Generation Wealth

„Generation Wealth“ // Deutschland-Start: 31. Januar 2019 (Kino)

Der amerikanische Traum besagt, dass jeder alles erreichen kann, wenn er nur hart dafür arbeitet – die ewige Mär des Tellerwäschers, der zum Millionär wird. Dass bei diesem mantraartigen Selbstverständnis der USA ebenso viel Schaum geschlagen wird wie beim Spülen selbst, das beginnt inzwischen aber auch den größten Träumern zu dämmern. Denn Geld bekommt man nicht zwangsweise für harte Arbeit. Man verdient sogar mehr, wenn man andere für sich arbeiten lässt. Und das mit der sozialen Durchlässigkeit ist aktuell ebenfalls nicht die ganz große Stärke der Supermacht. Man bleibt dann doch lieber unter sich, ergötzt sich an einem Lebensstil, der gar nicht allen offen sein soll. Schließlich kann man sich dann nicht mehr überlegen fühlen.

Eines vorweg: Wem das offensichtliche Zurschaustellen von Reichtum zu sehr an die Nieren geht, der sollte vielleicht Generation Wealth besser meiden. Wie der Titel bereits verrät, wendet sich Lauren Greenfield, oft als Journalistin und Fotografin unterwegs, hier dem Thema Vermögen zu. Leute, die es haben. Leute, die es gern hätten. Eine der ersten Szenen zeigt eine Dame, die für eine hohe Gage anderen beibringt, wie sich Bananen und Orangen elegant mit Messer und Gabel verputzen lassen. Nützliche Fähigkeiten, wenn man zu dem oberen Prozent gehören will, das alles unter sich aufteilt.

Die haben sie doch nicht mehr alle
Das wirkt natürlich etwas kurios, soll es auch. Das sollen auch andere Beispiele, die Greenfield aufgetrieben hat. Wenn Eltern ein Vermögen investieren, um das kleine Mädchen wie eine Vegas-Diva herauszuputzen, dann darf man das noch witzig finden. Oder lächerlich. Aber auch erschreckend, denn der Wahn, alles zu sein, alles zu haben und vor allem alles auch dem Rest der Welt demonstrieren zu müssen, gleicht hier einer Religion, die dem eigenen Nachwuchs schon im frühen Kindesalter eingetrichtert werden. Du bist erst dann jemand, wenn du auf einem Podest stehst. Wenn du eine sündhaft teure Tasche ein eigen nennst, eine der möglichen Einstiegsdrogen in das Upperclass-Milieu.

Die Bandbreite an Themen ist groß. Nicht minder beeindruckend ist die Vielfalt an Gesprächspartnern, die Greenfield aufgetrieben hat. Von Pornostars über Fondsmanager bis zu den Kindern von Celebrities, die mehr über TV-Sternchen wissen als über ihre Nachbarn, ist alles dabei, was irgendwie mit Reichtum zu tun hat. Zudem lässt es sich die Filmemacherin nicht nehmen, auch ihre eigene Geschichte einzubauen. Welche Auswirkungen hatte es auf sie, dass ihre eigene Mutter ständig unterwegs war, während sie noch ein Kind war? Wie sehr ist sie, wie sehr sind wir alle, durch das vorbestimmt, was unsere Eltern tun?

Am Ende ist alles wie immer
Generation Wealth, das auf dem Sundance Film Festival 2018 erstmals gezeigt wurde, endet dabei recht bodenständig. Konventionell auch. Du brauchst eine Familie. Du brauchst Kinder. Nur das gibt dir den Halt, den Taschen, Juwelen und aufgepumpte Brüste nicht geben können. Das ist sicher gut gemeint, auch weil der Dokumentarfilm zum Ende zeigt, wie viel Unglück das Geld bzw. das Streben danach den Leuten hier gebracht hat. Ein tatsächlicher Erkenntnisgewinn ist dies jedoch nicht, stark vereinfacht, zumal das von unnötig dramatischer Musik und viel Pathos begleitet wird. Das wäre sicher subtiler und differenzierter gegangen.

Und auch der Versuch, den Exzess der Luxussüchtigen mit dem Untergang früherer Imperien gleichzusetzen, ist nicht unbedingt tiefgründig. Was bleibt, ist jedoch ein Film, der zumindest einen Einblick gibt in eine Welt, die gleichzeitig fremd und vertraut ist. Eine Welt, die um jeden Preis als besonders und einzigartig gelten will, dafür aber von anderen abhängig ist. Das kann man dann als lustig bis ironisch empfinden, als ärgerlich oder irgendwo auch als traurig, wenn wir hier auf einen menschlichen Zoo blicken, der oft gar nicht weiß, dass er einer ist.

Generation Wealth
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Generation Wealth
Der Dokumentarfilm „Generation Wealth“ führt uns vor Augen, wie eine Reihe Menschen nach Reichtum und Luxus streben. Die Themenvielfalt ist groß, die einzelnen Geschichten reichen von komisch über erschreckend bis traurig. Wirklich viel lernen kann man daraus aber nicht, auch das Pathos zum Ende hin schmälert etwas den Eindruck.
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