„The Little Hours“, USA, 2017
Regie: Jeff Baena; Drehbuch: Jeff Baena; Vorlage: Giovanni Boccaccio; Musik: Dan Romer
Darsteller: Alison Brie, Aubrey Plaza, Dave Franco, Kate Micucci, John C. Reilly, Molly Shannon

The Little Hours

„The Little Hours“ läuft im Rahmen der Fantasy Filmfest White Nights 2018 (20./21 und 27./28. Januar 2018)

Das Leben in dem von Schwester Marea (Molly Shannon) geleiteten Nonnenkloster mag bescheiden sein, einfach ist es nicht – vor allem nicht für die anderen, die damit in Berührung kommen. Als die Ordensschwestern Ginevra (Kate Micucci), Alessandra (Alison Brie) und Fernanda (Aubrey Plaza) den Gehilfen des Klosters beschimpfen, bespucken und auch körperlich angreifen, sucht der von einem Tag auf den nächsten das Weite. Aber was tun? Wer soll sich denn jetzt um den Garten und die handwerklichen Arbeiten kümmern? Glücklicherweise läuft Pater Tommasso (John C. Reilly) unterwegs Massetto (Dave Franco) über dem Weg, der sich von den Häschern seines früheren Herren verstecken muss, nachdem er mit dessen Frau im Bett war. Also präsentiert der Geistliche den hübschen Jüngling als neuen taubstummen Gehilfen und bringt damit den Nonnenalltag so richtig durcheinander.

Das Subgenre des Nunsploitation kann zwar vielleicht nicht auf eine altehrwürdige, aber immerhin eine ältere Tradition zurückblicken. Vor allem in den 70ern erschienen eine Reihe von Filmen, in denen die Nonnen sich gegen ihr auch sexuell unbefriedigendes Leben auflehnten. Inzwischen erscheinen praktisch keine Filme mehr aus dem Bereich, auch weil sich kaum einer mehr für das Christentum als filmischen Stoff interessiert – von diversen amerikanischen Glaubensfilmen mal abgesehen. Das prominent besetzte Drama Die Nonne hatte sicher einige Elemente der damaligen Filme, war insgesamt aber doch zu ernst und zu wenig auf Schockmomente aus.

Adrette Schwestern mit losem Mundwerk
Bei The Little Hours hingegen darf man durchaus in manchen Szenen schockiert sein. Das hängt jedoch weniger mit sadistischen Priestern und Gewaltszenen zusammen als vielmehr mit der unflätigen Sprache der Ordensschwestern. Das Haupttrio mag so unschuldig aussehen in der klassisch schwarz-weißen Tracht. Das hindert sie jedoch nicht daran, wie aus dem Nichts mit wüsten Beschimpfungen auf ihre Mitmenschen loszugehen, sie in Grund und Boden zu schreien oder eben auch mal handgreiflich zu werfen. Und klar, dass sie zwischendurch auch gern mal Sex haben möchten, vor allem wenn frau von wehrlosen, gutaussehenden Burschen umgeben ist.

Viel mehr als das holt Regisseur und Drehbuchautor Jeff Baena (Life after Beth) nicht aus der klassischen Vorlage Decameron heraus, der berüchtigten Novellensammlung von Giovanni Boccaccio aus dem 14. Jahrhundert. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit Religion oder dem Leben als Ordensschwester ist The Little Hours nicht. Es reicht nicht einmal für eine echte Satire. Dafür fehlt der Komödie echter Biss. Fluchende Nonnen, betrunkene Pfarrer, lüsterne Ehefrauen, das ist alles nett, auf 90 Minuten ausgebreitet aber nicht unbedingt abwechslungsreich. Nach dem starken Einstieg flacht der Film zunehmend weiter ab.

Derb, aber harmlos
Spaß macht der Beitrag der Fantasy Filmfest White Nights 2018 aber auch so. Neben der Absurdität mancher Situation profitiert The Little Hours vor allem von der Spielfreude der Darsteller. Aubrey Plaza (Dirty Grandpa), die mit Baena liiert ist, gehörte schon bei dessen letzten Film zu den Glanzpunkten. Als dominante, oft auch aggressive Schwester muss sie oft nicht einmal viel tun, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Da reicht schon ein Blick. Allgemein hat der amerikanische Filmemacher ein komödiantisch begnadetes Ensemble um sich herum geschart, mit viel Gespür für Timing und den wirkungsvollen Einsatz von Mimik. Und allein dafür darf man beten, dass diese bewusst alberne Posse nach dem Festivalrundgang auch einen regulären Weg nach Deutschland findet – verdient hätte sie es.

The Little Hours
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The Little Hours
Anspruch? Nein, damit kann „The Little Hours“ nicht prahlen. Aber auch in punkto Biss hat die derbe, letztendlich jedoch harmlose Nonnenkomödie nicht so wahnsinnig viel zu bieten. Spaß macht es aber, wenn hier adrette Ordensschwester richtig zur Sache gehen – absurden Situationen und einem spielfreudigen Ensemble sei’s gedankt.
7von 10

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