„Jangsanbeom“, Südkorea, 2017
Regie: Jung Huh; Drehbuch: Jung Huh; Musik: Hong-jip Kim
Darsteller: Jung-ah Yum, Hyuk-kwon Park, Rin-Ah Shin, Jin Heo, Yu-seol Bang

The Mimic Dunkle StimmenFünf Jahre sind bereits seit dem spurlosen Verschwinden ihres Sohnes vergangen. Doch mit der Vergangenheit abgeschlossen hat Hee-yeon (Jung-ah Yum) bis heute nicht. Fernab vom Trubel Seouls soll die Familie wieder zur Ruhe kommen, so der Plan, weshalb sie mit Mann, Schwiegermutter und Tochter wieder raus aufs Land zieht. Doch mit der Ruhe ist es schnell vorbei. Erst tauchen zwei Kinder bei ihnen auf, die einen Hund suchen, dann finden sie eine Leiche in einer Höhle. Und dann wäre da noch das stumme Mädchen (Rin-Ah Shin), das sie im Wald aufgabeln. Hee-yeon beschließt, das Kind erst einmal bei ihnen aufzunehmen, gegen den Willen ihres Mannes. Zeit zum Streiten hat die Familie jedoch nicht, denn kurze Zeit später häufen sich noch mehr seltsame Vorkommnisse.

Während Japan in den letzten Jahren seinen Ruf als Horrorgröße mangels Interesse aufgegeben hat, richten sich die Augen der Genrefans nunmehr auf ein anderes fernöstliches Land: Südkorea. Der Nachbar hat zwar vor allem durch Thriller von sich reden gemacht. Dann und wann stöbern die Asiaten aber auch gern mal im fantastischen Bereich herum. So war 2016 The Priests einer der beliebtesten Titel auf dem Fantasy Filmfest, The Wailing – Die Besessenen war letztes Jahr sogar regulär in den Kinos zu sehen – bei einem zweieinhalbstündigen Okkultstreifen trotz der unbestreitbaren Qualität alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Schaurig schöne Begegnungen
Neuestes Mitglied des Horrorkabinetts ist The Mimic, welches letztes Jahr daheim immerhin 1,3 Millionen Zuschauer in die Kinos locken konnte. Hierzulande muss sich der Genrebeitrag zwar mit einem DVD-Release begnügen. Fans stimmungsvoller Geistergeschichten sollten dennoch einmal vorbeischauen, denn auch wenn nicht alles ganz geglückt ist, so enthält er doch einige schaurigschöne Momente, zudem einen der fiesesten Antagonisten, den wir zuletzt haben sehen dürfen.

Die Grundidee geht dabei auf eine koreanische Legende zurück. Der Jangsan Tiger, so sagt man, verfügt nicht nur über ein bezauberndes weißes Fell, sondern auch über besonders scharfe Zähne. Vor allem aber soll er seine Gestalt wandeln können und Stimmen imitieren – daher der internationale Titel The Mimic. Das hört sich erst einmal nicht nach besonders viel an, Regisseur und Drehbuchautor Jung-ah Yum (Hide and Seek) ist es aber gelungen, aus dieser Fähigkeit einige gemeine Szenen herauszukitzeln, einige verstörende sogar. Wenn Stimmen und Körper nicht mehr zusammenpassen, aus dem Nichts immer wieder Wörter ihren Weg durch die Dunkelheit suchen, dann ist das ausgesprochen effektiv.

Okay, das kam jetzt unerwartet …
Auch unabhängig davon hat Huh ein paar sehr wirkungsvolle Pfeile in seinem Schreckköcher. Es sind vor allem die diversen Überraschungsmomente, die The Mimic auszeichnen, am Anfang ebenso wie später. Momente, bei denen als Zuschauer auch erst einmal gar nicht klar ist, was genau denn da passiert. Aber auch Rin-Ah Shin hat ihren Anteil daran, dass einem hier manchmal ein wohliger Schauer den Rücken hinunterläuft.

Leider gibt es aber auch diverse Gegenbeispiele, die dem Film einige Punkte klauen. Dass einige dieser Überraschungen nicht erklärt werden, ist zum Beispiel weniger schön. Außerdem hat Huh wenig Skrupel dabei, alte Klischees wiederaufzuwärmen. So ungewöhnlich The Mimic an der einen Stelle ist, so langweilig und frustrierend wird es an anderen. Ein neuer Klassiker ist dem Südkoreaner dadurch nicht gelungen, besagtes The Wailing ist dann doch noch der überzeugendere Hinterwaldhorror aus dem ostasiatischen Land. Wer den aber schon kennt und Nachschub braucht, der darf doch ganz froh darüber sein, dass wir hier ausnahmsweise dann doch mal mit einem deutschen Release beglückt werden.

The Mimic
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The Mimic
Ein abgelegenes Waldhaus, eine unheimliche Höhle und Stimmen, die eigentlich nicht da sein sollten: „The Mimic“ nimmt ein bekanntes Setting und entlockt diesem trotz einiger ärgerlicher Klischees viel Atmosphäre und auch den einen oder anderen Überraschungsmoment. Die schönen Bilder und eine wohl schaurige Kinderdarstellerin runden den soliden Eindruck des Geisterhorrors ab.
6von 10

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