(„Gotham – Season 2“, USA, 2015)

Gotham Staffel 2Auch wenn die ehemaligen Gangsterbosse unschädlich gemacht wurden, so haben die Detectives Jim Gordon (Ben McKenzie) und Harvey Bullock (Donal Logue) doch alle Hände voll zu tun. Da wäre zum einen natürlich der unberechenbare Pinguin (Robin Lord Taylor), der sich zwischenzeitlich an die Spitze der Unterwelt Gothams gesetzt hat. Während er verzweifelt gegen das System auf beiden Seiten des Gesetzes ankämpft, taucht auf einmal eine neue Bedrohung auf: Der Milliardär Theo Gallavan (James Frain) und dessen Schwester Tabitha (Jessica Lucas) wollen auf ihre Weise die Stadt erobern. Da fehlt es ihm gerade noch, dass der Milliardärssohn Bruce Wayne (David Mazouz) auf eigene Faust die Mörder seiner Eltern sucht – trotz der wiederholten Warnungen von Butler Alfred (Sean Pertwee).

Die Häme war mal wieder groß, als sich das Einspielergebnis von Justice League abzeichnete: Nicht nur, dass die ohnehin enttäuschenden Zahlen von Batman V Superman: Dawn of Justice unterboten wurden – trotz dreier hinzugefügter Gegenspieler –, man lag sogar unter Wonder Woman und Thor: Tag der Entscheidung. Eine ziemliche Schmach für einen Film, der ein Gipfeltreffen der Superhelden sein wollte. Das Problem war dabei dasselbe, das von Anfang an die DC Comics Filmreihe plagt: Man will zu viel auf einmal, versucht in Windeseile die Marvel-Konkurrenz einzuholen, hat aber kein wirkliches Konzept, wie das gehen soll.

Positive Überraschung aus dem Haus DC Comics
Dabei hat ein hauseigener Kollege längst gezeigt, wie viel besser das Ergebnis sein kann, wenn man sich nur ein wenig Zeit lässt. „Noch eine Origin Story zu Batman?“, wird so manch einer bei der Beschreibung von Gotham gedacht haben. Schlimmer noch, der zurückgezogene Milliardär sollte hier ebenso wie die später Catwoman Selina Kyle (Camren Bicondova) noch ein Kind sein. Das hatte ein bisschen was von den Muppet Babies. Nur dass bei der Serie hier eben Knarren in der Hand gehalten werden, keine Babyrasseln.

Der Serieneinstieg war jedoch überraschend gut. Mit der Comic-Extravaganza der Filme hatte dieser zwar erst einmal nicht viel am Hut, war über weite Strecken eine reine Krimiserie. Dafür punktete diese mit einigen interessanten Figuren. Vor allem das Gangstertrio Carmine Falcone, Fish Mooney und Pinguin half über so manche inhaltliche Durststrecke hinweg. Ein bisschen mulmig durfte einem bei dem Gedanken dann auch sein, wie es in Staffel 2 weitergehen soll, wenn von den dreien nur noch einer übrigbleibt. So spaßig Taylors Darstellung des kleinen Verbrechers war, der sich mit den Großen anlegte, reicht das, um eine Serie allein zu tragen?

Viele böse alte und neue Bekannte
Vermutlich nicht. Die gute Nachricht ist jedoch, dass er das auch nicht muss. Denn was weggefallen ist, wurde durch andere Figuren würdig aufgefangen – alten wie neuen. Hier zahlt es sich dann auch aus, dass es Gotham etwas langsamer anlaufen ließ und einzelne Charaktere erst einmal nur im Hintergrund werkeln durften. Das gab ihnen die Zeit, sich zu entwickeln und nun selbst unheimliche Züge zu entwickeln. Großartig ist beispielsweise Cory Michael Smith, der zuvor ein verdruckster Forensiker wurde und aufgrund mehrerer Vorkommnisse zu einem verspielten Psychopathen wird. Auch Barbara Kean (Erin Richards), die schon in der ersten Staffel die Kontrolle verliert, darf dem Wahnsinn freien Lauf lassen. Schön ist zudem, dass Jim und Bruce, die in der ersten Staffel noch ziemliche Langweiler waren, jetzt ein wenig mehr Kontur erhalten. Wenn der Serie eins gelingt, dann die Grenzen zwischen gut und böse zu verwischen und zu zeigen, dass selbst Monster nicht aus dem Nichts entstehen.

Allgemein setzt die zweite Staffel überall noch ein bisschen mehr drauf. Es gibt mehr Figuren, eine größere Rahmenhandlung, mehrere Nebenhandlungen – darunter die um den mysteriösen Wissenschaftler Hugo Strange (B.D. Wong) –, deren Bedeutung erst mit der Zeit klar werden. Das zahlt sich gerade beim fesselnden Finale aus, wenn alles zusammenkommt, sich wirklich alles überschlägt. Und das ist erst der Anfang, wie die allerletzte Szene zeigt. Diverse Fragen bleiben ohnehin offen, damit die Zuschauer auch beim nächsten Mal fleißig einschalten. Wenn die Qualität weiterhin auf diesem Niveau bleibt, kommt man diesem Wunsch aber gerne nach. Luft nach oben bleibt zudem. Einige Punkte werden ein bisschen sehr ausgetreten, sei es in den nicht ganz subtilen Dialogen oder auch in der Handlung, die gerne mal auf der Stelle tritt. Dass einige Figuren gleich wieder weggeschmissen werden, andere unnötig wiedergekaut, auch das trübt ein wenig das Vergnügen. Beispielsweise ist die von Morena Baccarin verkörperte Freundin Jims mehr Funktion denn Figur. Insgesamt ist die zweite Staffel von Gotham aber unterhaltsam, bietet eine schön comichaft stilisierte Optik und schafft es im Gegensatz zu den großen Filmbrüdern die Balance zwischen düster und verdreht zu bewahren.

Gotham – Staffel 2
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Gotham – Staffel 2
Die zweite Staffel von „Gotham“ setzt bei den Stärken der ersten an, setzt diesen aber noch einiges drauf. Der etwas dröge Krimiteil wurde zugunsten mehrerer Haupt- und Nebenhandlungen zurückgefahren, die Figuren wurden zahlreicher und sind insgesamt interessanter bzw. vielschichtiger. Der Serie kommt dabei die sich langsam entwickelnde Geschichte zugute, auch wenn dies im Gegenzug manchmal Leerlauf bedeutet.
7von 10

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