(„Rupan Sansei: Rupan Ansatsu Shirei“ directed by Masaaki Ōsumi, 1993)

Lupin III Voyage to DangerJahrelang hatte Inspektor Zenigata dafür gekämpft, den Meisterdieb Lupin III endlich hinter Gitter zu bringen. Und dann das. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass man ihn nach seinen vielen verdienstvollen Einsätzen den Auftrag entzogen hat, muss er seinen Erzfeind jetzt auch noch um Hilfe bitten. Eine Waffenschieber-Organisation treibt gerade sein Unwesen und Zenigata könnte ein bisschen Unterstützung gut gebrauchen, um den Verbrechern das Handwerk zu legen. Lupin lässt sich da nicht zweimal bitten, schließlich verspricht der Einsatz eine Menge Einnahmen. Gleichzeitig muss er sich aber auch sehr in Acht nehmen, ist der Nachfolger des Inspektors doch ein kaltblütiger Killer, der den Dieb nicht einfach festnehmen, sondern lieber gleich um die Ecke bringen soll.

Lange hatte es nicht gedauert, bis die Freude über die jährlichen TV-Specials rund um Lupin III Ernüchterung wich. So schön es auch war, den beliebten Mangafiguren von Monkey Punch nun regelmäßig in größeren Abenteuern folgen zu können, irgendwie waren diese zu schnell Formeln verfallen. Eine berühmte historische Figur hat irgendwo einen Schatz hinterlassen, damit fingen gleich drei der vier ersten Specials an. Was danach folgte, war meistens austauschbar und uninspiriert, im Fall von Napoleon’s Dictionary sogar visuell ein deutlicher Rückschritt. Zwar hatte es zuletzt bei From Siberia with Love wieder eine leichte Verbesserung gegeben, das eigentliche Potenzial der Reihe wurde trotz einzelner netter Ideen aber nie so richtig genutzt.

Ein alter Bekannter meldet sich zurück
Zeit also für frisches Blut. Oder auch altes Blut. Wer sich ein bisschen mit der Geschichte von Lupin III auskennt, dem wird der Name Masaaki Ōsumi natürlich etwas sagen. Der hatte 1969 nicht nur die allererste Animefassung gedreht – ein zwölfminütiger Pilotfilm –, sondern auch diverse Folgen der ersten Serie. Jene Folgen, die aus heutiger Sicht überraschend brutal und düster sind, nur wenig mit dem gemeinsam haben, was spätere Regisseure und Drehbuchautoren aus dem Manga machten. Ganz so weit wie damals lehnte sich Ōsumi bei seiner späten Rückkehr zwar nicht aus dem Fenster, dafür hatten sich die Erwartungen des Publikums in den vorausgegangenen zwanzig Jahren dann doch zu sehr gewandelt, Voyage to Danger markiert aber tatsächlich die vorsichtige Rückbesinnung auf die finsteren Anfänge.

Allein schon, dass Lupin III hier zum Ziel eines Mörders wird – der japanische Titel lautet dann auch „der Auftrag, Lupin zu töten“ –, ist eine Abkehr von dem, was wir zuletzt hatten sehen dürfen. Und tatsächlich darf in Voyage to Danger wieder gestorben werden. Hinzu kommen tragische Vorgeschichten und eine Fujiko, die zwar nicht wie damals alle Hüllen fallen lässt, dafür aber mit einem mächtigen Busen durch die Gegend läuft. Interessant ist zudem, dass der Film mit den festen Personenkonstellationen experimentiert. Nachdem Zenigata zuletzt nichts zu tun bekam, seine ewige Jagd auf Lupin III eher ein Pflichtpunkt war als wirkliches inhaltliches Element, ist er dieses Mal wieder stärker integriert. Mehr noch: Dass er mit seinem Widersacher zusammenarbeiten muss, um einen gemeinsamen Feind unschädlich zu machen, das allein lässt das fünfte TV-Special mehr aus der Masse hervortreten.

Ein Dieb auf James Bonds Spuren
Die ganz großen Begeisterungsstürme löst Voyage to Dange dann aber doch nicht aus. Die besten Lupin-Abenteuer – allen voran Das Schloss von Cagliostro – gelang es Abenteuer, Humor und Mystery miteinander zu verknüpfen. Und hier hapert es dann doch ein wenig. Mit der Rückkehr zum Düsteren ging der Hang zu absurden Einfällen verloren. Was nicht heißen soll, dass das Special sehr realistisch wäre. Gerade der Showdown ist sehr überzogen, allerdings auf eine nicht ganz so passende Weise. Und auch das Objekt von Lupins Begierde ist dieses Mal ein wenig glanzlos: Nukleare U-Boote gehören eher in einen James-Bond-Film, weniger in einen Heist Movie. Es fehlt ein wenig die diebische Freude, die bei der Jagd auf einen verlorenen Schatz aufkommt. Insgesamt ist das Special aber durchaus solide, eine Verbesserung zu den beiden Vorgängern, auch das übliche Animationsstudio Tôkyô Movie Shinsha macht nicht wirklich etwas verkehrt. Und: Voyage to Danger ist eine der wenigen Lupin-Produktionen, die auch offiziell ihren Weg nach Deutschland gefunden haben. Wer etwas sucht, könnte noch eines der vor Jahren veröffentlichten Exemplare auftreiben. Ansonsten steht mal wieder der US-Import an.

Lupin III – Voyage to Danger
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Lupin III – Voyage to Danger
Das fünfte TV-Special orientiert sich wieder etwas stärker an den ersten Auftritten von Lupin III und experimentiert auch bei der Figurenkonstellation. Das sorgt für etwas frischen Wind, auch wenn die Ausbalancierung der verschiedenen Elemente nicht immer ganz funktioniert und „Voyage to Danger“ insgesamt die diebische Freude an der Schatzsuche abhandengekommen ist.
6von 10

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