Appleseed XIII
© 2011 Shirow Masamune / Seishinsha – APPLESEED XIII Project

(„Appleseed XIII“ directed by Takayuki Hamana, 2011)

„Appleseed XIII“ ist seit 16. Dezember auf DVD und Blu-ray erhältlich

Der Dritte Weltkrieg hatte verheerende Folgen für die Menschheit, rund die Hälfte der Bevölkerung haben die gewaltsamen Auseinandersetzungen das Leben gekostet. Inzwischen ist wieder Frieden eingekehrt, zumindest in dem Stadtstaat Olympus, der von der künstlichen Intelligenz Gaia regiert und genmanipulierten Bioroiden verwaltet wird. Doch unter der Oberfläche brodelt es, Terroristen, korrupte Politiker und gierige Unternehmer sorgen immer wieder für neue Konflikte. Und so liegt es an der Spezialagentin Deunan Knute und ihrem Cyborg-Freund Briareos aus der Elite-Einheit E.S.W.A.T., den zerbrechlichen Frieden zu bewahren.

Und sie wollen einfach nicht aufgeben. Schon mehrfach hatten sich japanische Filmemacher an den Versuch gewagt, Masamune Shirows Manga „Appleseed“ in animierter Form unters Volk zu bringen – mit eher bescheidenen Ergebnissen, wie bei der Direct-to-Video-Produktion von 1988 und dem Kinofilm aus dem Jahr 2004. Davon ließen sie sich aber nicht abhalten und präsentierten den Stoff noch ein weiteres Mal im Jahr 2011, nun in Form einer fürs Internet produzierten Serie. Da man sich aber offensichtlich nicht sicher war, inwiefern das Publikum die vorherigen Werke oder auch den Manga bereits kannte, fing man quasi wieder von vorne an, erzählte erneut die Geschichte von Deunan und Briareos.

Das eine oder andere Déjà-vu bleibt hier natürlich nicht aus, umso mehr, da auch hier wie bei den Filmen zuvor auf CGI-Grafiken gesetzt wurde. Das Wechselspiel der Studios ging jedoch weiter, bei Appleseed XIII durften sich erstmals Jinni’s Animation Studios und Production I.G (Jin-Roh, Psycho-Pass) an der Adaption des Klassikers versuchen. Visuell ist das Ergebnis zumindest interessant, wenn auch nicht in allen Belangen überzeugend. Etwas unerwartet ist die Farbwahl, die sich nicht an den üblichen Dystopie-Gepflogenheiten aufhält und stattdessen in den schönsten Bonbonfarben daherkommt. Gelungen ist zudem die Verschmelzung von 2D- und 3D-Elementen, so nah wie hier kommen computergenerierte Animes dem klassischen Zeichentrick nur selten. Seltsamerweise scheitert die Serie aber ausgerechnet an den Animationen, eigentlich eine der Stärken der neuen Technik: Hier wird mit plumpen Figuren durch die Gegend geruckelt und mit den Armen herumgefuchtelt, als wolle man das Publikum eigentlich zum Lachen bringen.

Das jedoch steht in einem ziemlichen Widerspruch zum Rest der Serie, die sich mal wieder auf die düsteren Aspekte der künftigen Mensch-Maschine-Gesellschaft konzentriert. An einigen Stellen erinnert das nicht zufällig an Shirows anderen großen Beitrag zur Popkultur, die Sci-Fi-Reihe Ghost in the Shell, ohne aber dessen unterkühlten Existenzialismus zu erreichen. Stattdessen ist Deunan hier ein junges Mädchen, das sich genau so sehr mit Waffen und Verschwörungen auseinandersetzt wie mit dem nächsten Urlaub und den ständigen Liebeswirren mit Cyborg-Partner Briareos.

Dabei ist es nicht so, als hätte man nicht auch hier mehr Tiefgang gewollt. Manchmal sogar ein bisschen zu sehr: Die ständigen nicht sehr subtilen Verweise auf die griechische Mythologie und die durch Flashbacks angereicherten Hintergrundgeschichten lassen keinen Zweifel daran, dass man viel sagen wollte – auch wenn man nicht viel zu sagen hatte. Die ersten der 13 Episoden sind dabei noch die spannenderen, da hier diverse Beispiele aus dem Alltag einer künstlichen Gesellschaft herausgegriffen werden. Später kommt es aber ausgerechnet dann zu Längen, wenn analog zu Stand Alone Complex eine übergreifende Handlung und ein direkter Gegenspieler eingeführt wird. Geschossen wird dann viel, sehr effektreich auch, an Worten mangelt es ebenfalls nicht. Wohl aber an einer Idee, wie die Geschichte vorangetrieben werden könnte, da wird konsequent auf der Stelle getreten und in der Klischeekiste gekramt. Auch wenn die Serie insgesamt so zu den besseren Umsetzungen des Mangas gehört, über Durchschnitt kommt auch sie nicht hinaus.



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„Appleseed XIII“ nimmt sich des bekannten Sci-Fi-Mangas an und verpackt diesen in eine interessante, wenn auch nicht gänzlich überzeugende Optik. Inhaltlich ist die Serie ebenfalls zwiespältig, hat zwar ein paar nette Nebengeschichten zu erzählen, kämpft aber ausgerechnet während der Haupthandlung mit Längen.
5
von 10