(„Plan B – Scheiß auf Plan A“ directed by Ufuk Genç und Michael Popescu, 2017)

Plan B Scheiss auf Plan A

„Plan B – Scheiß auf Plan A“ läuft ab 8. Juni 2017 im Kino

Also das hatten sich Can (Can Aydin), Cha (Cha-Lee Yoon), U-Gin (Eugene Boateng) und Phong (Phong Giang) eigentlich alles ganz anders vorgestellt. Natürlich waren sie es vorher schon gewohnt, dass ihr Traum, große Actionstars zu werden bei den Castings nicht so wirklich das erwünschte Ergebnis mit sich brachten. Aber bei ihrem neuesten und zugleich letzten Versuch kommt es aber noch mal anders: Aufgrund einer dummen Verwechslung landen sie nicht beim Vorsprechen, sondern platzen mitten in die Entführung der Gangsterbraut Victoria (Julia Dietze). Um aus der Geschichte wieder heil herauszukommen, müssen die vier den bösen Buben bei einer kleinen Schatzsuche helfen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Wo auch immer sie auftauchen, stellen sich ihnen neue Gegner in den Weg. Und dann wären da auch noch die Polizisten Schulz (Gedeon Burkhard) und Kopp (Laurent Daniels), die ihnen dicht auf den Fersen sind.

Plan B – Scheiß auf Plan A ist ein Film, den es in der Form eigentlich gar nicht geben dürfte. Das Genre zum Beispiel. Auch wenn sich natürlich andere Regionen immer mal wieder daran versucht haben, normalerweise verbinden wir Martial Arts mit Fernost. Deutschland? Sicher, Kampfsportschulen gibt es hier mehr als genügend. Filme darüber jedoch nicht. Schon die Vorstellung, dass hiesige Darsteller sich daran versuchen wollen, lässt unweigerlich mindestens eine Augenbraue nach oben wandern. Wenn die Darsteller – wie übrigens auch die zwei Regisseure – so gar keine Namen oder echte Filmerfahrung haben, das Budget zudem entsprechend klein war, dann ergibt das einen spannenden Wettkampf zwischen niedriger Erwartung und morbider Neugierde. Zumal Plan B anders als man hätte erwarten können, sogar ins Kino kommt.

Retrospaß in geselliger Runde
Ob der Film dorthin gehört, darüber lässt sich streiten. Eigentlich ist Plan B nämlich ein Werk, das ideal ist für einen Videoabend mit Freunden, Chips und jede Menge Bier. Die Freunde sollte dabei natürlich gleichgesinnt sein, sprich in der Stimmung für Action ohne Sinn und Verstand, dafür mit jeder Menge Humor. Die Filmemacher verfolgen bei ihrer Low-Budget-Produktion zwei Ziele: Auf der einen Seite ist ihr Streifen eine eindeutige Hommage an die Action- bzw. Martial-Arts-Filme der 80er. Immer wieder gibt es kleine Verbeugungen oder Anspielungen, dazu auch eine Musik, die einen plötzlich wieder 30 Jahre jünger fühlen lässt.

Gleichzeitig jedoch schicken sie die Jungs auf ein Abenteuer, das sich selbst nicht wirklich ernst nimmt. Oder überhaupt etwas. Da wird sich beispielsweise darüber lustig gemacht, dass Can immer noch daheim wohnt, wo er sich von Mama die Unterhosen bügeln lässt, während er selbst vor dem Spiegel posiert. An anderer Stelle führt die Schatzsuche zu etwas ungewohnten Orten, die aber irgendwie immer damit enden, dass sich jemand mit ihnen prügelt. Dann wären da die ständigen Schriftblaseneinblendungen in bester Comic-Manier, wenn es mal wieder irgendwo „Bang“ oder „Boom“ macht. Und zu guter Letzt gibt es Sprüche, die jeden Alpha-Macho vor Neid erblassen lassen, so übertrieben cool sind sie. Oder wollen es zumindest sein.

Willentlich willkürlich
Nein, anspruchsvoll ist das nicht. Im Gegenteil: Plan B suhlt sich in seiner absurden Belanglosigkeit und Willkürlichkeit. Die Geschichte als dünn zu bezeichnen, würde ihr nicht gerecht, das Hauch von Nichts ist nur dafür da, damit die vier Jungs und ihre Gegenspieler zeigen können, was in ihren Fäusten und Füßen steckt. Das ist dafür jedoch eine ganze Menge. Anders als so mache Hollywoodproduktion, die durch schnelle Schnitte das Gefühl von Action vorgaukeln wollen, wissen die Kämpfer hier sehr genau, was sie tun. Und sie haben selbst Spaß dabei. Das hat sicher nicht die Eleganz fernöstlicher Wuxia-Filme à la Tiger & Dragon oder Flying Swords of Dragon Gate. Soll es aber auch gar nicht: Hier wird nicht märchenhaft durch die Luft geschwebt, sondern ganz bodenständig und dreckig die Fresse poliert. Das Ergebnis würde vermutlich niemand ernsthaft als „gut“ bezeichnen. Zum Glück hat Ernst hier aber auch nichts zu suchen. Und so bleibt eine überraschend unterhaltsame Martial-Arts-Komödie, die auch über ihren Kuriositätenfaktor hinaus einiges zu bieten hat und bei der man ganz froh ist, dass es sie am Ende doch gibt.

Plan B – Scheiß auf Plan A
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Plan B – Scheiß auf Plan A
Wenn in „Plan B“ vier Möchtegern-Actionstars ausziehen, um einen Schatz zu finden, bleibt keine Kleidung sauber, kein Auge trocken. Gut ist die Low-Budget-Hommage an das 80er-Jahre Actionkino nicht, dafür aber mit so viel Spaß an der Freude und tatsächlicher Kampfkunst gedreht, dass die deutsche Martial-Arts-Komödie sehr viel unterhaltsamer ist, als sie eigentlich sein dürfte.
6von 10

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