(„Chūnibyō demo Koi ga Shitai! Ren“ directed by Tatsuya Ishihara, 2014)

„Love, Chunibyo & Other Delusions! -Heart Throb-“ ist auf vier Volumes verteilt auf DVD und Blu-ray erhältlich

Ein bisschen ärgerlich ist es schon, wie Rikka plötzlich ohne Zuhause dasteht, weil sie ihre Wohnung verloren hat. Aber zum Glück gibt es bei Yûta genügend Platz, jetzt, wo seine Familie im Ausland ist. Und damit auch die Gelegenheit für beide, sich ein bisschen näherzukommen. Ganz einfach ist das natürlich nicht, schließlich leidet Rikka noch immer am Achtklässlersyndrom und lebt deshalb in ihrer kleinen Fantasiewelt. Und sie ist dabei nicht die einzige, denn eigentlich hat jeder mal dieses Syndrom gehabt. Oder hat es noch immer. Richtig kompliziert wird es aber erst, als auch Yûtaa ehemalige und ebenfalls herumspinnende Klassenkameradin Satone auftaucht und die Gefühle aller Beteiligten endgültig ins Chaos stürzt.

Fortsetzungen können eine richtig schöne Sache sein, wenn sie uns die Möglichkeit geben, liebgewonnene Figuren ein zweites Mal zu sehen. Beispiele für geglückte zweite Staffeln gibt es dann auch einige im Anime-Bereich. Ghost in the Shell: Stand Alone Complex – 2nd GIG zum Beispiel, Pokémon – Staffel 2: Adventures in the Orange Islands oder auch Space Dandy – Staffel 2. Problematisch wird es jedoch, wenn die erste Staffel so gestrickt war, dass sie komplett in sich abgeschlossen war, eigentlich keine zweite Staffel folgen sollte. Love, Chunibyo & Other Delusions!, welches auf einer Light Novel von Torako basierte, ist so ein Fall.

Komische Romantik, romantische Komik
Die Stärke der Serie war, dass sie die ohnehin schon komplizierte Annäherung zweier Jugendlicher mit der originellen Idee des Achtklässlersyndroms kombinierte. So ziemlich jeder dürfte als Kind seinen Fantasien freien Lauf gelassen und sich in diesen als jemand anderes gesehen haben. Jemand größeres. Jemand mächtigeres. Je älter wir werden, umso mehr verlassen uns aber diese Allmachtsfantasien. Umso mehr verlassen wir sie. Wollen vielleicht auch nicht mehr daran erinnert werden. In Love, Chunibyo & Other Delusions! ging es darum, wie ein Junge, der diese Phase hinter sich gelassen hat, mit einem Mädchen klar kommt, das noch mittendrin steckt. Das Ergebnis war eine erfrischend andere Liebeskomödie, skurril und doch einfühlsam, handelte von Selbstfindung und Akzeptanz sowie der heilenden Macht von Träumen.

Wie aber soll es weitergehen, nachdem sich die beiden gefunden haben? Was passiert nach dem Happy End einer Liebesgeschichte? Das war die große Frage. Eine zu große Frage, zumindest für -Heart Throb-. Anstatt die beiden zu zeigen, wie sie ihren Alltag zusammen meistern, wird in der zweiten Staffel die Entwicklung wieder rückgängig gemacht. Die Figuren sind wieder so, wie sie zu Beginn der ersten Staffel waren, ohne Aussicht auf Bewegung oder Besserung. Und als wäre das nicht schon frustrierend genug, wurde nun auch Satone eingefügt. Die vorsichtige, von Ängsten begleitete Annäherung zweier Teenager macht nun einem ziemlich gewöhnlichen Liebesdreieck Platz, das sich kräftig diverser Klischees und lauter Auseinandersetzungen bedient.

Weniger wäre mehr gewesen
Gleichzeitig wurden die Illusionen der Protagonisten stark erweitert und dabei völlig übertrieben. In Love, Chunibyo & Other Delusions! war es noch sehr witzig gewesen, die Fantasien und die Realität gegenüberzustellen – beispielsweise wenn ein Suppenlöffel in der Vorstellungskraft zu einer mächtigen Waffe heranwächst. In der Fortsetzung gibt es nur noch die Fantasien, losgelöst vom Kontext. Was die Geschichte beim letzten Mal noch auf humorvolle Weise flankierte, wird nun zum reinen Selbstzweck. Die Folge: Gerade weil die Serie die beiden Komponenten Romanze und Komödie immer weiter überdreht, verlieren beide irgendwann ihre Wirkung. Der Anime ist weder so berührend, noch so komisch wie beim ersten Mal.

Einige schöne Momente hat die erneut von Tatsuya Ishihara (Clannad, Die Melancholie der Haruhi Suzumiya) inszenierte Staffel natürlich schon. Ein Höhepunkt ist beispielsweise, wie der als Mittagsschläfchenclub getarnte Fantastereiclub plötzlich beweisen muss, wo der Schlafhammer hängt. Und ein paar Szenen gehen einem dann doch zu Herzen, wenn sich der Anime auf seine Stärken besinnt und es ein wenig ruhiger angehen lässt. Insgesamt ist die Fortsetzung jedoch deutlich schwächer, wirkt manchmal gar wie ein Spin-off. Immerhin gibt es währenddessen Eye Candy ohne Ende. Das Animationsstudio Kyoto Animation (Free!, Beyond the Boundary) hat ja schon häufiger sein Händchen für sehenswerte Hintergründe bewiesen. Das tut es auch hier, oft sogar. Hinzu kommen kleinere Effektspektakel während der Fantasieszenen, welche die Enttäuschung über die fehlende Richtung zwar nicht ganz ausgleichen, aber doch zumindest ein wenig abmildern. Ganz große Fans des ersten Auftritts können deshalb einmal reinschauen, solide ist die Serie ja trotz allem. Aber eben auch ein Beispiel, dass man sich mit einer Fortsetzung nicht immer einen Gefallen tut.

Love, Chunibyo & Other Delusions! -Heart Throb-
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Love, Chunibyo & Other Delusions! -Heart Throb-
„Love, Chunibyo & Other Delusions! -Heart Throb-“ nimmt die Elemente und Figuren der ersten Staffel wieder auf, weiß aber nicht so recht, was sie daraus machen soll. Das Ergebnis ist ziellos, an vielen Stellen auch zu übertrieben und verliert dabei die eigenen Stärken. Solide ist der Anime am Ende aber schon, und sei es nur der schönen Optik wegen.
5von 10

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