„Campeones“, Spanien, 2018
Regie: Javier Fesser; Drehbuch: David Marqués, Javier Fesser; Musik: Rafael Arnau
Darsteller: Javier Gutiérrez, Athenea Mata

Wir sind Champions

„Wir sind Champions“ läuft ab 20. September 2018 im Kino

Marco (Javier Gutiérrez) liebt es, wenn alles nach Plan geht. Seinem Plan. Zuletzt tat es das aber immer seltener. Seine Ehe mit Sonia (Athenea Mata) wartet nur noch auf ihr Todesurteil. Auch seine Arbeit als Co-Trainer einer Basketballmannschaft ist vorbei, als er sich eines Tages ein klein wenig im Ton vergreift. Und zu guter Letzt gerät er noch unsanft mit der Polizei aneinander, dummerweise ausgerechnet dann, als er alkoholisiert Auto fährt. Die zuständige Richterin findet das alles noch viel weniger lustig und verdonnert Marco daraufhin zu Sozialarbeit. Als Bewährungsstrafe eine Basketballmannschaft trainieren? Kein Problem für ihn. Nur dass es sich eben nicht um eine Profi-Mannschaft handelt, sondern eine, die sich aus geistig Behinderten einer Einrichtung zusammensetzt. Leuten, die kaum geradeaus laufen können und nun an der Landesmeisterschaft teilnehmen sollen – mit Marcos Hilfe.

Filme über Sport greifen meistens auf eine von zwei Strategien zurück, um das Publikum vor Leinwand oder Fernseher zu locken. Entweder sie setzen auf Bombast, große Namen oder rasante Demonstrationen des Sportes an sich oder sie nehmen das genaue Gegenteil, zeigen Underdogs, die eigentlich völlig ungeeignet sind oder denen man zumindest jegliche Eignung abspricht. Die dann am Ende aber über sich hinauswachsen. Wir sind Champions fällt eindeutig in die zweite Kategorie, wenn Marco ausgerechnet eine Gruppe von Außenseitern auf Meisterschaftskurs bringen soll, die schon an einem ganz normalen Leben scheitern. Das kann ja heiter werden.

Wenn Profis und Behinderte zusammenarbeiten
Anfangs zeigt die spanische Komödie hier auch durchaus die Bereitschaft zu politisch wenig korrekten Witzen: Wenn sich Marco und seine Mutter zu seiner neuen Aufgabe austauschen, dann geht das mit unschönen Begriffen einher, mit Vorurteilen und einer kaum verhohlenen Verachtung für Leute, die anders sind. Denn was anders ist, das kann nichts taugen. Später wird sich der Wüterich jedoch am Riemen reißen, zwangsweise, wie sich herausstellt. Zum Verzweifeln bleibt die Situation jedoch, wenn seine aufgezwängten Schützlinge selbst die einfachsten Anordnungen falsch oder gar nicht verstehen. Seinen Humor bezieht der Beitrag vom Filmfest München 2018 dann eben aus diesem Kontrast. Auf der einen Seite ein Profi, auf der anderen Seite die Idioten, die nichts auf die Reihe bekommen. So die Theorie.

Leider verpasst es der Film, der daheim in Spanien für volle Kinosäle sorgte, aber, daraus auch wirklich Kapital zu schlagen. Mit einer irritierenden Sturheit wiederholt Wir sind Champions Gags, die schon beim ersten Mal nicht wirklich witzig sind. Einer der Spieler will ständig Marco umarmen, ein anderer redet von seiner Freundin, die ein dritter unentwegt als Hure bezeichnet. Zwischendurch werden Bälle in die falsche Richtung geworfen, der eine oder andere landet dann – wie soll es anders sein – am Kopf von Marco. Eine Komödie mit Behinderten muss nicht zwangsweise gemein sein, es gibt durchaus Alternativen zu der Angriffslustigkeit der Franzosen à la Ziemlich beste Freunde oder Monsieur Claude und seine Töchter. Das, was Regisseur und Co-Autor Javier Fesser anbietet, bietet sich aber nicht wirklich an. Dafür ist das zu einfach, zu plump, zu abwechslungsarm, auf eine quälende Weise unkomisch. Nach fast zwei Stunden weniger als eine Handvoll komischer Einfälle? Das ist schon sehr mager.

Ganz gewöhnliche Außenseiter
Aber Fesser ziehlt eben auch auf das Herz ab. Wie zu erwarten werden sich die talentfreien Ballagnostiker nicht nur als Mannschaft etablieren und die Tabelle hinaufkämpfen. Sie schaffen es sogar, Marco zu erobern. Das ist als Plot nicht weniger einfallslos als die Witze, Wir sind Champions mag mit nicht ganz alltäglichen Sportlern auftrumpfen, der Rest wurde aber durch so viele Schablonen gepresst, dass am Ende so gar keine Persönlichkeit mehr übrigbleibt. Es ist sogar irgendwie zynisch, wie sehr das Thema hier für eine 08/15-Wohlfühlkomödie verschenkt wird, wie sehr Mut und Kreativität fehlen. Vom Unterhaltungswert ganz zu schweigen.

Langweilige Filme gibt es natürlich nicht zu knapp, unabhängig davon, woher sie nun kommen. Im Fall von Wir sind Champions ist das jedoch besonders ärgerlich, um nicht zu sagen tragisch. Ein Film, der sich für die Inklusion geistig Behinderter einsetzt, der erhält zum Start ein ganzes Heft vollgeklebt mit Sympathiepunkten. Und auch die Aussage des Films, dass Gewinnen eben nicht alles ist, dass man sich miteinander freuen sollte, als sich gegenseitig zu bekämpfen, ist eine Wohltat zu einer Zeit, in der es für Außenseiter keinen Platz gibt, in der Gemeinsamkeit zugunsten von Profilierung aufgegeben wird – ich bin jemand, weil du niemand bist. Das allein reicht aber nicht aus. Wir sind Champions ist einer dieser seltenen Filme, die man gleichzeitig mag und als Zumutung empfindet, die so wichtig sind und dabei so dürftig umgesetzt.

Wir sind Champions
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Wir sind Champions
Ein frustrierter Profi-Trainer soll sich einer Basketballmannschaft von Behinderten annehmen, das kann ja nichts werden. „Wir sind Champions“ wagt dabei den Spagat aus Komödie und Herzlichkeit, ist dabei aber trotz unzähliger Sympathiepunkte und positiver Aussage kaum empfehlenswert. Die Humorversuche scheitern oft kläglich, auch die Geschichte folgt so sehr ausgetretenen Bahnen, dass von dem Plädoyer für Außenseiter und Andersartigkeit nichts mehr übrigbleibt.
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