„Die Freibadclique“, Deutschland/Tschechische Republik, 2017
Regie: Friedemann Fromm; Drehbuch: Friedemann Fromm; Vorlage: Oliver Storz; Musik: Annette Focks
Darsteller: Jonathan Berlin, Theo Trebs, Andreas Warmbrunn, Joscha Eißen, Laurenz Lerch

Die FreibadcliqueSollen doch andere in den Krieg ziehen. Die 16-jährigen Freunde Onkel (Jonathan Berlin), Knuffke (Theo Trebs), Bubu (Andreas Warmbrunn), Zungenkuss (Joscha Eißen) und Hosenmacher (Laurenz Lerch) haben etwas anderes mit ihrem Leben vor. Ins Freibad gehen zum Beispiel. Und Frauen natürlich. Doch dieser Luxus ist bald vorbei, als 1944 auch die letzten Jugendlichen einberufen werden – ob nun freiwillig oder nicht. Also stimmen sie zu, in der festen Absicht, sich später wiederzusehen und ihr altes Leben fortzusetzen. Aber am Ende kommt alles anders. Selbst wer den Krieg überlebt, kommt verändert aus ihm zurück.

Ach ja, das Freibad. Der Ort, an dem die unterschiedlichsten Menschen zusammenkommen, um zu schwimmen und sich zu sonnen, Spaß zu haben, Eis zu schlecken, sich beim Sprung vom Brett den eigenen Mut zu beweisen. Und natürlich anderen hinterherzuschauen. Der Kurzfilm Freibadsinfonie zeigte letztes Jahr, wie schön es dort sein kann. Wie skurril auch. Ein Sammelbecken naiv-unschuldiger Träumer, die sich selbst und andere suchen.

Die Unschuld der Jugend
Die Freibadclique fängt ganz ähnlich an, wenn die Freunde über amouröse Erwartungen plaudern, von Zielen in der Zukunft, so als ob es diesen Krieg da draußen gar nicht geben würde. Das steht natürlich in einem starken Kontrast zu der Realität, die sie bald einholt. Mit Schlägen fängt es an, mit Demütigungen, nur um dann immer schlimmer zu werden. Für die Jugend mag es einen Platz an der Front geben. Nicht aber im Alltag.

Dieser starke Widerspruch von unbekümmerter Aufbruchsstimmung und Kriegsschrecken begleitet die Adaption von Oliver Storz’ gleichnamigen Roman vom Anfang bis zum Ende. Das ist die Stärke des Films, der vor Augen führt, wie schwierig es ist, in einer solchen Ausnahmesituation aufzuwachsen. In einer Zeit, in der Tod und Elend sehr viel wahrscheinlicher sind als eine Freundin. Die Jungs werden nur verkrüppelt aus dem Krieg zurückkommen, körperlich oder auch seelisch. Sofern sie es überhaupt tun. Das ist so, als hätte man Eis am Stiel mit einem Kriegsdrama gekreuzt.

Der Krieg ist irgendwo da draußen
Gleichzeitig vermeidet es Die Freibadclique aber auch, die Schrecken wirklich als solche zeigen zu wollen. Der Fernsehfilm, der auf dem Filmfest München 2017 seine Premiere feierte, will selbst nicht so recht was mit dem Krieg zu tun haben. Das mag durchaus auch mit dem Format zu tun haben, abgetrennte Gliedmaße oder ähnliches ist im Abend-TV vielleicht nicht ganz so angebracht. Allerdings hat dies auch zur Folge, dass das Drama eben nie so recht Wirkung zeigt. Die Erlebnisse der Jungs, sie fühlen sich nicht real an.

Dazu trägt auch die schwülstige Musik bei, die nie einen Zweifel daran lässt, dass wir uns hier in einem Film befinden. Das ist schon irgendwo schade, Die Freibadclique ist mehr erzählt denn gezeigt, ein selektiver Rückblick mit gelungenen Szenen, aber zu distanziert. Zu konstruiert. Das lässt sich insgesamt ganz gut anschauen, ist aber doch eher bieder und unbefriedigend. Die große Emotionalität, welche die Geschichte entwickeln will, sie bleibt unterwegs auf der Strecke.

Die Freibadclique
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Die Freibadclique
In „Die Freibadclique“ muss eine Freundesclique in den Krieg ziehen und verliert dabei Unschuld und Jugend. Das lässt sich insgesamt gut anschauen, scheut aber vor zu viel Schrecken zurück und wirkt auch aufgrund der schwülstigen Musik oft künstlich.
6von 10

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