„Hikari wo Atete Shiboru“, Japan, 2016
Regie: Ryôta Sakamaki; Drehbuch: Ryôta Sakamaki, Daisuke Miyazaki
Darsteller: Megumi Hatachiya, Shugo Oshinari, Takashi Nagayama

Dark Side of the LightDas hatte sich Tomomi (Megumi Hatachiya) irgendwie anders vorgestellt. Als sie Kohei (Shugo Oshinari) auf einer Kuppelparty kennenlernt, sind sie sich gleich sympathisch. Eines kommt zum andere, ehe sie sich versieht, landen sie im Bett und vor dem Traualtar. Allerdings ist der vermeintliche Traumprinz nicht ganz das, wofür er sich ausgegeben hat. Er hat kein Geld, keine wirkliche berufliche Perspektive. Auch keine Ambitionen. Dafür aber eine dunkle Seite. Als Tomomi ihn beschimpft, verliert er die Beherrschung und wird gewalttätig. Und das ist nur der Anfang, immer wieder geraten die beiden aneinander, mit immer heftigeren Folgen. Selbst Takumi (Takashi Nagayama), ein langjähriger Freund und Verehrer Tomomis, steht der Entwicklung machtlos gegenüber.

Nach dem Überraschungserfolg Ring gab es Anfang des neuen Jahrtausends einen regelrechten Run auf japanische Horrorfilme. Eine ganze Reihe von Vertretern wurden damals hierher gespült, sei es als Original oder in Form eines US-Remakes. Von dieser Welle ist heute praktisch nichts mehr zu spüren. Nachschub gibt es kaum noch. Dass Dark Side of the Light keine reguläre Deutschlandveröffentlichung vergönnt war, sondern sich mit einem Auftritt beim Japan-Filmfest Hamburg 2017 zufriedengeben musste, das wundert dann auch nicht wirklich.

Der Horror, den das Leben schrieb
Andererseits, selbst während dieser Hochphase wäre es fraglich, ob sich ein Verleih des Films hätte annehmen wollen. Mit unserer klassischen Vorstellung von J-Horror hat das hier nämlich nichts zu tun. Es gibt hier keine grausigen Monster aus nebulösen Zwischenwelten. Genauer gibt es überhaupt keine übernatürlichen Elemente. Dennoch lässt es Dark Side of the Light einem des Öfteren eiskalt den Rücken hinunterlaufen, findet den Horror nicht in alten Flüchen, sondern in der Gegenwart eines Paares, das keines hätte sein dürfen.

Regisseur und Co-Autor Ryôta Sakamaki vermeidet es dabei, zu sehr ins psychologische Detail gehen zu wollen. Zum Ende wirft er einen Blick zurück und zieht das Thema des häuslichen Missbrauchs noch etwas größer auf. Dem Film selbst bringt das jedoch relativ wenig, nimmt ihm durch die Küchenpsychologie sogar ein bisschen der Wucht. Der Moment, in dem Kohei das erste Mal gegenüber Tomomi gewalttätig wird, ist gerade durch die mangelnde Vorbereitung so wirkungsvoll. Dieser Ausbruch kommt nicht nur für das Publikum schockierend, auch die beiden Protagonisten können kaum fassen, was da passiert.

Der kleine alltägliche Albtraum
Ein gewisser Gewöhnungseffekt tritt später ein, wenn die Gewalt zum Alltag wird. Tatsächlich zeigt Sakamaki im Anschluss fast nichts anderes mehr. Sehr abwechslungsreich ist das nicht, bleibt aber auch weiterhin verstörend. Ein Grund ist das Setting: Fast der gesamte Film spielt in einem einzigen Raum. Der ist kärglich eingerichtet, wirkt in seiner Losgelöstheit von einer Außenwelt fast schon surreal. Und er lässt kein Entkommen zu. So wie Tomomi den Gewaltausbrüchen ihres Mannes ausgeliefert ist, so sind wir als Zuschauer auch dem Film ausgeliefert. Hier gibt es nichts, wohinter man sich verstecken könnte.

Manchmal hat Dark Side of the Light dann auch unangenehm voyeuristische Tendenzen. Die Gewalt innerhalb des Jahres wird in solchen Momenten nur der Gewalt wegen gezeigt, ohne dass der Film darüber hinaus etwas damit anfangen würde. Und so richtig nachvollziehbar ist das ohnehin nicht immer, was hier so getrieben wird. Von solchen Erwartungen sollte man sich daher besser im Vorfeld freimachen, auch der zugrundeliegende wahre Vorfall wird kaum näher beleuchtet. Aber es bleibt ein faszinierend-erschreckender Blick auf zwei kaputte Menschen, die sich gegenseitig immer weiter aufschaukeln und zeigen: Es braucht gar keine Monster oder Geister. Der Mensch ist schon schlimm genug.

Dark Side of the Light
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Dark Side of the Light
Eine so schön gestartete Beziehung verwandelt sich in ein brutales und verstörendes Zerrbild. Das bleibt ohne große Abwechslung oder Erklärung, die wenigen Kontexte helfen dem Film nicht wirklich weiter. „Dark Side of the Light“ schockiert dafür kräftig, gerade auch durch den Kontrast von spärlichem Alltag und psychischen Abgründen.
6von 10

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