„La cama“, Argentinien/Deutschland/Niederlande/Brasilien, 2018
Regie: Mónica Lairana; Drehbuch: Mónica Lairana; Musik: Petronio Lorena
Darsteller: Sandra Sandrini, Alejo Mango

The Bed

„The Bed“ läuft im Rahmen der 68. Berlinale (15. bis 25. Februar 2018)

Alt sind sie geworden, die Körper von Mabel (Sandra Sandrini) und Jorge (Alejo Mango). Faltig. An der einen Stelle sind es ein paar Pfund zu viel, dafür fehlen an anderer die Haare. Und schwerfällig sind sie geworden. Der Versuch, noch einmal zusammen Liebe zu machen, schlägt fehl, endet in Schmerzen und Tränen. Vielleicht auch deshalb, weil es kein weiteres Mal geben wird. Die Trennung der beiden nach vielen gemeinsamen Jahren ist beschlossene Sache, der Umzugswagen längst bestellt. Zuvor gibt es aber noch das eine oder andere zu erledigen. Die Möbel müssen weg. Und was machen wir mit den alten Fotos?

Sie ist keine Frau der großen Worte, zumindest nicht bei ihrem Spielfilmdebüt. In den ersten Minuten von The Bed verzichtet die argentinische Regisseurin und Drehbuchautorin Mónica Lairana fast völlig auf jegliche Sprache. Und auch später werden Dialoge rar gesät sein. Inhaltslos ist ihr Drama dennoch nicht. Wenn in der schmerzhaft intensiven Anfangssequenz der Liebesakt komplett danebengeht, weil die beiden – trotz ihres Willens – einfach nicht zusammenfinden, dann muss auch nicht wirklich mehr gesagt werden.

Eine Vergangenheit auf Schritt und Tritt
Insgesamt handelt die internationale Coproduktion, die auf der Berlinale 2018 ihre Weltpremiere feierte, von dem, was nach einer langen Beziehung da ist. Da ist viel Vertrautheit, in der Art und Weise, in der Mabel und Jorge miteinander umgehen. Wenn sie so dastehen, alte Kleidung ausräumen, durch Familienfotos gehen. Die gemeinsame Vergangenheit, sie verfolgt die beiden auf Schritt und Tritt. In die Küche. Ins Bad. Und eben auch ins Bett.

Gleichzeitig sind sie sich fremd geworden, versuchen sich in anderen Szenen krampfhaft aneinanderzuklammern. Die Angst schreit gerade aus Mabel heraus, die nun lernen muss, wieder allein zu sein. Sie will raus aus diesem Haus, aus ihrem alten Leben, und ringt doch mit sich, wie sie mit der Situation umzugehen hat. Das bleibt sehr nahe an den Figuren, zeigt sie in Großaufnahme, auch in unvorteilhaften Positionen. Nur selten lenkt Musik von der Stille ab, die auf dem einstigen Heim liegt. Verlassen dürfen wir es ohnehin nicht, die kompletten anderthalb Stunden spielen sich dort ab.

Zwischen alten Erinnerungen und Leere
Klaustrophobisch ist The Bed dennoch nicht. Dafür ist das Haus schon zu leergeräumt, so als würde schon seit Langem niemand mehr hier leben. Es ist eher ein trauriger Film, der trotz kleinerer Hoffnungsschimmer, trotz gelegentlicher Zärtlichkeit ein Gefühl der Leere hinterlässt. Schön ist das natürlich nicht, soll es auch gar nicht sein. Auf ein größeres Publikum zielt Lairana nicht ab, wenn sie die hässlichen Seiten einer gescheiterten Partnerschaft aufzeigt. Außerdem fordert die Debütantin viel Geduld ein. Das Tempo ist gering, es passiert insgesamt nur wenig, kein großes Drama, kein Streit. Zudem verzichtet sie darauf, eine Vorgeschichte oder Kontexte mitzuliefern. Dass die beiden gerade im Begriff sind, sich zu trennen, das wird erst nach einiger Zeit klar.

Dass bislang kein deutscher Verleih geschweige denn Kinostart gefunden wurde, verwundert nicht wirklich. Selbst so mancher Arthouse-Anhänger könnte von dem sperrigen Werk gelangweilt sein. Gleichzeitig ist es schade. Wo Filme sonst das Schöne feiern, die Jugend und den Beginn einer großen Liebe, da richtet Lairana den Blick auf das, was davon übrigbleibt. Das will man vielleicht alles gar nicht so genau wissen oder mitansehen. Aber es ist eben doch so lebensnah, dass The Bed nicht nur eine Daseinsberechtigung hat, sondern auf eine unangenehme Weise sehenswert ist.

The Bed
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The Bed
Ein älteres Paar ist im Begriff sich zu trennen und verbringt die letzten Stunden im gemeinsamen Haus. Das ist nicht schön, auch nicht sonderlich dramatisch. Aber eben doch lebensnah: „The Bed“ führt uns mit schmerzhaft-hässlichen Szenen vor Augen, was am Ende von einer Beziehung übrigbleibt, für die es trotz großer Vertrautheit keine Zukunft mehr gibt.
7von 10

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