(OT: „Le Sens de la fête“, Regie: Eric Toledano/Olivier Nakache, Frankreich, 2017)

Das Leben ist ein Fest

„Das Leben ist ein Fest“ läuft ab 1. Februar 2018 im Kino

Schwierigkeiten? Die ist Max (Jean-Pierre Bacri) eigentlich gewohnt, in seiner langen Karriere als Hochzeitsplaner ist er noch mit jedem Problem fertig geworden. Doch sein aktueller Auftrag bringt auch ihn an den Rand seiner Kräfte. Bräutigam Pierre (Benjamin Lavernhe) ist ein selbstverliebter Snob. Max’ Assistentin Adèle (Eye Haïdara) gerät ständig mit dem Sänger James (Gilles Lellouche) aneinander. Fotograf Guy (Jean-Paul Rouve) benimmt sich ohnehin wie die Axt im Walde. Julien (Vincent Macaigne), der Schwager von Max, macht sich dafür an die künftige Braut (Judith Chemla) heran. Und dann wäre da noch Josiane (Suzanne Clément), mit der Max schon seit einer Weile eine Affäre hat, die nun endlich aber Nägel mit Köpfen machen will.

Es liegt in der Natur von Überraschungserfolgen, dass sie sich schlecht wiederholen lassen. Diese Erfahrung mussten auch Eric Toledano und Olivier Nakache machen. Mit Ziemlich beste Freunde gelang ihnen ein Phänomen, wie man es bis dato nicht gekannt hatte: 445 Millionen Dollar spielte die Tragikomödie um einen gelähmten Mann und dessen Betreuer weltweit ein, allein in Europa waren knapp 44 Millionen Menschen in die Kinos gegangen. Ihr Folgefilm Heute bin ich Samba über einen illegalen Einwanderer konnte trotz prominenter Besetzung – darunter erneut Omar Sy – außerhalb von Frankreich jedoch kaum punkten. Ob das bei Das Leben ist ein Fest anders laufen wird, ist fraglich. Während daheim erneut drei Millionen Zuschauer dabei waren, wenn ein Hochzeitsfest aus dem Ruder läuft, ist der Film für das ausländische Publikum vielleicht doch ein wenig zu französisch.

Schräge Typen, komische Situationen
Zumindest bei einigen Gags merkt man doch recht deutlich, dass sie die Übersetzung nicht ganz unbeschadet überstanden haben – Wortspiele funktionieren in Komödien nun einmal selten in einer Fremdsprache. Glücklicherweise sind diese Beispiele aber nicht allzu zahlreich, die meiste Zeit über verlassen sich Toledano und Nakache lieber auf eine Mischung aus Situationskomik und schräge Figuren. Letztere sind dann auch der Höhepunkt von Das Leben ist ein Fest, das seine Deutschlandpremiere auf der 17. Französischen Filmwoche Berlin feierte. Ob es der Sänger ist, dessen Selbstliebe das eigene Talent deutlich übertrifft, der ständig im Schlafanzug herumschlurfende Julien, der Hobby-Magier-Kellner Seb (William Lebghil) oder auch Patrice (Kévin Azaïs), der eigentlich Polizist ist und seinen Beruf nie ganz unterdrücken kann, da treffen Neurosen in Dutzenden aufeinander.

Das ist natürlich nicht allzu glaubwürdig. Die teils bis zur Karikatur überzeichneten Charaktere sind aber auch notwendig, um angesichts der Masse an Figuren noch den Überblick zu behalten. Von dem Brautpaar bzw. Pierres Mutter Geneviève (Hélène Vincent) einmal abgesehen sind diese übrigens fast ausschließlich auf der Bedienstetenseite anzutreffen. Das gibt Das Leben ist ein Fest im Vergleich zu den vielen anderen Hochzeitskomödien auch ein ganz eigenes Gesicht: Hier sind es mal nicht die Gäste, die von einem Chaos ins nächste stolpern. Stattdessen blicken wir hinter die Kulissen, dürfen über die diversen Missgeschicke lachen und auch ein klein wenig die Daumen drücken. Denn zumindest Max, der zu Beginn selbst noch wie ein arroganter Despot wirkt, kann einem leid tut bei den Leuten, mit denen er sich umgibt.

Ohne viel Anspruch, dafür aber spaßig
Richtig zu Herzen geht der Film dann aber doch nicht. Anders als bei den zwei vorangegangenen Filmen hat das Regie- und Drehbuchduo hier jegliche Ambitionen auf Tiefgang oder gesellschaftliche Relevanz aufgegeben. Das Leben ist ein Fest ist eine simple Komödie, die auch gar nicht mehr sein will. Darüber kann man natürlich die Nase rümpfen, manche Szenen ergeben sich geradezu ihrer eigenen Banalität. Man kann es aber auch sein lassen und sich an dem spielwütigen, sympathischen Ensemble erfreuen. Das Leben ist ein Fest ist sicher ein wenig lang für das, was die beiden hier erzählen wollen. In der Summe ist der Blick hinter eine Hochzeitsgesellschaft aber sehr vergnüglich und lässt einen bei der nächsten Großveranstaltung die umherwuselnden Kellner mit ganz anderen Augen sehen.

Das Leben ist ein Fest
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Das Leben ist ein Fest
Die Hochzeit ist der schönste Tag im Leben? Nicht aus der Sicht der Leute, die dort arbeiten müssen. „Das Leben ist ein Fest“ erzählt die Geschichte eines Hochzeitsplaners, bei dem auch wegen der schrägen Figuren alles schief geht. Das ist nicht anspruchsvoll und insgesamt etwas zu lang, insgesamt aber doch ein sehr spaßiger Blick hinter die Kulissen eines Großevents.
7von 10

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