Mr Mercedes Staffel 1

„Mr. Mercedes – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 8. November 2018 (DVD)

Viele Erfolge konnte Bill Hodges (Brendan Gleeson) im Laufe seiner Zeit als Detective vorweisen, es gibt zahlreiche Gründe für ihn, stolz zu sein, auf das, was er geleistet hat. Und doch: Ein Fall verfolgt ihn bis heute, bis in den Ruhestand hinein. Ein Unbekannter war mit einem Mercedes in eine Menschenmenge gerast, hatte dabei 16 Leute getötet und zahlreiche weitere verletzt. Und obwohl sich Hodges regelrecht in die Geschichte verbiss, der Täter wurde nie gefasst. Auch Brady Hartsfield (Harry Treadaway), der seinerzeit am Steuer saß, hat den Vorfall zwei Jahre später nicht vergessen, genießt noch immer das Unglück der anderen. Und so entschließt er sich, seinen ehemaligen Verfolger heimzusuchen und seinerseits ein Katz- und Mausspiel zu starten – mit bald tödlichen Folgen.

Meistens bringen wir Stephen King ja mit seinen fantastischeren Geschichten in Verbindung, etwa dem Blockbuster Es oder auch der Endlosreihe Kinder des Zorns. Doch inmitten des außer-, über- und unterirdischen Horrors finden sich auch immer wieder Beispiele, die im realen Leben spielen und zeigen: Die schlimmsten Monster können eine menschliche Gestalt haben. Das bekannteste Beispiel hierfür ist vermutlich Misery, der Kathy Bates einen Oscar für die Rolle eines psychotischen Fans einbrachte. Aber auch Mr. Mercedes demonstriert eindrücklich, dass man gar nicht viel braucht, um schön schaurige Abgründe zu erschaffen.

Zwei Kontrahenten im Psychoduell
Vorlage der Serie bildet der gleichnamige Roman aus dem Jahr 2014 bzw. dessen zwei Fortsetzungen. Anders als so viele Krimis und Thriller, die mit ungeklärten Fragen die Neugierde des Publikums wecken wollen – vor allem die, wer der Täter ist –, verrät Mr. Mercedes zu Beginn, was Sache ist. Genauer fängt die Geschichte mit dem vierrädrigen Massenmord an, spart dabei nicht mit Details. Auch Brady wird im Anschluss vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen also weder die Rekonstruktion des Falles noch die Suche nach dem Schuldigen, sondern das Fernduell der beiden Kontrahenten. Brady tut alles dafür, um Bill zu peinigen. Der wiederum sucht nach einer Möglichkeit, Mr. Mercedes ausfindig und unschädlich zu machen.

Sehr viel Action sollte man hierbei nicht erwarten: Nach dem rasanten Auftakt flacht das Tempo deutlich ab, bis es zum Ende hin noch einmal kräftig zulegt. Aber auch dazwischen darf sich das Publikum auf einige Ausflüge in die menschliche Hölle freuen. Serienlegende David E. Kelley (Picket Fences, Ally McBeal), der das Konzept der Serie entwickelte und einige der Drehbücher schrieb, nutzt die Wartezeit auf den großen Knall, um ein bisschen mehr über die beiden Kontrahenten zu erzählen. Während Bill dabei dem typischen Bild des verbissenen Cops entspricht, der Arbeit immer über die Familie stellte – weshalb die auch nicht mehr mit ihm redet –, ist es gerade die Figur von Brady, die fasziniert und nachhaltig verstört.

Zwischen Mitleid und Grauen
Ursprünglich hätte Anton Yelchin diese übernehmen sollen. Nach dessen Tod erhielt aber Harry Treadaway (Penny Dreadful) den Zuschlag. Auch durch ihn wird der Massenmörder zu einer bemerkenswert ambivalenten Person, die einen anwidert und einem gleichzeitig leid tut. Denn auch wenn die Einblicke in sein Privatleben spärlich sind, sich auf Flashbacks und Szenen mit seiner kaputten Mutter Deborah (Kelly Lynch) beschränken, es reicht, um eben noch eine andere Seite zu zeigen. Hinzu kommt: Die anderen Opfer, die er sich im Laufe der zehn Folgen raussucht, reichen von unschuldigen Pechvögeln zu ihrerseits widerwärtigen Personen, deren Ableben schon gefährlich nahe an ein Guilty Pleasure kommt.

Und doch tut einem Mr. Mercedes nicht den Gefallen, sich vollends auf eine Seite zu schlagen, auch Bill ist ausgesprochen ambivalent. Sein Versuch, den Fall zu lösen, hat schließlich noch deutlich mehr Unglück verursacht. Das ungleiche Duell, welches teils perfide Züge annimmt, wird dabei durch das restliche Ensemble immer wieder aufgelockert. Denn das ist ebenfalls hochkarätig, vor allem Lynch als alkoholkrankes Wrack und Breeda Wool als Bradys vorlaut-sarkastische Kollegin bereiten jede Menge Vergnügen. Dass die Serie im Mittelteil manchmal ein bisschen träge ist und die Geschichte nicht recht vorankommt, ist zwar schade, kann dem insgesamt positiven Gesamteindruck aber nicht ernsthaft schaden. In der Masse oft wenig beglückender King-Adaptionen ist diese hier eine der besten der letzten Zeit.



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Mr. Mercedes – Staffel 1
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Mr. Mercedes – Staffel 1
Ein Serienmörder quält seinen ehemaligen Verfolger bei der Polizei, der bis heute nicht überwinden kann, den Täter nicht geschnappt zu haben. Aus dieser Ausgangslage wird bei „Mr. Mercedes“ ein spannender Thriller, der von dem Psychoduell, den ambivalenten Figuren und der erstklassigen Besetzung getragen wird. Im Mittelteil neigt die Adaption eines Stephen-King-Romans jedoch etwas zu Längen.
7von 10

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