(OT: „Gotham – Season 3“, USA, 2016)

Gotham Staffel 3

„Gotham – Staffel 3“ ist seit 23. November 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Seitdem die Insassen der psychiatrischen Experimentenkammer Indian Hill geflüchtet sind, darunter die gefährliche Ganganführerin Fish Mooney (Jada Pinkett Smith), ist Gotham ein noch heißeres Pflaster geworden. Der Pinguin (Robin Lord Taylor) wittert darin seine Chance, gemeinsam mit Edward Nygma (Cory Michael Smith) die Macht über die Stadt zu erlangen. Und wer sollte ihn aufhalten, jetzt wo Jim Gordon (Ben McKenzie) den Polizeidienst quittiert hat? Harvey Bullock (Donal Logue) und Captain Nathaniel Barnes (Michael Chiklis) versuchen zwar, mit dem begrenzten Polizeiapparat die Ordnung wiederherzustellen, stoßen aber regelmäßig an ihre Grenzen. Als dann auch der Hypnotiseur Jervis Tetch (Benedict Samuel) auftaucht und Geschmack am Leben eines Kriminellen findet, droht die Stadt endgültig in Flammen aufzugehen. Währenddessen versuchen der Milliardärssohn Bruce Wayne (David Mazouz) und sein Butler Alfred (Sean Pertwee) herauszubekommen, weshalb Bruce’ Eltern damals ermordet wurden. Die Spur führt dabei zum Rat der Eulen, welche die Stadt im Geheimen lenkt.

So schick Gotham ja oft anzusehen ist, wirklich in dem Titelort leben wollen, würde wohl kaum ein Zuschauer. Nicht nur, dass die Überlebenschancen für Menschen ohne größere Superkräfte eher gering sind, es scheint zudem Stadtgesetz zu sein, dass jeder irgendwann mal den Verstand verliert. De Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man sich die dritte Staffel der Comicadaption anschaut. Da können die Filme aus dem DC Comics Stall noch so sehr mit Abgründen kokettieren, sei es in Suicide Squad oder den regulären Teil. Es ist doch kein Vergleich zu dem, was bei der TV-Variante so vor sich geht. Denn hier entkommt keiner dem um sich greifen Virus.

Der beständige Abstieg in den Wahnsinn
Schon Staffel 2 fing an, aus den einst so alltäglichen Gestalten verzerrte Abziehbilder zu machen. Dieses Mal geht es dann noch einen ganzen Schritt weiter. Ob es Jim oder Bruce sind, die beim letzten Mal etwas ihr sauberes Image ablegten, oder einige der zuvor eingeführten Nebenfiguren, man kann hier nie wirklich vorhersagen, wen es als nächstes erwischen wird. Wer sich komplett in eine Sache verrennt und keine Hemmungen mehr kennt. Das ist auch eine der Stärken von Gotham: Obwohl sich die Serie gern viel Zeit lässt, um ihre Charaktere einzuführen und langsam in dunkle Gassen zu schicken, vieles kommt dann doch am Ende ziemlich überraschend. Die Filme um Batman lebten schon immer von dessen Widersacher. Bei dieser Interpretation kommen sie jedoch nicht aus dem Nichts, sondern dürfen sich erst noch in die Monster entwickeln, die wir so lieben.

Wenn ein Filmvergleich ansteht, dann wäre es der zu Tim Burtons Batmans Rückkehr. Die beiden Interpretationen ähneln sich nicht nur durch die psychologische Komponente – Pinguin und Catwoman waren damals gewalttätige, aber eben auch sehr tragische Gestalten. Sie kombinieren auch auf eine verwandte Weise Horror und Komik. Je abgedrehter die Figuren sind, umso besser, Gotham ist ein surrealer, alptraumhafter Zirkus. Und zumindest eine Szene mit Selina Kyle (Camren Bicondova) ist eine offensichtliche Verneigung vor dem umstrittenen Hollywoodvorgänger. Hollywoodreif sind aber auch die Darsteller, die dieses Mal so gar kein Halten mehr kennen, sich selbst und das Publikum mit feinstem Overacting erfreuen. Vor allem das Gespann Pinguin und Riddler beschert uns ungemein unterhaltsame Momente, das weibliche Pendant – Tabitha (Jessica Lucas) und Barbara (Erin Richards) – steht dem kaum nach. Wie in Staffel 2 gibt es nämlich auch dieses Mal mehrere Parallelhandlungen, die sich durch die 22 Folgen ziehen, sich manchmal treffen, aber auch ohne ganz gut klarkommen.

Bitte stirb nicht! Okay …
Ein Schönheitsfleck gibt es dann aber doch: Die Serie verliebt sich zu sehr in ihre Figuren. Das ist einerseits nachvollziehbar. Andererseits schränkt es die Geschichte doch ziemlich ein. Immer wieder sind Charaktere, denen gerade etwas Schreckliches passiert ist, im nächsten Moment schon wieder da. Das führt dazu, dass man das vorzeitige Ableben irgendwann nicht mehr ernst nimmt. Mit Folgen für die Spannung: Wenn ein Tod ohne große Konsequenzen bleibt, warum sollte man noch mitfiebern, wer am Leben bleibt? Da sich Konflikte zudem häufig wiederholen, ist Gotham gleichzeitig rasend wild und träge. Es passiert eine Menge, ohne dass sich wirklich etwas verändert. Trotzdem macht es Spaß, dem bunter-makabren Treiben zuzuschauen, gerade auch weil einige sich ankündigende Bösewichter nun endlich ihre Berufung finden. Da kommt also noch so einiges auf uns zu – zum Glück!

Gotham – Staffel 3
4 (80%) 21 Artikel bewerten

Gotham – Staffel 3
Nach dem eher gewöhnlichen Beginn wird „Gotham“ von Staffel zu Staffel verrückter und ausschweifender. Das ist insgesamt sehr unterhaltsam: Die Figuren sind durch die Bank übertrieben und abgründig, die Schauspieler kennen kein Halten mehr. Beim dritten Ausflug tritt die Geschichte zum Teil aber auf der Stelle, auch weil sie sich nicht wirklich von ihren Charakteren trennen mag.
7von 10

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