Heimaturlaub

Heimaturlaub – Aus dem Skizzenbuch eines Astronauten

(OT: „Heimaturlaub – Aus dem Skizzenbuch eines Astronauten“, Regie: Franz Winzentsen, Deutschland, 2016)

KurzFilmTour 2017 Plakat
„Heimaturlaub – Aus dem Skizzenbuch eines Astronauten“ läuft im Rahmen der Kurz.Film.Tour 2017

Wir lesen und sehen doch gern immer mal wieder Geschichten von Leuten, die ein ungewöhnliches Schicksal hatten, einen ungewöhnlichen Beruf ausüben. Und kaum ein Beruf dieser Erde – sofern man diesen Ausdruck hier verwenden kann – dürfte ungewöhnlicher sein als der des Astronauten. Unsere Welt verlassen, Teile des Universums sehen, die kaum je ein Mensch erblickt hat: Da darf man schon ein wenig neidisch werden. Einen Dokumentarfilm über das Leben eines Astronauten zu drehen, doch, das kann sehr reizvoll sein.

Heimaturlaub ist jedoch anders, als man es im Vorfeld erwarten dürfte. Zunächst einmal ist hier nichts real, sämtliche Geschichten und Anekdoten sind frei erfunden. Und das, obwohl diese gar nicht so außergewöhnlich sind. Unser Protagonist erlebt keine großen Abenteuer. Nicht die Ausflüge ins Weltall stehen im Mittelpunkt, sondern der Weg dorthin. Das Umfeld. Die Familie. Die Heimat. Alles keine große Sache, der Astronaut ist auch nur ein Mensch wie jeder andere. Dass er keinen Namen hat, seine Persönlichkeit völlig losgelöst von den Bildern zu sein scheint, dürfte dann auch kein Zufall sein.

Ein Leben aus dem Skizzenbuch
Interessant ist diese betonte Normalität auch durch die nicht ganz so normale Umsetzung. Wo Dokumentationen – seien es echte oder falsche – meistens auf Interviews setzen, ist in Heimaturlaub keines zu finden. Stattdessen spricht der vorgebliche Astronaut aus dem Off, erzählt aus seinem Leben und öffnet sein Skizzenbuch. Enthalten sind darin Bilder aus verschiedenen Stationen seines Lebens, vor allem von dem im Titel genannten Heimaturlaub. Größtenteils sind die Skizzen starr, weshalb es etwas fragwürdig ist, dass Frank Winzentsens Werk beim Deutschen Kurzfilmpreis als bester Animationsfilm nominiert war.

Und doch sind die Zeichnungen ganz schön anzusehen. Tatsächlich wecken sie den Eindruck, gar nicht von dieser Welt zu sein: fremd, einsam, gespenstisch. Warum diese Bilder nun mit einem Astronauten verknüpft werden mussten, ist nicht so ganz ersichtlich. Insgesamt scheint Heimaturlaub eher am Experiment gelegen zu sein als an einer Geschichte oder einem narrativen Konzept – trotz der Einteilung in drei Kapitel. Als solches ist das 14 Minuten lange Werk nicht uninteressant, zumindest in formaler Hinsicht. So richtig zünden will die Idee aber nicht.



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Ein Astronaut erzählt aus seinem Leben: Das lässt auf spannende Geschichten hoffen. „Heimaturlaub“ zieht es jedoch vor, den namenlosen Erzähler in seinem Alltag zu porträtieren. Das ist auch aufgrund der gespenstischen Skizzen interessant, richtig fesseln tut der Kurzfilm aber nicht.
6
von 10