Die Huette Ein Wochenende mit Gott
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Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott

(„The Shack“ directed by Stuart Hazeldine, 2017)

Die Huette ein Wochenende mit Gott
„Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ läuft ab 6. April 2017 im Kino

In einem Moment der Unachtsamkeit wird Missy Phillips (Amélie Eve) bei einem Familienausflug entführt. Die Suche der Polizei und Dutzenden Helfer bleibt zunächst ergebnislos, dann ereilt sie die Nachricht des grausamen Fundes in einer abgelegenen Hütte. Die dortigen Blutspuren und zerrissenen Kleidungsstücke lassen keine Zweifel an dem schrecklichen Tod der kleinen Missy. Jahre später ist Vater Mack Phillips (Sam Worthington) seinen Schuldgefühlen verfallen und nur noch ein gräulicher Schatten seiner damaligen Frohnatur. Eines Tages erreicht ihn eine ominöse Nachricht von Gott in seinem Briefkasten, der auf ihn bei jener verhängnisvollen Hütte wartet. Der makabere Scherz eines Bekannten, der Mörder selbst oder die mögliche Antwort auf seine andauernde Trauer? Er begibt sich auf den Weg und trifft dort auf jemanden, dem er viel bedeutet und der ihm helfen möchte. Mühsam beginnt er, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und seine ersten Schritte auf dem Pfad des Vergebens zu wagen.

Als der Autor William Paul Young vor vielen Jahren den gleichnamigen Roman für seine Kinder schrieb, hätte er nicht zu träumen gewagt, dass er diesen wenig später millionenfach verkaufen würde. Das emotionale Familiendrama stieg nach seiner Veröffentlichung im Jahre 2007 im Steilflug zur christlichen Vorzeigelektüre auf und führte über Monate die Bestsellerlisten an. 2017 findet Regisseur Stuart Hazeldines filmische Adaption seinen Weg in die Kinos und hofft, ähnlich himmlische Verkaufszahlen an den Kinokassen zu erreichen wie seine literarische Vorlage. Und zumindest in den USA wurde die Hoffnung auch belohnt, mehr als 50 Millionen Dollar spielte Die Hütte bislang ein.

Drei Geister, die da wären …
Was tun, wenn die eigene Tochter entführt und umgebracht wird, sich der Täter aber weiterhin auf freiem Fuß befindet? Was tun, wenn einen stetig die gleichen stechenden Schuldgefühle erdrücken? Den Verlust eines geliebten Menschen verarbeitet jeder auf seine ganz eigene Art. Therapeuten und Spezialisten können nur so viel beeinflussen, doch am Ende des Tages ist jeder seinem Schmerz selbst überlassen, der einen bis in den Schlaf verfolgt und niemals verheilt – man lernt nur damit zu leben.

Die Hütte versucht diesem inneren Kampf, mit Octavia Spencer (Hidden Figures) als Gott, ein christliches Gesicht zu verleihen. Gemeinsam mit Jesus (Avraham Aviv Alush) und Sarayu (Sumire Matsubara) empfängt sie Mack an der Hütte. Das Aufeinandertreffen erinnert an Filme wie Eine Weihnachtsgeschichte, Die Geister, die ich rief oder den 2016 erschienenen Verborgene Schönheit. Drei Charaktere, die jemandem einschneidende Erlebnisse aufzeigen, um ihn zurück auf den rechten Pfad zu leiten. Anstatt eines überheblichen und besser wissenden Protagonisten haben sie es mit einem gebrochenen und ratlosen Familienvater zu tun, der jeglichen Glauben verloren hat. An dem ersten skeptischen Aufeinandertreffen ändert das trotzdem nichts, fragen Mack und der Zuschauer sich gleichermaßen, ob das Ganze denn nun real oder doch nur Einbildung ist?

Der innere K(r)ampf
Politik und Religion sind seit jeher hochsensible Themen, die es mit Fingerspitzen zu behandelt gilt, ohne gleich einen Shitstorm epochalen Ausmaßes in Bewegung zu setzen. Der Film mag in seiner Vorlage und besonders im christlichen Amerika ein großer Erfolg gewesen sein, darüber hinaus stößt die Umsetzung relativ schnell an ihre Grenzen. Eine zauberhafte Octavia Spencer und sensible aber nicht minder interessante Thematik rund um die tragischen Seiten des Lebens sind einige wenige Punkte, die den Film durchaus sehenswert machen könnten. Hat man die mehr als zwei Stunden Spielzeit aber erst einmal überdauert, sind es die biblischen 08/15-Floskeln, vorhersehbaren Handlungsstränge sowie der weiterhin matt wirkende Sam Worthington (Hacksaw Ridge) die einem durch die Hirnwindungen spuken. Eine Heimsuchung, die man sich ersparen kann. Amen.



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Jesus, Maria und Josef. Es hätte so schön werden können! Weniger Kitsch und mehr Catch, kürzere Laufzeit und Fokus auf die wichtigen Aspekte. Der biblische Ansatz will nicht so wirklich Flügel bekommen und verfängt sich in kirchlichen Lobgesängen, bei denen alles einen Sinn ergibt. Leider ist das bei dem Film nicht der Fall, trotz nachdenklicher Momente.
5
von 10