Das Urteil von Nuernberg

„Das Urteil von Nürnberg“ // Deutschland-Start: 26. Oktober 2018 (DVD/Blu-ray)

Der große Nürnberger Kriegsverbrecherprozess liegt bereits zwei Jahre zurück, als der eigentlich bereits pensionierte Richter Dan Haywood (Spencer Tracy) 1948 nach Deutschland geflogen wird, um den Prozess gegen vier ehemalige Juristen des NS-Regimes zu leiten. Auf Seiten der Verteidigung drängt der Ankläger Colonel Tad Lawson (Richard Widmark) auf eine strenge Bestrafung. Hans Rolfe (Maximilian Schell), der Verteidiger des Hauptangeklagten Dr. Ernst Janning (Burt Lancaster), beruft sich hingegen auf den Befehlsnotstand im Deutschen Reich. Rolfe bewundert den berühmten Janning und argumentiert, dass die Angeklagten nichts hätten ändern können. In den langen Wochen der Verhandlung versucht Richter Haywood von den Deutschen zu erfahren, wie es zu den Gräueltaten kommen konnte, doch keiner will von etwas gewusst haben. Die Situation verschärft sich, als Haywood aus politischen Kreisen geraten wird, aus diplomatischen Gründen ein mildes Urteil zu fällen.

Die Schuld des Einzelnen
Mit Das Urteil von Nürnberg bekommt der Zuschauer ein aus mehreren Gründen beeindruckendes Werk präsentiert. Auf der einen Seite ist der Film an einen tatsächlich stattgefundenen Prozess angelehnt und reflektiert die historischen Vorkommnisse dieser Zeit. Noch interessanter ist jedoch die eigentliche Intention des Films. Es geht weniger um ein authentisches Bild des Nationalsozialismus und den Jahren danach als vielmehr um moralische Debatten und die Schuldfragen von Einzelnen. Wie sehr ist jemand für seine eigenen Entscheidungen verantwortlich und in welchem Maße kann ich jemanden dafür zur Rechenschaft ziehen? Untermauert von authentischem Dokumentarfilmmaterial aus Konzentrationslagern entwirft Regisseur Stanley Kramer (Das Narrenschiff) ein intensives wie differenziertes Gerichtsdrama und beleuchtet verschiedene Sichtweisen ohne zu werten.

Getragen wird Das Urteil von Nürnberg von einem superben Cast. Spencer Tracey, Burt Lancester, Richard Widmark, Marlene Dietrich, Maximilian Schell,  Judy Garland und Montgomery Clift – was klingt wie ein Auszug der besten Hollywoodschauspieler aller Zeiten, ist nur die Spitze dieses Ensemble-Eisbergs. Für den Wiener Maximilian Schell gab es für seine Darstellung des Verteidigers einen Oscar als besten Hauptdarsteller, Abby Mann bekam den Goldjungen für die Drehbuchadaption. Der 190-minütige Klassiker erscheint bei capelight pictures wie immer im sehr wertigen Mediabook, welches neben einem Gespräch zwischen Mann und Schell unter anderem auch ein informatives Booklet enthält.

Das Urteil von Nürnberg
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Das Urteil von Nürnberg
Moralische Fragen nach Schuld und Unschuld werden nie alt. Und so birgt auch "Das Urteil von Nürnberg" über 50 Jahre nach seinem Erscheinen eine zeitlose Brisanz. Untermauert von der Geschichte eines echten Prozesses entwirft Regisseur Kramer eine Parabel über Moral und Verantwortung. Getragen wird das Ganze von der ersten Schauspiel-Riege des damaligen Hollywood. Allen voran der brillante Maximilian Schell zeigt die Performance seines Lebens und macht das Werk zu einem der besten Gerichtsfilme aller Zeiten.
9von 10

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