(„Gotham – Season 1“, 2014-15)

Gotham Staffel 1

„Gotham – Die komplette erste Staffel“ ist seit 19. November auf DVD und Blu-ray erhältlich

Seiner Heimatstadt wieder zu Recht und Ordnung verhelfen, das ist das erklärte Ziel von James Gordon (Ben McKenzie), als er seine neue Stelle im Gotham City Police Department antritt. Doch schon bei seinem ersten Fall werden ihm die Grenzen aufgezeigt: Das milliardenschwere Ehepaar Thomas und Martha Wayne wurde ermordet, nur Sohn Bruce (David Mazouz) überlebte den nächtlichen Raubüberfall. Gordons Partner Harvey Bullock (Donal Logue) tut alles dafür, dass der Fall schnell abgeschlossen wird – koste es, was es wolle. Denn in Gotham hat nicht die Polizei das Sagen, sondern die Unterwelt, allen voran Mafiaboss Carmine Falcone (John Doman) und seine ambitionierte Untergebene Fish Mooney (Jada Pinkett Smith). Und die haben kein Interesse daran, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Dass angesichts der überragenden Einspielergebnisse an den Kinokassen die aktuelle Superheldenschwemme auch die heimischen Fernseher irgendwann erreichen würde, kommt nicht gerade überraschend. Und doch ist das Konzept hinter Gotham reizvoll, die Serie nicht einfach nur ein weiterer Versuch, Geld aus dem zahlungswilligen Publikum zu pressen. Die Ursprünge von Batman wurden ja schon mehrfach beleuchtet, am prominentesten zuletzt in Batman Begins vor zehn Jahren. Aber woher kommen eigentlich seine Gegenspieler? Für den Aspekt hatte sich Christopher Nolan bei seiner immens erfolgreichen Trilogie eher weniger interessiert. Was durchaus schade ist, denn die waren eigentlich immer die spannenderen Figuren gewesen.

Zunächst einmal ist Gotham aber keine Superschurkenshow, und eben auch keine der Superhelden. Bruce Wayne ist noch ein Junge, die meisten der späteren grotesken Verbrecher sind hier noch vergleichsweise normal und recht kleine Fische. Einzig Oswald Cobblepot/ Pinguin (Robin Lord Taylor) darf von Anfang an sein diabolisches Genie zeigen und unbemerkt von seinen mächtigen Mafiavorgesetzten kräftig integrieren. Auch Selina Kyle/Catwoman (Camren Bicondova) und Edward Nygma (Cory Michael Smith) haben größere Rollen, gehören aber zu den Guten der Geschichte. Oder das, was im Umfeld des durch und durch verkommenen Gotham als „gut“ durchgeht.

Die eigentliche Hauptfigur ist aber die des Jim Gordon, der sich als rechtschaffender Polizist mit Kollegen, Politik und der Mafia gleichermaßen anlegt. Das ist nicht ganz so spannend, da Gotham über weite Strecken so zu einer recht gewöhnlichen Anti-Korruptions-Krimiserie wird. Und als Charakter ist ein Held ohne Fehl und Tadel auch weniger interessant, die Hälfte der Zeit sieht man ihn nur mit verkniffenem Gesicht durch die Gegend laufen. Immerhin lässt seine Unbeirrbarkeit immer wieder komische Elemente zu, wenn sich Gordon mal wieder völlig kopflos in seine Gerechtigkeitskreuzzüge wirft und damit neben Partner Harvey auch seine Vorgesetzte Sarah Essen (Zabryna Guevara) zur Verzweiflung treibt.

Humor ist ansonsten nicht die ganz große Stärke von Gotham. Zwar nahm man sich hier nicht so ernst wie noch bei Nolan, von den ständig zu Späßen aufgelegten Kollegen der Marvel-Front ist man jedoch weit entfernt. Dafür ließ man sich wieder stärker auf die Comicästhetik ein, durch das so offensichtlich künstliche Licht erhält die Stadt immer ein leicht stilisiertes Aussehen. Auch ließ man es sich nicht nehmen, ein paar Anspielungen auf die doch etwas verspielteren Batman-Interpretationen von Tim Burton einzubauen.

Allgemein sitzen hier vor allem eingefleischtere Fans in der ersten Reihe, die mit den vielen Figuren etwas anfangen können, die hier vorbeischauen: Joker, Two-Face, Scarecrow, Poison Ivy, Electrocutioner – sie alle haben Kurzauftritte hier, oft aber noch bevor sie zu den aus den Comics berühmten Kreaturen wurden. Lässt man diese ganzen Easter Eggs weg, bleibt immerhin noch eine gute Serie mit ausgefeilten, düsteren Kulissen und regelmäßigen Actioneinlagen. Vor allem die Besetzung macht einen zum Teil fabelhaften Job. Zwar muss man hier im Vergleich zu den Kinofilmen auf die ganz großen Namen verzichten, Jada Pinkett Smith als eigens für die Serie entworfene Nobelgangsterin Fish Mooney, Robin Lord Taylor als hinkender, intriganter Pinguin, Cory Michael Smith als Supernerd Nygma, Sean Pertwee als in mehrfacher Hinsicht schlagfertiger Butler Alfred Pennyworth – das sorgt für sehr viel Kurzweil. Bleibt zu hoffen, dass die bereits angelaufene zweite Staffel es recht bald ebenfalls hierher schafft und wir dann vielleicht noch mehr sehen dürfen von den zum Leben erwachenden Gegenspielern.

Gotham – Staffel 1
4 (80%) 4 Artikel bewerten

Gotham – Staffel 1
Eine Serie, in der nicht nur Batmans Ursprünge, sondern auch die seiner Gegenspieler gezeigt wird? Das hat viel Potenzial. Genutzt wird das in der ersten Staffel jedoch noch nicht so ganz, oft ist „Gotham“ eine recht gewöhnliche Anti-Korruptions-Krimiserie. Die sieht dafür gut aus, ist teilweise fabelhaft gespielt und dank vieler Kurzauftritte und Anspielungen ein Muss für die Fans der Comicreihe.
7von 10

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