The Age of Shadows
© Splendid Film

The Age of Shadows

(„Miljeong“ directed by Jee-woon Kim, 2016)

The Age of Shadows
„The Age of Shadows“ erscheint am 28. Juli 2017 auf DVD und Blu-ray

Bislang hatte der koreanische Polizeichef Lee Jung-Chool (Kang-ho Song) nur wenige Probleme damit gehabt, seine Landleute an die japanischen Besetzer zu verkaufen – sofern es ihm bei seiner Karriere hilft. Als auf diese Weise jedoch ein früherer Schulkamerad von ihm das Leben verliert, kommen ihm doch leichte Zweifel. Zweifel, welche eine Widerstandsgruppe schnell auszunutzen versucht. Kim Woo-Jin (Yoo Gong), der einen kleinen Antiquitätenladen als Tarnung benutzt, plant, Bomben nach Seoul zu schmuggeln. Und ausgerechnet Lee soll ihm dabei helfen. Der ist daraufhin hin und her gerissen zwischen seiner beruflichen Pflicht und seinen Sympathien für die Gruppe. Richtig kompliziert wird es jedoch erst, als er zusammen mit dem japanische Polizisten Hashimoto (Tae-goo Eom) ausgerechnet Jagd auf Kim machen soll.

Was im Westen der Zweite Weltkrieg ist, das ist im Osten die Besatzung durch die Japaner – ein wunderbarer Anlass für spannende historische Filme. In China drehte man hierzu beispielsweise Ip Man und The Wasted Times, in Südkorea nahm man sich letztes Jahr bei The Age of Shadows dieses Themas an. Um eine akkurate Aufarbeitung der damaligen Verhältnisse geht es hier jedoch natürlich nicht. Stattdessen nutzt der Film die Geschichte um einen Mann zwischen den Fronten für gute alte Spionagearbeit. Geheime Treffen, große Verschwörungen, brenzlige Situationen und – wenn gar nichts mehr geht – rasante Verfolgungsjagden.

Vollgas von der ersten Minute an
Mit einer solchen beginnt The Age of Shadows dann auch, wenn Lee als Polizeichef seinen ehemaligen Schulkameraden jagt, der sich in die Ecke gedrängt anschließend das Leben nimmt. Die Szene dauert nur wenige Minuten, gibt aber atmosphärisch vor, was wir hier in den nächsten mehr als zwei Stunden zu erwarten haben. Auch wenn insgesamt die ruhigen Momente überwiegen werden, wirklich zurücklehnen kann man sich hier nicht – schließlich kann es hier nahezu jeden erwischen. Es geht um Ehre und Verrat, den aufrechten Kampf für die Sache. Und es geht um Gewalt.

Dass sich Regisseur und Drehbuchautor Jee-woon Kim auf dunkle Stoffe versteht, das hat er in Filmen wie Tale of Two Sisters und I Saw the Devil zur Genüge bewiesen. Einige Stellen seines neuen Films sind dann auch nur schwer zu ertragen: Folter steht ebenso auf dem Programm wie (Selbst-)Zerstümmelung. Die meiste Zeit über verzichtet der Südkoreaner aber auf allzu drastische Bilder, vertraut darauf, dass die Geschichte auch so schon genügend Spannung erzeugt. Was sie auch tut, diverser Wendungen sei Dank.

Ein Fest fürs Auge … auch wenn es manchmal blutet
Das soll jedoch nicht bedeuten, dass The Age of Shadows die restliche Zeit die Augen unbehelligt lassen würde. Selbst wenn die Kamera mal nicht wild herumwirbelt und in großartigen Bahnen das Geschehen zeigt, verwöhnt uns der Film. Die historischen Kulissen laden zusammen mit den schönen Kostümen auf eine Reise in die 1920er ein, wo traditionelle Rikschas sich die Straßen noch mit Autos teilen. Das imposanteste Fahrzeug ist jedoch ein Zug, der zum Schauplatz eines großen Showdowns wird, wo sich die Dinge dann endgültig überschlagen.

Bei den Figuren gibt es dafür Abstriche. Auf der einen Seite haben wir den Protagonisten, der glaubwürdig zwischen den beiden Seiten schwankt und ständig nach dem für sich besten Weg sucht. Auf der anderen Seite warten jedoch typische Bösewichter: Die japanischen Besatzer werden ohne jegliche Grauschattierung als Monster dargestellt, die kein Leben verdienen. Dass dieses nicht ganz subtil patriotische Werk in der Heimat ein Riesenhit wurde, genauer der vierterfolgreichste Film des Jahres 2016, verwundert dann auch nicht weiter. Aber auch als Nichtkoreaner darf man sich hier gern in den wunderbaren Kulissen und den ständigen Täuschungsmanövern verlieren. Bis der Film in Deutschland erscheint, wird es noch eine Weile dauern, der Home Release ist für Ende Juli angekündigt. Schon vorher gibt es jedoch die Möglichkeit, The Age of Shadows im Rahmen des Filmfests München Ende Juni auf der großen Leinwand zu bestaunen.



(Anzeige)

„The Age of Shadows“ erzählt eine klassische Spionage- bzw. Widerstandsgeschichte im Korea der 1920er. Die patriotischen Töne muss man ignorieren können, dafür gibt es rasante Verfolgungsjagden, verschwenderische Kulissen und eine spannende, wendungsreiche Geschichte um Ehre und Verrat.
8
von 10