel Powley (The Diary of a Teenage Girl), die als drogensüchtiges Wrack erinnerungswürdige Auftritte hat. Und wer Vorlieben für dreckige Dramen mit leichtem Aufregerpotenzial hat, der schaut ohnehin mal rein, selbst wenn sich die Spannung eher in Grenzen hält.



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White Boy Rick
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White Boy Rick
„White Boy Rick“ stellt uns einen Teenager vor, der auf Druck durch das FBI zum Drogenhändler wird. Das wird zum Ende hin skandalös, ist über weite Strecken aber erst einmal ziemlich nichtssagend – auch weil die Hauptfigur nicht sehr spannend ist. Teilweise gefällt das auf einer wahren Geschichte basierende Drama durch die Darstellerleistungen, irritiert gleichzeitig aber durch den Versuch, den jungen Drogendealer als Opfer darstellen zu wollen.
6von 10

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