„Before the Revolution“, Iran/Israel, 2013
Regie: Dan Shadur; Musik: Ishai Adar

Before the Revolution

„Before the Revolution“ läuft im Rahmen des 5. Iranischen Filmfestivals München (11. bis 15. Juli 2018)

Dass das Verhältnis zwischen Israel und dem Iran gelinde gesagt ein wenig schwierig ist, das wurde in den letzten Monaten wieder einmal eindrucksvoll demonstriert. Schließlich war Israel nicht ganz unbeteiligt daran, als Trump einseitig den Atomvertrag aufkündigte und – wieder einmal – die Weltgemeinschaft vor den Kopf stieß. Erzfeinde sind die zwei Länder, so machten die hetzerischen Kommentare Israels deutlich, sie waren es, werden es auch immer sein.

Oder vielleicht doch nicht? Es ist nicht unbedingt ein Geheimnis, dass sich der Iran mit der Islamischen Revolution 1979 stark verändert hat. War er bis zu dem Zeitpunkt eine dem Westen zugewandte Monarchie, verwandelte er sich anschließend in das streng gottesfürchtige Land, wie wir es heute kennen. Mit dieser Zäsur hieß es nicht nur Abschied nehmen von den westlichen Kulturgütern, die es zuvor durchaus in dem persischen Staat gab. Es bedeutete auch das Ende etwaiger israelisch-iranischer Bündnisse.

Es muss nicht immer wahre Freundschaft sein
Before the Revolution nimmt uns mit in diese Zeit einer für uns heute kaum mehr vorstellbaren Allianz. Freundschaftlich war die schon damals kaum, folgte mehr dem Prinzip: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“ Israel, so erinnert der Dokumentarfilm, hatte zuvor gleich mehrere arabische Staaten in ihre Schranken verwiesen. Das wiederum imponierte dem Iran. Und es gefiel ihm: Das Verhältnis zwischen Arabern und Persern ist schließlich auch nicht besser als das zwischen Israel und dem Iran. Sich mit Israel kurzzuschließen, erschien daher damals als opportunes Mittel, um eine Front gegen die arabischen Nachbarn aufzubauen.

Der Beitrag vom Iranischen Filmfestival München 2018 erzählt von diesem kuriosen Zusammenschluss, aber auch wie dieser in Folge der Revolution implodierte. Plötzlich waren Israelis nicht mehr willkommen. Mehr noch, sie mussten sogar um ihr Leben fürchten. Das hätte leicht zu einer trockenen Geschichtsstunde werden können, wurde aber durchaus spannend umgesetzt. Regisseur Dan Shadur lässt in seinem Film viele Zeitzeugen zu Wort kommen, die mit dem Publikum ihre Anekdoten teilen. Manche sind sehr persönlicher Natur, andere beziehen sich stärker auf die allgemeine Situation.

Spannend wie ein Thriller
Shadurs Familie gehörte zu den privilegierten Israelis, die in den 1970ern in Teheran in den höchsten Kreisen verkehrten. So privilegiert, dass der Umsturz für sie recht überraschend kam. Für den Filmemacher bedeutete das, von seinem direkten Umfeld ausgehend Einblicke in die damalige Zeit zu gewinnen, die über den bloßen Ablauf hinausgehen. Before the Revolution erzählt eben nicht nur, was damals vorfiel, sondern auch, wie es sich für die Israelis dort anfühlte, teils durch Interviews, teils durch private Aufnahmen aus dieser Zeit.

Das ist ungemein spannend, es gelingt dem Dokumentarfilm gut, die Brisanz der Situation zu veranschaulichen – so sehr, dass man zuweilen meint, einen Thriller anzuschauen. Leider sind die Informationen über das, was nach der Revolution kam, recht spärlich. Wie sich die Verhältnisse im Anschluss derart stark verschlechtern konnten, bleibt ein Geheimnis. Aber mehr wäre bei einer Laufzeit von nur knapp einer Stunde auch einfach nicht drin gewesen. Und zumindest diese eine Stunde ist vollgepackt mit fesselnden Geschichten, die uns eine etwas andere Perspektive auf den Iran erlaubt.

Before the Revolution
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Before the Revolution
Israel und Iran waren schon immer Todfeinde? Irrtum: „Before the Revolution“ zeigt anhand von Interviews und privaten Aufnahmen, wie Israelis vor der Islamischen Revolution im Iran durchaus was zu sagen hatten und auch von oberster Stelle willkommen waren. Die Geschichten sind gleichermaßen persönlich wie universell, erlauben uns einen etwas anderen Blick auf die Geschichte des persischen Landes.
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