Embryo

„Embryo – A Journey of Peace and Music“ // Deutschland-Start: 6. September 2018 (Kino)

Diese Woche haben musikbegeisterte Kinogänger gleich doppelten Grund zur Freude, zumindest wenn sie etwas musikhistorisches Interesse mitbringen. Da wäre zum einen It Must Schwing – The Blue Note Story, welches uns die Geschichte des legendären Jazz-Labels Blue Note Records näherbringt – inklusive wichtiger Protagonisten und eines Einblicks in damalige gesellschaftliche Umstände. Und auch Embryo – A Journey of Peace and Music blickt zurück auf einige Leute, die auf ihre Weise Musikgeschichte geschrieben haben.

Musikalische Pioniere feiern Jubiläum
Zwei Gründe gibt es, warum sich das gerade 2018 anbietet – einen schönen, einen traurigen. Zum einen liegen die Anfänge der von Christian Burchard gegründeten deutschen Band Embryo nunmehr fünfzig Jahre zurück. Und Jubiläen sind ja immer ein guter Anlass, um ein wenig in Erinnerungen zu schwelgen. Überschattet wird dies jedoch durch den Tod von Burchard vergangenen Januar. Zuvor hatte er bereits seine Musiklaufbahn beendet, die Konsequenz aus einem 2016 erlittenen Schlaganfall. Seither leitet seine Tochter Marja Embryo, das sich schon früh mehr als Kollektiv denn als tatsächliche Gruppe empfand.

Ein Grund dafür waren die zahlreichen Mitglieder, die im Laufe der Zeit mitwirkten, mehr als 400 sollen es gewesen sein. Jeder hinterließ auf seine Weise Spuren. Aber auch außerhalb der eigenen Zusammensetzung fand man unzählige Einflüsse, an allen Ecken und Enden der Welt. War Embryo anfangs noch das Zusammentreffen von Rock und Jazz, wurde später etwas daraus, das sich gar nicht mehr so leicht kategorisieren ließ. Zum Ärger der Fans, die schon mal auf ein Konzert der Band gingen, dort aber so gar keine ihnen bekannten Lieder zu hören bekamen.

Aus dem Nähkästchen geträllert
Michael Wehmeyer, selbst jahrelanges Mitglied der Band, hat diese und viele weitere Anekdoten gesammelt und sein Archiv geöffnet. Embryo – A Journey of Peace and Music besteht dann auch, wie bei derartigen Dokumentationen üblich, aus einer Mischung solcher historischen Aufnahmen und Interviews. Letztere geben kleinere Einblicke und Kontexte, was gerade für die ersten Jahre spannend ist, als Embryo sich stark wandelte. Alles kann, nichts muss, lautete irgendwann die Devise. Indische Einflüsse fanden ebenso ihren Weg in die Musik wie afrikanische und fernöstliche. Embryo wurde so zu einem Sammelsurium unterschiedlichster Klänge und Instrumente, vermischte Stilrichtungen.

Zu hören gibt es davon jede Menge in dem Film, Wehmeyer stöberte ausgiebig in dem Fundus an Live-Auftritten. Der Informationsgehalt ist hingegen eher überschaubar. Auch weil Embryo – A Journey of Peace and Music so sehr den Kollektivgedanken in den Vordergrund stellt, bleiben die einzelnen Menschen Fremde. Von den wenigsten, die wir hier sehen, erfahren wir, wer sie überhaupt sind. Und selbst Mastermind Burchard nähern wir uns kaum an. Wer von dem Dokumentarfilm erhofft hat, es wäre ein tatsächliches Porträt der Leute hinter der Gruppe, der wird enttäuscht. Zudem fehlt ein wenig die Perspektive von außen, was den Film manchmal wie einen Imagefilm wirken lässt, der auf einer Jubiläumsveranstaltung gezeigt wird. Das ist schön, manchmal aber hart an der Grenze zur Selbstbeweihräucherung. Doch die Musik und der zugrundeliegende Gedanke der Völkerverständigung entschädigen dafür, versüßen diese etwas andere Weltreise.

Embryo – A Journey of Peace and Music
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Embryo – A Journey of Peace and Music
Seit nunmehr fünf Jahrzehnten mischt die deutsche Gruppe Embryo die unterschiedlichsten Einflüsse und Musikrichtungen aus allen Ecken der Welt. Das ist hörenswert, auch wenn „Embryo – A Journey of Peace and Music“ letztendlich wenig über die Menschen erzählt und ein wenig die Perspektive von außen fehlt.
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