„Forever My Girl“, USA, 2018
Regie: Bethany Ashton Wolf; Drehbuch: Bethany Ashton Wolf; Vorlage: Heidi McLaughlin; Musik: Brett Boyett
Darsteller: Alex Roe, Jessica Rothe, Abby Ryder Fortson, John Benjamin Hickey, Peter Cambor

Forever My Girl

„Forever My Girl“ läuft ab 16. August 2018 im Kino

Von den Frauen begehrt, von den Fans gefeiert – der Country-Sänger Liam Page (Alex Roe) hat es in seinem Leben zu etwas gebracht. Und doch, so ganz lässt ihn die Vergangenheit nicht los, vor allem nicht seine Ex-Freundin Josie Preston (Jessica Rothe), die er seinerzeit vor dem Altar hat stehenlassen. Da erfährt er eines Tages, dass sein bester Freund aus Jugendtagen bei einem Autorunfall gestorben ist. Kurzerhand lässt Liam daraufhin alles stehen und liegen, lässt sogar ein Konzert sausen, um in die alte Heimat zu fahren. Auf ihn gewartet hat man dort jedoch weniger. Weder sein Vater (John Benjamin Hickey) noch Josie zeigen sich übermäßig erfreutt. Und eigentlich wollte Liam ja auch nur kurz bleiben. Doch dann trifft er auf Billy (Abby Ryder Fortson), Josies Tochter. Und plötzlich ist alles ganz anders.

Und da ist sie wieder, die so gern in Filmen verwendete Situation: Ein Mensch stirbt, ein entfremdeter Angehöriger oder Freund kehrt in seine Heimat zurück und muss sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Das kommt in den besten Familien vor. Und in den schlechtesten natürlich auch. Ein solches Aufeinandertreffen kann natürlich sehr bewegend sein, wie das mitreißende Manchester by the Sea bewiesen hat. Ein Selbstläufer ist die Kombination aus Tod und Vergangenheitsbewältigung aber nicht, wie Forever My Girl schmerzhaft vor Augen führt.

Vergangenheit? Interessiert keinen
Wobei, um Vergangenheitsbewältigung geht es in der Adaption von Heidi McLaughlins gleichnamigen Roman ohnehin nicht. Denn das würde bedeuten, dass sich hier Menschen tatsächlich miteinander auseinandersetzen müssten. Tun sie aber nicht. Dass beispielsweise der Verstorbene, von dem Liam behauptet, sein bester Freund gewesen zu sein, völlig unwichtig für die Geschichte ist, das grenzt schon ziemlich an Zynismus. Und ist doch typisch für einen Film, der auf eine rücksichtslose Weise seine Ziele verfolgt. Dem eigentlich alles egal ist.

Es ist eine Sache, dass Liam so lange ein Geheimnis daraus macht, warum er damals Hals über Kopf alles zurückließ. Dass die Auflösung des Geheimnisses so wenig überzeugend ist, sie vieles überhaupt nicht erklärt, das ist schon deutlich ärgerlicher. Am schlimmsten ist aber, dass es niemanden hier überhaupt zu interessieren scheint. Es gibt anfangs ein unsanftes Aufeinandertreffen, dazu diverse Beschimpfungen. Aber in all der Zeit sucht keiner ein klärendes Gespräch, nicht Liam, nicht sein Vater, nicht Josie. Auch keiner der anderen Bewohner, die in dem Kosmos ohnehin keine Rolle spielen. Selten hat man weniger als hier das Gefühl gehabt, in einer tatsächlichen Kleinstadt unterwegs zu sein.

Figuren, wie sie nur das Drehbuch (nicht) schreibt
Aber auch die Figuren selbst wirken nicht real. Billy, so süß und hinreißend sie von Abby Ryder Fortson (Ant-Man and the Wasp) gespielt sein mag, wirft mit Sätzen um sich, die nicht einmal in die Nähe eines Kindes kommen sollten. Bei den Erwachsenen sieht es nicht besser aus. Josie verfällt natürlich wieder in Windeseile ihrem Ex-Verlobten, nicht weil er es verdient hat oder es sich aus dem Film heraus ergeben würde. Stattdessen sollen einfach die romantischen Bedürfnisse des Publikums befriedigt werden, das die beiden attraktiven Hauptfiguren zusammen sehen möchte. Dass Liam ein selbstsüchtiger Mensch ist, der so gar keine rettenden Eigenschaften hat, wird da nicht weiter beachtet. Es reicht Forever My Girl, dass er gut aussieht und einen Hundeblick zur Schau stellen kann. Der Rest interessiert nicht.

Das mag denjenigen reichen, deren Herz nur für das Ergebnis schlägt. Wer aber auch gern den Weg dorthin sieht, der sollte hier lieber gleich wegschauen. Immer wieder verlässt Forever My Girl den Pfad der Glaubwürdigkeit, ist gerade bei den Figuren äußerst willkürlich, auf eine mal komische, dann wieder ärgerliche Art und Weise. Immerhin, die Besetzung stimmt. Alex Roe (Die 5. Welle), der hierfür extra Gesangsunterricht nahm, zeigt ein unerwartetes Talent darin. Und Jessica Rothe hat vor einigen Wochen in Happy Deathday gezeigt, dass sie einen Film notfalls auch alleine tragen kann. Nur hatte das dort eben auch eine zumindest neugierig machende Geschichte. Hier würde das wohl keiner behaupten: Die Romanze ist allen Unsinnigkeiten zum Trotz so abgedroschen, dass man eigentlich nach fünf Minuten hätte abschalten können. Umso mehr, da dies auch noch die fünf besten Minuten waren.

Forever My Girl
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Forever My Girl
Ein Mann lässt seine Verlobte am Altar sitzen, macht anschließend als Musiker Karriere und kehrt dann in seine Heimatstadt zurück – da weiß man doch, was einen erwartet. Zum Großteil stimmt das auch, „Forever My Girl“ hält sich unbeirrt an abgegriffene Klischees. Bemerkenswert dabei ist nur, mit welcher Kaltschnäuzigkeit der Film das tut, sich zu keiner Zeit dafür interessiert, ob irgendwas hier glaubwürdig oder plausibel ist und einen selbstsüchtigen Musiker als liebenswert präsentieren will, ohne irgendetwas dafür zu tun.
4von 10

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