(„A Cure for Wellness“ directed by Gore Verbinski, 2017)

„A Cure for Wellness“ läuft seit 23. Februar 2017 im Kino

Mister Lockhart (Dane DeHaan) ist ein junger und erfolgreicher Angestellter bei einem der größten Finanzdienstleister an der Wall Street. Das Unternehmen, für das er arbeitet, steht kurz vor einer wichtigen Fusion, benötigt dafür jedoch seinen CEO, der sich in einem Sanatorium in der Schweiz befindet und von dort nach eigenen Angaben auch nicht mehr weg möchte. Da die Zeit drängt und eine schnelle Lösung gefunden werden muss, beauftragt der Vorstand Lockhart damit, den Geschäftsführer wieder zurückzuholen. Nach einem Autounfall nahe der Klinik findet sich der junge Mann allerdings bald selber als Patient wieder, und nach und nach kommt ihm seine gesamte Umgebung wie eine Lüge vor. Denn in der von Volmer (Jason Isaacs) geleiteten Heilanstalt hoch oben in den Schweizer Bergen ist nichts so wie es scheint, auf eigene Faust und mit Unterstützung von Langzeitpatientin Hannah (Mia Goth) versucht Lockhart, Licht ins Dunkle der Institution zu bringen.

Was könnte ein besserer Schauplatz für einen Psychothriller mit Mysteryelementen sein als eine Klinik, die sich in den Mauern einer alten Burg mit einer schrecklichen Vorgeschichte befindet, die noch dazu hoch oben auf einem Berg liegt und von Wäldern umgeben ist. Klingt nach dem perfekten Setting für einen solchen Film – und das ist es auch. Klingt aber ebenso nach etwas, das man des Öfteren schon gesehen hat – und auch das trifft zu, zumindest zu Beginn. Denn nach den ersten durchaus eindringlichen Minuten in einem grauen, unpersönlichen und von den schlechtesten Seiten der Menschen gezeichneten New York macht Gore Verbinski dem Zuschauer den Einstieg in die verstörende Seite seines Films leicht, nur um dann nach und nach einen Gang höher zu schalten.

Denn auch wenn die ganz großen Schockmomente ausbleiben, ist A Cure for Wellness dennoch nichts für schwache Nerven. Da wären zum einen folterähnliche Vorgänge und schaurige Szenen, bei denen es einem kalt den Rücken runterläuft und während welchen es einem schwer fällt, den Blick nicht von der Leinwand abzuwenden. Zum anderen werden unsere Wertvorstellungen teilweise komplett auf den Kopf gestellt, was der Zuschauer auch psychisch erst einmal verarbeiten muss. Doch das ist nicht einmal das, was einem nachhaltig von dem Film in Erinnerung bleibt – es sind nämlich seine Bilder. Der entsättigte Look, die grandiose Bildsprache, das bemerkenswerte Szenenbild und die fabelhafte Kameraarbeit, die auch ein paar überragende Einzelaufnahmen einfängt, sind es, was A Cure for Wellness auszeichnen.

Doch wo man die Optik teilweise nur mit Superlativen beschreiben kann, da muss man gleichzeitig bei der eigentlichen Geschichte einige Abstriche machen. Diese würde für einen gewöhnlichen Horrorfilm wohl ausreichen, doch für die Ambitionen, die Gore Verbinski hier hatte, tut sie das nicht. Alles was sie macht ist zwischendurch Dutzende von Fragen aufzuwerfen, die am Ende nicht einmal zufriedenstellend beantwortet werden, und einen recht schwachen Twist vorzubereiten, der am Ende nicht ansatzweise so überraschend daherkommt, wie er es wohl sollte. Dazu geschieht das alles in einem sehr gemächlichen Tempo, was für den Zuschauer über zweieinhalb Stunden nicht nur anstrengend, sondern auch ermüdend ist.

Schließlich nimmt die Handlung ihre groteske und, wie bereits erwähnt, recht enttäuschende Wendung und endet in einem nicht so recht zum Rest des Films passen wollenden Finale. Getragen wurde zuvor jedoch alles von einem starken Dane DeHaan, dessen nicht gerade sympathische und für den Betrachter auch recht fremde Figur nicht zum Mitfühlen einlädt. Doch das soll sie auch gar nicht, eben weil der Zuschauer nicht als Teil des Geschehens vorgesehen ist, sondern als Beobachter desselbigen, was der Wirkung des Gesehenen jedoch keinen Abbruch tut.

A Cure for Wellness
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A Cure for Wellness
"A Cure for Wellness" ist optisch hochwertig, schauspielerisch überzeugend und inhaltlich anstrengend und letztlich auch enttäuschend.
6von 10

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