(„Ungesagt“ dircted by Claudia Boysen, 2016)

Ungesagt

„Ungesagt“ läuft seit 17. November im Kino

Marie (Felicia Ruf) und Sarah (Sophie Charlotte Conrad) sind schon lange und sehr eng befreundet. Und so sprach dann auch nicht wirklich etwas dagegen, dass die beiden zusammen in den Urlaub fahren. Erst auf La Palma wird jedoch klar, dass Sarah eigentlich sehr viel mehr von ihr will, ihr eine einfache Freundschaft nicht mehr reicht. Marie ist anschließend hin und her gerissen. Einerseits will sie ihre Freundin nicht verlieren, kann die Gefühle aber nicht im gleichen Maße erwidern. Und dann wäre da auch noch Ben (Alexander Khuon), der daheim in Deutschland auf sie wartet und mit dem sie eine glückliche Beziehung führt.

Wenn Freundschaften sich zu potenziellen Liebesbeziehungen weiterentwickeln, dann ist das nie ohne Risiko. Und ohne entsprechende Abwägungen. Bleibe ich lieber beim Bewährten und erhalte das bisherige Verhältnis? Oder versuche ich mehr, auch auf die Gefahr hin, alles zu verlieren? Das ist schon unter normalen Umständen eine komplizierte Situation. Claudia Boysen, die hier Regie führte und das Drehbuch schrieb, war das allerdings noch nicht genug, sondern kombinierte das mit einem Quasi-Coming-out und zwang die beiden Turteltauben in eine schwierige Dreiecksbeziehung, in der zwischendurch auch ein vierter noch mitmischt.

So ganz nachvollziehbar ist es dann auch nicht immer, was da vorne auf der Leinwand passiert. Da wird mal tränenreich von der großen Liebe gesprochen, nur um im nächsten Moment mit dem nächstbesten Beau ins Bett zu steigen. Das ist zum Teil natürlich durchaus als Konzept so gemeint, schließlich dreht sich hier alles um zwei junge Menschen, die sich ihrer Gefühle zueinander noch nicht ganz bewusst sind. Vor allem Marie ist plötzlich zwischen zwei Welten gefangen, ohne dass sie genau versteht, wie sie in den Schlamassel geraten konnte. Da darf dann schon einmal ein bisschen rumprobiert werden, was zu Lust, dann wieder zu Frust führt. Die extreme Sprunghaftigkeit von Ungesagt fühlt sich jedoch nicht allzu natürlich an, eher etwas angestrengt um sein Thema bemüht. Und eben auch anstrengend.

Dabei ist die Grundsatzfrage, wo die Grenzen zwischen Freundschaft und Liebe liegen, eine spannende und nur individuell zu beantwortende. Was Sarah denn an ihrem bisherigen engen Umgang vermisse, möchte Marie an einer Stelle wissen. Doch das weiß Sarah selbst nicht so genau. Und so muss der Sex als Unterscheidungsmerkmal herhalten, was angesichts der anderweitigen sexuellen Aktivitäten von Sarah aber auch nicht wirklich befriedigend ist. Wenn in dem eigentlich eher expliziten als verschwiegenen Ungesagt etwas tatsächlich keine Worte findet, dann nicht weil die Protagonisten nicht danach suchen. Die Suche ist nur nicht von besonderem Erfolg gekrönt.

Am interessantesten ist das deutsche Drama dann auch, wenn es um den universellen Gehalt der Geschichte geht, weniger um die individuelle Ausgestaltung. Schöne Szenen sind immer wieder dabei, teils auch sinnliche – der Urlaub als Paradies, das gemeinsame Frühstück. Bewegend ist Ungesagt jedoch weniger. Das liegt neben dem etwas holprigen Verlauf, der zum Ende hin auch unnötig entgleist, zu einem guten Teil an den Protagonisten. Nicht nur dass es schwer fällt, die angebliche Nähe zwischen den beiden nachzuempfinden – sie wirken eher wie zwei Menschen, die sich im Urlaub erst kennengelernt haben –, sie sind über weite Strecken so unsympathisch, dass einem das auch irgendwie egal ist.

Ungesagt
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Ungesagt
„Ungesagt“ stellt interessante Überlegungen zu dem Grenzbereich von Freundschaft und Liebe an, garniert diese mit schönen Bildern. Als Geschichte zweier realer Menschen funktioniert das Drama jedoch weniger gut, dafür ist es zu sprunghaft, wirkt immer wieder etwas unnatürlich.
6von 10

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