„Old Love“, Südkorea, 2017
Regie: Ki-yong Park; Drehbuch: Ki-yong Park; Musik: Hiroyuki Nagashima
Darsteller: Jung-ah Yoo, Tae-hoon Kim

Berlinale 2018 Poster

„Old Love“ läuft im Rahmen der 68. Berlinale (15. bis 25. Februar 2018)

Es war ein reiner Zufall, der die beiden wieder zusammengeführt hat. Lange haben sich Yoon-hee (Jung-ah Yoo) und Jung-soo (Tae-hoon Kim) schon nicht mehr gesehen. Jahre. Sind es echt schon Jahrzehnte? Inzwischen sind sie Ende 40. Yoon-hee lebt in Kanada. Oder tat es zumindest bis vor Kurzem. Doch die Krankheit ihrer Mutter zwingt sie, wieder nach Südkorea zu fliegen. Da begegnet sie Jung-soo, einer Jugendliebe aus gemeinsamen Theatertagen. Auch der steckt am Flughafen fest. Also machen sie das Beste daraus, verabreden sich auf einen Drink, erinnern sich an gemeinsame Zeiten. Und auch an die Zeiten danach, als sie getrennte Wege gingen und ihre Träume verfolgten.

Er ist nicht unbedingt der eifrigste Regisseur Südkoreas. Seit zwanzig Jahren dreht Ki-yong Park nunmehr schon, Old Love ist erst sein achtes Werk. Und zumindest im Westen dürfte der Name auch nur wenigen geläufig sein. Schade ist das, denn sein neuestes Werk dürfte auch für die Liebhaber von Kritikerdarling Sang-soo Hong einen Blick wert sein. Wie bei dessen Filmen – unter anderem On the Beach at Night Alone oder The Day After – widmet sich Park Paaren oder verhinderten Paaren, gerne aus dem Künstlerbereich, und beobachtet sie bei intimen Gesprächen. Sogar der obligatorische Soju wird hier serviert!

Die persönliche Erinnerung an die Vergänglichkeit
Während Situation und Setting sich sehr ähneln, geht Old Love beim zweiten Blick jedoch in eine andere Richtung. Wo Hong noch viel über universelle Themen sprach, gerade auch in der Beziehung zwischen Mann und Frau, da ist der Schwerpunkt hier nach innen gerichtet. Und zurück. Auf die alte Liebe, die da mal war. Auf die Träume, die Yoon-hee und Jung-soo einmal hatten. Viel ist nicht von diesen übriggeblieben. Das Theater haben beide schon lange aufgegeben. Beziehungen sind in die Brüche gegangen. Tod und Krankheit haben angeklopft, nehmen ihnen nahestehende Menschen, erinnern sie an ihre eigene Vergänglichkeit.

Melancholie umgibt die beiden, von Anfang an. Daran haben die Bilder natürlich ihren Anteil: Der Beitrag von der Berlinale 2018 spielt an relativ menschenleeren Orten, spielt oft nachts oder in dunklen Räumen, spielt vor allem auch im Winter. Da stellt sich die Schwermut quasi automatisch ein, vom bloßen Zuschauen. Aber es sind vor allem die Themen, welche die Stimmung vorgeben. Das Gefühl von Verlust ist allgegenwärtig, von Versagen sogar. Davon, nirgends mehr richtig wirklich zu Hause zu sein oder hinzugehören. Sie fühle sich nur als Gast in Korea, sagt Yoon-hee, nach den vielen Jahren in Übersee. Es fehlen die Anknüpfungspunkte. Das längste Gespräch, das sie mit einer anderen Person als Jung-soo führt, es ist mit einer Einwanderin aus China.

Ein Leiser Abschied von der Vergangenheit
Park scheut dabei das große Drama. Selten wird es laut oder aufgeregt, es passiert auch relativ wenig in den anderthalb Stunden. Oft sind es die Blicke, welche die Worte ersetzen, kommuniziert wird durch Stille. Der traurigste Moment ist einer, der gar nicht traurig erscheint: Jung-soo kommt mit einer jungen Theatergruppe ins Gespräch, sucht ihre Nähe. Sie lachen, sie trinken, sie tauschen Anekdoten und Weisheiten. Die Träumer auf der einen Seite, die Desillusion auf der anderen. Zwei Generationen, die am selben Tisch sitzen und doch nicht weiter entfernt sein könnten. Wo in Hollywood-Romanzen gerne vom späten Glück fantasiert wird, von Beziehungen, die Jahrzehnte später doch noch ihren vorbestimmten Weg finden, da bleibt Old Love tatsächlich eine alte Liebe. Der Weg in ein anderes Leben, aus dem es kein Zurück mehr gibt.

Old Love
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Old Love
Was ein Zufall, du auch hier? „Old Love“ erzählt davon, wie sich ein früheres Paar Jahrzehnte später noch einmal über den Weg läuft. Wo andere Romanzen im Anschluss im siebten Himmel schweben, da erzählt das südkoreanische Drama lieber mit minimalen Mitteln von verlorenen Träumen, verpassten Chancen und dem Gefühl der Isolation.
8von 10

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