Adam und Evelyn

„Adam und Evelyn“ // Deutschland-Start: 10. Januar 2019 (Kino)

Das ist jetzt etwas unglücklich gelaufen. Eigentlich hatten Adam (Florian Teichtmeister) und Evelyn (Anne Kanis) ja gemeinsam in den Urlaub fahren wollen. Nachdem sie ihn aber in einer intimen Situation mit einer anderen erwischt hat, ändert sie ihre Pläne, fährt lieber mit Simone (Christin Alexandrow) und ihrem Freund Michael (Milian Zerzawy) fort. Das wiederum will Adam nicht einfach mitansehen, fährt dem Trio einfach hinterher und lernt dabei Katja (Lena Lauzemis) kennen, die auf der Flucht ist. Als dann auch noch im Sommer 1989 die Grenze zwischen Österreich und Ungarn geöffnet wird, weiß die ostdeutsche Truppe erst recht nicht mehr, was sie eigentlich tun will.

30 Jahre wird es dieses Jahr her sein, dass die innerdeutsche Mauer fiel und mit ihr nach und nach die komplette Sowjetunion zerbröckelte. Doch noch immer erzählen die Menschen, wie das war, aus der DDR abhauen zu wollen. Ballon erinnerte im Herbst an eine spektakuläre Flucht an Bord eines Heißluftballons, Kuso nahm uns mit auf eine kleine Insel, wo die Bewohner von einem Leben abseits des Regimes träumten. Und auch Adam und Evelyn stellt uns Menschen aus dem sozialistischen Staat vor, denen es dort zu eng geworden war, zu restriktiv. Die weg mussten, um sich selbst finden zu können.

Die Geschichte eines Endes
Wobei die Lage in Adam und Evelyn deutlich diffiziler ist. Während Adam sich in der DDR durchaus daheim fühlte, seiner Arbeit als Schneider nachgehen konnte, die Aufmerksamkeit der Frauen genoss, blieben Evelyns Träume eben das: Träume. Der anfängliche Streit wegen der kompromittierenden Situation ist deshalb nur der Auftakt einer Aufarbeitung, die jede Menge Konflikte an den Tag fördert. Konflikte, die in dem Film mal richtig thematisiert werden, manchmal aber auch in Halbsätzen verschwinden.

Allgemein zieht Regisseur Andreas Goldstein bei seinem Spielfilmdebüt eine subtile Herangehensweise vor. Andere mögen sie hingegen spröde nennen, wenn nicht gar langweilig. Ein Crowdpleaser ist Adam und Evelyn, das auf den Filmfestspielen von Venedig 2018 Premiere feiert, sicher nicht. Dafür macht es einem das Drama oft etwas zu schwer, indem vieles nicht auserzählt wird, Zeitsprünge nicht deutlich gemacht werden. Der gesamte Film wirkt irgendwie spontan, ohne dabei aber wild zu werden. Eher Schnappschüsse, die jemand unterwegs geschossen hat.

Eine schmunzelnde Melancholie
Ein paar davon stechen etwas mehr hervor, beispielsweise eine etwas kuriose Schmuggelszene. Und auch an anderen Stellen schleicht sich ein leichter Humor hinein, wenn Goldstein nach und nach die Figuren seziert, ihre Vergangenheit, die unterschiedlichen Zukunftsperspektiven. Zu einer Komödie wird der Film jedoch nie, auch Tragikomödie passt nicht so ganz. Denn eigentlich ist es eine sehr traurige Geschichte, die Ingo Schulze in seinem zugrundeliegenden Roman erzählt, wenn er auf eine Reise mit einem Paar geht, das eigentlich kein Paar mehr ist.

Der offensichtliche Verweis auf die biblische Geschichte ist dabei wie vieles hier ambivalent. Hier gibt es keine Schlange, welche die zwei verführen könnte. Kein Gott, der sie bestraft. Die größte Strafe hier ist, dass das gemeinsame Paradies nicht gemeinsam war. Auch wenn manchmal eine leichte Aufbruchsstimmung herrscht durch die neugewonnenen Möglichkeiten, es liegt doch ein Schleier der Melancholie über allem. Eine Unsicherheit, wohin die Reise gehen soll. Eine Unsicherheit, wer man selbst denn eigentlich ist. Der Erkenntnisprozess, der den Auszug der biblischen Adam und Evelyn begleitete, er ist hier noch nicht vorbei, wird es vielleicht auch niemals sein. Denn dafür gibt es hier zu viele Äpfel, zu viele Bäume, zu viele Gärten. Und zu wenig Gewissheit, was genau ein Paradies eigentlich ausmacht.

Adam und Evelyn
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Adam und Evelyn
Wie bei dem biblischen Vorbild handelt „Adam und Evelyn“ von einer Erkenntnissuche eines Paares und einer Zäsur in ihrem Leben. Die ist hier jedoch deutlich langwieriger und weniger spektakulär, bringt auch mehr Fragen als Antworten mit sich. Wer sich auf diese leise Erzählweise einlassen kann, darf sich auf ein Drama freuen, das ebenso komplex und verwirrend wie das Leben ist.
7von 10

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