Alle Jahre wieder werden Kürbisse zu fiesen Fratzen, Clowns zu terrorisierenden Alpträumen und Flugbesen auf Hochglanz poliert. Am 31. Oktober ist es soweit und der Schrecken jedes Süßigkeitenvorrats kehrt zurück – Halloween!

Grund genug, den Grusel der letzten Zeit Revue passieren zu lassen. Fortsetzungen sind weiterhin hoch im Kurs und legen mit Conjuring 2 und The Purge 3 neue Kohlen in die umstrittene Horrormaschinerie. Hingegen lockten Neuauflagen alter Bekannter, wie dem heiß ersehnten Blair Witch und dem umstrittenen Ghostbusters, längst verloren geglaubte Fans an die Kinokassen, mit mäßigem Erfolg. Und dann gab es da noch Überraschungen, wie Don’t Breathe und We Go On, die zeigten, dass Angst und Schrecken nicht immer von der Stange kommen müssen.

Doch was waren die besten Horrorstreifen des Jahres, welche Serie stach heraus und welcher Film enttäuschte?

Es folgt die persönliche Auflistung eines Horrorfans und Kritikers, der sich für Sie der gefürchteten Jahreszeit gestellt hat.

Top 3 Horrorfilme 2016:

1. Don’t Breathe

Ein blinder Kriegsveteran, der sein Haus gegen drei einbrechende Jugendliche verteidigt. Doch wer ist hier eigentlich der Gejagte? Ein Film, der einem den Atem raubt, dunkle Geheimnisse birgt und die Erwartungen der Zuschauer im Keller einsperrt. Stephen Lang in seiner wohl beeindruckendsten Rolle. Imaginäre Poltergeister sind Schnee von gestern, wenn er die Korridore entlang schleicht.

2. Hush

Im Netflix Original sieht sich die taubstumme Autorin Maddie (Kate Siegel) mit einem Mörder konfrontiert, der sie für leichte Beute hält, aber nicht mit ihrer Gegenwehr rechnet. Die Dialoge, Charaktere und Drehorte beschränken sich auf ein absolutes Minimum und treffen damit ins Schwarze. Maddie ist kein weiteres Fallobst und setzt sich auf nachvollziehbare Weise ihrem Jäger zur Wehr. Beklemmend, authentisch und erfrischend still.

3. 10 Cloverfield Lane

Drei Fremde, ein Bunker und eine dem Untergang geweihte Welt. Doch ist sie das wirklich? Der postapokalyptische Horror pfercht Angst und Misstrauen auf engsten Raume zusammen und wartet darauf, dass auch der Letzte den Verstand verliert. Ein gefährliches Spiel mit der Realität, bei dem niemand so richtig weiß, wem er vertrauen soll und kann. Ein rundum packendes Erlebnis, welches besonders durch John Goodmans Darbietung als mysteriöser Verschwörungstheoretiker/Bunkerbesitzer beeindruckt.

Horrorserie des Jahres:

Stranger Things

Und dann war sie da: Ein Mix aus den Goonies, E.T. und einem bösen Alptraum, verpackt in acht fesselnde Folgen. Erst verschwindet ein kleiner Junge, dann taucht ein mysteriöses Mädchen auf und ein Monster soll ebenfalls die Wälder der kleinen Stadt Hawkins heimsuchen. Von den Charakteren über die Handlung bis hin zum Soundtrack ist den Duffer Brüdern ein wahres Mystery-Meisterwerk gelungen, welches bereits 2017 in die Verlängerung gehen soll.

Höhepunkt des Jahres:

Blair Witch

Der Trailer zu The Woods kursierte für eine Weile: Found Footage, verlorene Wanderer im Wald, in dem sie offenbar nicht alleine waren. Vielversprechend, erinnerte dennoch zu sehr an The Blair Witch Project. Dann platzte die Marketingbombe: Es IST der Nachfolger (den katastrophalen Blair Witch 2 mal außen vor gelassen). Der Traum oder Alptraum vieler Fans nahm nach 17 Jahren die bekannten wackligen Kamerabildformen an.

Enttäuschung des Jahres:

Blair Witch

Mit dem Hype kamen die Erwartungen und mit denen begann der Qualitätsbungeesprung der Found-Footage Fortsetzung. Nervige Jumpscares, unschlüssige Handlungsstränge und eintönige Charakterbilder waren die Folge, welche das schwerwiegende Erbgut des Vorgängers mit schmutzigen Wanderstiefel treten und dem damaligen Blair Witch Mysterium jegliche Authentizität rauben.

Horrorfigur des Jahres:

Das Monster – Stranger Things

Ein Wesen nicht von dieser Welt, welches durch menschliche Hilfe einen Weg in die unsere gefunden hat. Es lauert in den Wänden, den Wäldern, den Schatten und jagt ohne Erbarmen. Mysteriös, beinahe unverwundbar und absolut tödlich. Der perfekte Jäger, wären da nicht diese unnachgiebigen Kinder, die ihren Freund retten wollen.

Stranger Things © Netflix

Stranger Things © Netflix

Genretrends und Zukunfswünsche:

Das Horrorgenre ist nicht erst seit gestern gespickt mit Fortsetzungen, weshalb es keine Überraschung ist, dass dieser Trend weiterhin starken Zuspruch erfährt. Besonders der Found Footage Bereich röchelt inzwischen aus den letzten Löchern und müsste sich mal eine Auszeit gönnen, um mit dem nötigen Elan zurückkehren zu können. Mit Filmen wie Jurassic World und Teenage Mutant Ninja Turtles brachte der Mainstream allerdings eine weitere Kugel ins Rollen, die nun auch ihren Weg in dieses Genre gefunden hat und für Verwüstung sorgt – Remakes! Die sind grundlegend kein Verbrechen, hinterlassen aber einen bitteren Beigeschmack bei Nostalgikern, sollten sie qualitativ nicht wenigstens on par mit ihren Originalen sein.

Das es talentierte Regisseure und vielversprechende Drehbücher gibt, steht außer Frage und dennoch müssen sie sich kommerziell meist den mittelmäßigen Hollywoodschreckgespenstern geschlagen geben.

Ich hoffe, dass man sich wieder weg von billigen Jumpscares sowie überladenem CGI-Gewitter bewegt und zurück zur beklemmenden Atmosphäre mit angsteinflößenden Charakteren findet, welche den Horror in der Vergangenheit so geprägt haben.

Happy Halloween!

Halloween 2016 [Special]
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