Guilty Crown
© GUILTY CROWN committee

(OT: „Guilty Crown“, Regie: Tetsurō Araki, Japan, 2011)

Guilty CrownAls Japan am Weihnachtsabend 2029 von einem schrecklichen Virus heimgesucht wird, droht das Land in Chaos und Anarchie abzugleiten. Nur durch das beherzte wie harte Eingreifen der internationalen Organisation GHQ kann das Schlimmste verhindert werden. Zehn Jahre später befindet sich Japan immer noch in einem Kriegszustand. Da trifft der Schüler Shu Ouma eines Tages auf die reizende Inori Yuzuriha. Die ist nicht nur Lead Sängerin einer gefeierten Popgruppe, sondern auch Mitglied der Untergrundgruppe Undertaker, welche für die Befreiung Japan kämpft. Und auch Shu tritt bald dieser Gruppe ein, als er unwillentlich die Fähigkeit erhält, aus den Herzen anderer Menschen Waffen zu formen.

Als 2005 die alternative Anime-Programmschiene noitaminA ins Leben gerufen wurde, dann mit dem Ziel, mittels andersartiger Serien neue Zielgruppen zu erreichen. Andersartig ist Guilty Crown sicher. Gleichzeitig aber auch wieder nicht. Die Originalentwicklung gehört zu den beliebtesten, die in den mehr als zehn Jahren bislang produziert wurden. Gleichzeitig aber auch zu den meist gehassten. Das passt nicht zusammen? Stimmt. Aber das trifft ja auch auf den Anime zu, der irgendwie alles und nichts ist. Von dem man im Anschluss gar nicht genau sagen kann, was er war oder hätte sein sollen.

Moment, kenn ich dich nicht?
Los geht es dabei mal wieder mit Klischees. High-School-Schüler, die Rettung der Welt, eine hübsche, geheimnisvolle, junge Frau, die plötzlich auftaucht. Als die Serie daraufhin das Setting auch noch an die Schule verlegt, muss man schon sehr genau überlegen, ob man Guilty Crown gerade wirklich zum ersten Mal schaut oder ob es nicht doch eine Wiederholung ist, die man vergessen hat. Vielleicht auch verdrängt. Auch später wird der Anime nur sehr wenig Scheu zeigen, wenn es darum geht, im Fundus der Konkurrenz zu plündern und schamlos eigene Knock-offs zusammenzubasteln.

Während die von Tetsurō Araki (Highschool of the Dead, Attack on Titan) inszenierte Serie also jede Menge Anlass gibt, vor Langeweile dahinzuschlummern, so findet sich auch das genaue Gegenteil davon. Schon die Vorstellung, dass ein Pop Idol eigentlich Mitglied einer militärischen Widerstandsgruppe ist, braucht eine Weile, bis sie sich verfestigt. Die Idee, aus Herzen von Menschen Waffen zu formen, ist noch ein klein wenig bizarrer, könnte man sich gut als Videospiel vorstellen.

Munteres Rätselraten
Ein bisschen Reiz übt Guilty Crown dann auch genau dadurch aus: Je weiter die Serie voranschreitet, umso unvorhersehbarer wird sie. Im laufe der 22 Folgen werden alle möglichen Elemente zusammengeworfen, man probiert so ziemlich jedes Genre mal aus, nur um dann doch wieder was anderes auszusuchen. Den Anime anzuschauen, das ist so, als wäre man gerade auf einer Shopping Tour im Klamottenladen seiner Wahl. Aber wie das so ist, wenn man umsonst alles mal anziehen darf: Nicht alles sitzt oder sieht gut aus. Manches ist sogar hässlich. Sehr hässlich. Vor allem die unglaublich schmalzigen Tendenzen der Serie verderben einem die punktuell gute Laune, an vielen Stellen wird sie sogar geradezu unerträglich.

Was währenddessen hilft: die Bilder. Verantwortlich für den Anime zeichnet sich das Animationsstudio Production I.G (Ghost in the Shell: Stand Alone Complex, Eden Of The East), welches zumindest visuell fast immer Sehenswertes anfertigt. Das ist bei Guilty Crown nicht anders. Die Figuren mögen nichts Besonderes sein, die Hintergründe der futuristischen Stadt sind es dafür. Hinzu kommen diverse auffallende mechanische Vorrichtungen und eine Reihe von Effektsammlungen. Das allein reicht nicht, um aus Guilty Crown eine wirklich gute Serie zu machen. Angesichts der sehr zwiespältigen Reaktionen des Publikums kann ein Versuch aber auch nicht schaden – allein schon um sagen zu können, man sei dabei gewesen.



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„Guilty Crown“ ist nicht ohne Grund eine Serie, die sehr zwiespältige Reaktionen hervorruft: Da werden die unterschiedlichsten Elemente zusammengemischt, jedes Genre einmal ausprobiert, egal ob das nun in irgendeiner Form sinnvoll ist oder nicht. Das kann mal unterhaltsam sein, dann wieder nervend, zwischen Ärger, Spaß und Langeweile ist alles drin. Lediglich die gute Optik bleibt hierbei einigermaßen konstant.
4
von 10