(OT: „Home Is Here“, Regie: Tereza Kotyk, Österreich, 2016)

Home Is Here

„Home Is Here“ läuft im Rahmen des 17. Filmfestivals Münster (4. bis 8. Oktober 2017)

Hannah (Anna Aström) ist zurück, zumindest zeitweise. Und auch eher widerwillig. Aber sie ist da, lebt wieder mit ihrer Mutter und dem kleinen Bruder in Innsbruck, sorgt dafür, dass Letzterer sicher zur Schule kommt. Sie selbst zieht es jedoch woanders hin. Zu Max (Stipe Erceg). Genauer zu dessen Villa, die in der Nähe liegt. Zunächst noch vorsichtig, dann immer offensiver dringt sie dort ein, während der Besitzer bei der Arbeit ist. Sie erforscht seine persönlichen Gegenstände und lässt auch Spuren ihrer Anwesenheit zurück. Max ist fasziniert von der unbekannten Einbrecherin und lässt sich nach anfänglicher Besorgnis selbst immer mehr auf dieses Spiel ein.

Irgendwie scheint uns unser eigenes Leben nie wirklich genug zu sein. Ständig lesen wir über das Leben der Stars, bringen uns auf diese Weise eine Welt näher, die nicht die unsere ist. Oder wir rennen ins Kino und dürfen dabei sein, während Geschichte geschrieben wird. Anderen reicht dies aber nicht aus, sie tun ein bisschen mehr dafür, am Leben anderer teilhaben zu dürfen. Auffallend ist, dass es zuletzt immer junge Frauen waren, die hier ein wenig übergriffen werden. In Zazy nutzte eine Schneidersgehilfin den unglücklichen Unfall ihres Chefs dazu, sich im Leben dessen Begleiterin einzunisten. The Burglar wiederum erzählte davon, wie eine allein gelassene Tochter aus den Wohnungen anderer Geld und kleine Andenken mitgehen lässt.

Einbruch aus unbekannten Motiven
Home Is Here ist näher an dem zweiten der beiden Filme. Auch hier ist die Atmosphäre oft etwas verträumt, hat man das Gefühl, nicht immer ganz da zu sein. Und auch hier geht es um eine sich aufbauende Verbindung zu einem etwas älteren Mann. Anders als die Kollegen ist Hannah jedoch nicht aus finanzieller Not getrieben. Reich ist ihre Familie sicher nicht, erweckt aber auch nicht den Eindruck, als würde sie Not leiden. Und wenn man von ein paar sündhaft teuren Pralinen absieht, welche die Protagonistin vernascht, ist sie doch recht zurückhaltend, was die Besitztümer der Villa angeht. Nein, Geld ist es nicht, was sie immer wieder zur Villa hinführt.

Aber was genau sucht sie dann dort? Regisseurin und Drehbuchautorin Tereza Kotyk hält sich an dieser Stelle zurück. Und auch bei Max verrät sie nur das Notwendigste. Anspielungen und Hinweise gibt die Filmemacherin, ohne aber endgültige Antworten liefern zu wollen. Stattdessen vertraut sie eher auf die Atmosphäre, welche die klassische Geschichte ersetzt: melancholisch und verträumt, geprägt von einer stillen Sehnsucht. Und von Einsamkeit. Max geht hin und wieder laufen, ist ansonsten aber zu sehr mit seiner Arbeit beschäftigt, um noch ein Privatleben zu haben. Und Hannah wirkt ohnehin wie ein Fremdkörper in ihrer Familie. Ein bloßer Gast, der auf gepackten Koffern und gepackten Geschenken sitzt.

Traurig und optimistisch zugleich
Das geht mit vielen schönen Bildern einher, vereinzelt sogar mit ein klein wenig Humor. Insgesamt ist der Beitrag vom 17. Filmfestival Münster aber für Zuschauer, die sich mit wenig zufriedengeben. Wenig Plot. Wenig Dialogen: Da die beiden Protagonisten nie direkt interagieren, kommt kaum Sprache zum Einsatz, nur mit den Nebenfiguren wird hin und wieder ein Wort gewechselt. Eher intuitiv spürt man, worum es in Home Is Here geht: Ende und Neuanfang. Die Verarbeitung von Vergangenem, Loslassen. Aber eben auch der Mut, zu sich selbst zu finden und sich wieder für neue Welten und neue Menschen zu öffnen.

Home Is Here
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Home Is Here
Eine Frau bricht wiederholt bei einem Fremden ein und baut auf diese Weise eine Verbindung zu ihm: Das traumartig-melancholische „Home Is Here“ erzählt die recht ungewöhnliche Geschichte zweier einsamer Menschen. Das Drama verlässt sich dabei jedoch in erster Linie auf die Atmosphäre, viel Handlung oder Dialoge gibt es nicht, diverse Fragen bleiben unbeantwortet.
6von 10

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