„Symphony of Now“, Deutschland, 2018
Regie: Johannes Schaff; Musik: Modeselektor, Gudrun Gut, Thomas Fehlmann, Hans-Joachim Roedelius, Samon Kawamura, Alex.Do

Symphony of Now

„Symphony of Now“ läuft ab 12. Juli 2018 im Kino

Dass Filmemacher sich ganz gerne mal bei älteren, erfolgreichen Titeln bedienen, das muss man eigentlich gar nicht erst erwähnen. Es ist ja nahezu unmöglich, eine Zeit zu finden, in der im Kino nicht gerade eine Fortsetzung, ein Remake, ein Reboot, ein Prequel, Midquel oder Spin-off bekannter und vor allem gewinnbringender Werke läuft. Ein Remake eines Dokumentarfilms, das sieht man aber auch als Rundumschauer nur selten. Geht das überhaupt? Kann das funktionieren? So ein Dokumentarfilm hat normalerweise ja keine Geschichte, die man ein zweites Mal erzählen könnte.

Stimmt. Allerdings ging es bei Walter Ruttmans Berlin – Die Sinfonie der Großstadt auch weniger darum, eine Geschichte zu erzählen. In dem experimentellen Dokumentarfilm aus dem Jahr 1927 schnitt der Regisseur Aufnahmefetzen zusammen, die gemeinsam einen Tag in Berlin darstellten. Ihm gelang damit eine Art Miniklassiker, der vielleicht nie den großen Ruhm erreichte, aber doch als Einblick in das Berlin der 1920er die Zeit überdauerte. Bemerkenswert war dabei, dass Ruttman, anders als in dem Bereich üblich, gar nicht versuchte, nüchterne Informationen zusammenzutragen. Vielmehr war sein Film als Kunstwerk gedacht, das die Stadt als lebenden Organismus darstellen sollte.

Ein Blick auf das Berlin von heute
Das ist bei Symphony of Now recht ähnlich. Johannes Schaff behielt das grundsätzliche Prinzip bei, ebenso die Einteilung in Akte. Die größten Unterschiede sind, dass seine Version in der Nacht spielt, also ein Gegenstück zu dem am Tage gedrehten Vorläufer bildet. Und dass es eben in der Gegenwart spielt, wie schon der Titel verdeutlich. Etwa 90 Jahre sind seit Ruttmans Werk vergangen, eine lange Zeit im Film, eine lange Zeit in der Welt da draußen. Wie hat sich Berlin verändert? Was macht die heutige Version der Großstadt aus?

Einen direkten Vergleich bietet Symphony of Now nicht an, ließ sich zwar von Berlin – Die Sinfonie der Großstadt inspirieren, ohne aber darauf zurückzugreifen. Der Film wird auch nie wirklich konkret. An vielen Stellen müsste man schon raten, aus welchem Jahr die Aufnahmen stammen. Der Anspruch, etwas über Berlin auszusagen, dem wird das hier daher nur zum Teil gerecht. Über die Menschen erfährt man nichts, sofern man überhaupt welche sieht. Es ist auch ein sehr beengter Blick, der sich mehr und mehr auf Kunst und Kultur konzentriert, beispielsweise Clubs. Man könnte dem Dokumentarfilm sogar vorwerfen, aufgrund des sehr prominenten Einsatzes von Elektromusik im Grunde nichts anderes zu sein als ein einstündiger Musikclip.

Hypnotische Reise ohne Tiefgang
Als solcher ist, eine gewisse Empfänglichkeit für diese Musikrichtung vorausgesetzt, Symphony of Now durchaus sehenswert. Auch wenn der Beitrag vom Filmfest Emden-Norderney 2018 sparsam im Bereich der Information ist, atmosphärisch ist Schaff und seinem umfangreichen Kamera- und Musikteam einiges gelungen. Die mal treibenden, dann sphärischen Klänge vermischen sich mit den in schneller Abfolge gezeigten Bildern zu einer Stimmungscollage, die mitreißt. Geradezu hypnotisch wird der Trip, wenn wir uns durch die Nacht treiben lassen, direkt vor Ort und doch auch in Distanz dazu sind. Davon mag nicht viel zurückbleiben, wenn schließlich die Namen der Beteiligten über die Leinwand laufen. Aber für einen Moment lässt man sich gern von dem Wirbel aus Farben, Formen und Tönen verzaubern.

Symphony of Now
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Symphony of Now
In Anlehnung an „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ versucht auch „Symphony of Now“ Berlin in einer Mischung aus Dokumentation und Kunstwerk festzuhalten. Die Aussagekraft ist eher gering, man erfährt nichts über die gezeigten Orte oder Personen. Als nächtlicher Trip durch die Kultur der Hauptstadt ist das jedoch durchaus stimmungsvoll, teilweise auch hypnotisch – sofern man sich auf die prominent eingesetzte Elektromusik einlässt.
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