„Cirkeline, Coco og det vilde næsehorn“, Dänemark, 2018
Regie: Jannik Hastrup; Drehbuch: Jannik Hastrup, Kit Goetz, Trine Breum, Nanna Westh

Cirkeline, Coco und das wilde Nashorn

„Cirkeline, Coco und das wilde Nashorn“ läuft im Rahmen der 68. Berlinale (15. bis 25. Februar 2018)

Wer regelmäßig die Kinder- und Jugendsektion Generation auf der Berlinale besucht, der dürfte früher oder später an ihm vorbeikommen: Jannik Hastrup. Mitte 70 ist der dänische Regisseur inzwischen und wird doch nicht müde, unentwegt neue Animationsfilme für eine junge Zielgruppe zu inszenieren. Vor allem Cirkeline erfreut sich dabei einer fortlaufenden Beliebtheit. 1957 hatte die von Janniks Exfrau Hanne erfundene kleine Elfe mit den stacheligen schwarzen Haaren ihren ersten Auftritt in einem Comic. Es folgten Kurzfilme, Bücher und eben auch die von Jannik inszenierten Zeichentricklangfilme.

Der vierte davon feierte kürzlich Weltpremiere bei der Berlinale 2018 und handelt von zwei neuen Freunde von Cirkeline: Coco und das Nashorn. Kennengelernt haben sie sich auf einem etwas ungewöhnlichen Weg. Eine Kakaoschachtel. Auf dieser waren die beiden bislang abgedruckt, bis sie sich entschlossen, doch ein wenig mehr von der Welt zu sehen. Afrika wäre schön. Von dort kommt schließlich das kleine Nashorn. Dort dürfte auch seine Mutter sein, die er so schmerzlich vermisst, der er dummerweise aber noch nie begegnet ist. Aber Cirkeline und ihre Freunde sind ja immer für ein kleines Abenteuer zu haben. Und so macht sich die Truppe auf den weiten Weg, den fernen Kontinenten und die unbekannte Mutter zu finden.

Alles beim alten
Ein bisschen fühlt man sich als Zuschauer von Cirkeline, Coco und das wilde Nashorn ja schon so, als wäre der Flug ins vermeintliche Afrika gleichzeitig eine Reise in die Vergangenheit gewesen. Nicht nur weil die streichholzgroße Cirkeline noch genauso aussieht, wie sie es vor Jahrzehnten schon getan hat. Auch die simple 2D-Optik trägt dazu bei, dass man dem Film sein (junges) Alter kaum ansieht. Die Zeichnungen sind simpel. Die sparsamen Animationen sehen mehr nach Cutout-Stop-Motion aus, eine Technik, in der Papierfiguren durch die Gegend geschoben werden. Auch die Designs entsprechen so gar nicht den heutigen Sehgewohnheiten.

An einer Stelle macht sich der Film selbst darüber lustig, indem er die Augen der Mäuse anspricht, die anatomisch wenig korrekt auf einer Seite des Gesichts zu finden sind. Ansonsten aber ist Cirkeline, Coco und das wilde Nashorn frei von Ironie oder generell jeglichen Humors, der für Erwachsene konsumierbar wäre. Das Zeichentrickwerk sieht aus, als wäre es von Kindern gemacht, und ist auch wirklich nur für diese gedacht. Die Geschichte ist simpel, die Figuren werden schnell als entweder gut oder böse etabliert, sonderlich viel Tiefe haben sie ohnehin nicht.

Schlicht, altmodisch, unaufgeregt
Dafür aber Charme. Die Sehnsucht nach den eigenen Wurzeln bzw. einer Familie ist schon recht rührend, selbst wenn das hyperaktive Nashorn nicht ganz nervenfreundlich zur Sache geht. Schön ist zudem, dass bei Cirkeline, Coco und das wilde Nashorn auf den kreischenden Slapstick verzichtet wird, der heutzutage in Animationsfilmen so inflationär gebraucht wird. Stattdessen stehen hier noch Abenteuergefühl und die Fähigkeit zum Staunen im Mittelpunkt, dazu noch klassische Tugenden wie Freundschaft und Zusammenhalt. Das ist alles nicht wirklich neu oder aufregend, sondern bewusst altmodisch und bescheiden. Aber auch dafür muss ja hin und wieder ein bisschen Platz sein.

Cirkeline, Coco und das wilde Nashorn
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Cirkeline, Coco und das wilde Nashorn
Mehr als 60 Jahre ist die kleine Elfe Cirkeline alt, hat aber noch immer nichts von ihrer Neugierde und ihrer Abenteuerlust verloren. Vor allem kleine Kinder dürfen bei ihrem vierten Kinofilm ihren Spaß haben, wenn die Truppe das ferne Afrika erkundet. Für Erwachsene ist trotz des altmodischen Charmes jedoch eher wenig zu holen, dafür sind Inhalt und Verpackung zu simpel.
5von 10

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